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Mehr Wirtschaft in die Schulen

21.01.2015 | 21:00 Uhr
Mehr Wirtschaft in die Schulen
Foto: Walter Fischer

Hattingen.  Der Ruf nach einer Ausweitung ökonomischer Inhalte in den Stundenplänen wird immer lauter. Zu Recht? Auf Meinungssuche an Hattingens Schulen.

Über die Aufgaben von Schulbildung wird zurzeit heftig diskutiert, seit die 17-jährige Naina aus Köln jüngst im sozialen Netzwerk Twitter schrieb, sie könne eine Gedichtanalyse in vier Sprachen schreiben, habe aber keine Ahnung von Steuern, Miete, Versicherungen. Immer lauter wird nun der Ruf nach mehr ökonomischen Inhalten in den Schulen. Der Initiativkreis Ruhr etwa wünscht sich dies, die Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen fordern sogar ein Pflichtfach Wirtschaft. Zu Recht? Auf Meinungssuche an Hattingens Schulen.

Dr. Heinz Niggemann, Leiter des Gymnasiums Waldstraße, atmet tief durch: „Es ist ja nicht so, dass Wirtschaftsthemen bei uns bisher nicht stattfinden.“ In Politik, Geschichte, in der Oberstufe in Sozialwissenschaften: Bereits ab der Klasse sechs würden immer wieder auch ökonomische Fragen behandelt. Zudem beteilige sich sein Gymnasium schon seit Jahren am Junior-Schülerfirmen-Programm, bei dem junge Menschen Grundprinzipien unternehmerischen Handelns erlernen. „Schule“, so Niggemann, „hat die Aufgabe, für eine breite Allgemeinbildung und Horizonterweiterung zu sorgen. Sie darf sich nicht nur daran orientieren, was gerade aktuell ist.“

Auch Dr. Elke Neumann, Leiterin der Gesamtschule in Welper, kann viele Beispiele dafür nennen, dass wirtschaftliche Themen an der Gesamtschule längst eine größere Rolle spielen – von den Auswirkungen der Globalisierung bis zum Fairtrade-Handel. Trotzdem sagt sie: „Es könnte durchaus noch mehr Wirtschaft unterrichtet werden.“ Wie ihr Kollege Gerd Buschhaus, Leiter des Gymnasiums Holthausen, der sich angesichts der aktuellen Debatte fragt, „was Schule denn noch alles leisten soll“, sieht indes auch Neumann hier nicht nur die Lehrer in der Pflicht: „Wir erziehen Schüler ja zu eigenständigen, die Dinge kritisch hinterfragenden Menschen.“ Ganz aus der Verantwortung entlassen, sich auch eigene Infos zur Bewältigung künftiger Lebenssituationen einzuholen, könne man sie daher nicht.

Dessen sind sich Jugendliche natürlich bewusst, wie WAZ-Nachfragen ergaben. Gleichwohl: Mehr Wirtschaft in der Schule wünschen sich viele. Manche Schulen in Hattingen planen dies dabei längst.

An der Realschule Grünstraße etwa, erklärt Schulleiter Jürgen Ernst, sei das für Realschulen seit dem Schuljahr 2014/15 mögliche Wahlplichtfach „Politik/Ökonomie“ ab Klasse 7 „in der Mache“; bis zum Sommer soll die Schulkonferenz über die Einführung entscheiden. Und am Gymnasium Holthausen will man künftig statt des Oberstufenfachs Sozialwissenschaften das Fach Sozialwissenschaften/Wirtschaft einführen. Fachlehrer Michael Möller, zudem Diplom-Ökonom, betont indes: Angesichts der vielfältigen Aufgaben an die Institution Schule, zu denen Wissensvermittlung, Persönlichkeitsbildung und längst überall auch Berufsvorbereitung gehört, müsse man „aufpassen, dass wir die Balance wahren“.

Sabine Kruse

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2015-01-21 21:00
Hattingen