Mehr Geld für anstrengende Arbeit

Streikende Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst zogen durch die Altstadt.
Streikende Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst zogen durch die Altstadt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
120 Verdi-Mitglieder ziehen nach einer Kundgebung mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die Stadt für die Aufwertung von sozialer Tätigkeit.

Hattingen..  Erziehung und soziale Arbeit sind anstrengend und gehen auf die Ohren. Nicht nur während des Jobs in Kitas, sondern auch, wenn Menschen aus Sozial- und Erziehungsberufen auf die Straße gehen für mehr Geld, andere Eingruppierungen und vor allem mehr Anerkennung in Gesellschaft und Politik. Über 120 Verdi-Mitglieder folgten gestern dem Aufruf ihrer Gewerkschaft.

Friedrich-Wilhelm Schütrumpf, der seinen zweijährigen Enkel durch die Fußgängerzone schiebt, hat Verständnis für die Forderungen. Der 66-Jährige ist ebenfalls für bessere Bezahlung in Kindertageseinrichtungen.

Dem kann sich Ekaterina Osovec nur anschließen. Die junge Frau ist vor drei Jahren mit der Ausbildung fertig geworden. Sie hat ihr Anerkennungsjahr bei der Stadt gemacht und arbeitet jetzt nicht nur ganztags in der Kita, sondern bessert ihren Verdienst von „1400 Euro netto“ durch einen Nebenjob auf. Viele werden nur noch als Zweitkraft beschäftigt. Der Unterschied macht einige hundert Euro aus. Das weiß nicht nur die 60-jährige Kollegin der jungen Erzieherin. Sie ist an diesem Morgen „als Mutter und Erzieherin“ unterwegs. An der Hand den Enkel, der am Freitag nicht in der Kindertageseinrichtung betreut wird. Die Eltern arbeiten beide als Lehrer und können nicht auf ihn aufpassen.

Kritik an Notgruppen

Thomas Behr, der bei der Jugendgerichtshilfe der Stadt arbeitet, setzt sich ebenfalls besonders für die „Kolleginnen in Kitas“ ein. Dass in Hattingen mehrere Einrichtungen normal geöffnet haben und andere Notgruppen vorhalten, kritisiert Ina Hecht, die bei Verdi für den Ennepe-Ruhr-Kreis zuständig ist. In Gevelsberg „ist alles geschlossen, doch gibt es leider nur eine Einrichtung“. Nicht nur von dort sind Streikende nach Hattingen angerückt. Auch aus Schwelm und Witten, wo bereits ein Warnstreik stattgefunden hat, ist Verstärkung gekommen.

Sie alle formieren sich zunächst vor dem Rathaus. Und ziehen dann, mit Transparenten und Trillerpfeifen, für bessere Verträge und Einstufungen in allen Sozial- und Erziehungsberufen die Fußgängerzone hinunter bis zum Reschop Carré und wieder zurück. Klar gemacht werden soll, dass in Kitas nicht nur gespielt wird und die Anforderungen in allen sozialen Berufen steigen, in denen hauptsächlich Frauen arbeiten. Verdi fordert Einkommenserhöhungen von durchschnittlich zehn Prozent, eine andere Wertung von Beschäftigtenzahl und Einrichtungsgröße sowie bessere Anrechnungszeiten bei der Einstufung in die Einkommensgruppen.