Mehr ausländische Senioren im Heim

Luzie Hadam (l.) und Edeltraud Ziemek leben im Martin-Luther-Haus. Untereinander sprechen sie meist Polnisch.
Luzie Hadam (l.) und Edeltraud Ziemek leben im Martin-Luther-Haus. Untereinander sprechen sie meist Polnisch.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Jeder zehnte Bewohner der Einrichtungen der Diakonie hat einen Migrationshintergrund. Flüchtlinge sollen für Altenpflege gewonnen werden.

Hattingen..  Jeder zehnte Bewohner der Seniorenheime der Diakonie in Hattingen hat einen Migrationshintergrund. Die Pflegeheime stellt das vor neue Herausforderungen, die vor allem auch mit Hilfe von Mitarbeitern, die ebenfalls aus einem anderen Land stammen, gemeistert werden müssen.

„Ich komme aus Niederschlesien, nicht Polen“, sagt Edeltraud Ziemek. Sie sitzt neben ihrer Schwägerin Luzie Hadam auf dem Bett im Martin-Luther-Haus. Die 93 und 86 Jahre alten Frauen gehören zu den zehn Bewohnern des Seniorenheims, die ihre Wurzeln im Ausland haben. „Wir haben sechs Bewohner aus Schlesien, Polen, der Ukraine, Bosnien und so weiter“, berichtet Stefan Buschhaus, Leiter des Altenzentrums Heidehof. Im Haus der Diakonie sind es neun Bewohner. Um die zehn Prozent der Plätze, im Martin-Luther-Haus sogar 15 Prozent, sind damit von Menschen mit ausländischen Wurzeln belegt.

Vor allem aus dem Osten Europas kommen sie. Für muslimische Senioren habe es noch keine Anfragen gegeben. „Dort sind die Familienverbände besonders stark“, weiß Bärbel Buchs, Leiterin des Martin-Luther-Hauses und ergänzt: „Aber wenn Anmeldungen kommen, müssen wir reagieren.“

Eine enge Familienbande pflegen auch Luzie Hadam und Edeltraud Ziemek. Und spazieren sie über die Flure, sprechen sie meist Polnisch. „Aber ich war auf einer deutschen Schule“, erzählt Edeltraud Ziemek. „Wenn ich es brauche, spreche ich Polnisch“, sagt sie.

Grundbegriffe übersetzt

Die Leiter der Senioreneinrichtungen wissen, dass vor allem Migranten mit einer Demenzerkrankung oft in ihre Muttersprache wechseln. „Einige Bewohner reagierten plötzlich nur noch auf Polnisch“, erinnert sich Hans-Jürgen Röpke vom Haus der Diakonie. Wie bei allen Demenzkranken, sei Einfühlungsvermögen auch bei Menschen aus anderen Ländern entscheidend, findet Buschhaus. Um sprachliche Hürden zu überwinden, haben die Pfleger aber einige Grundbegriffe in den jeweiligen Landessprachen erlernt – Grundbegriffe wie Toilette.

Besonders wichtig sei die Unterstützung der Mitarbeiter mit ausländischen Wurzeln. „Ohne sie ginge es nicht“, betont Jürgen Kafczyk, Fachbereichsleiter stationäre Pflege bei der Diakonie Mark-Ruhr. Schon heute arbeiten in den drei Seniorenheimen der Diakonie in Hattingen 43 Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. „Die Bewerber aus Polen und anderen Ländern sind ein echter Gewinn“, sagt Kafczyk und ergänzt: „In Zeiten des Fachkräftemangels wollen wir unsere Türen für ausländische Mitarbeiter öffnen.“ So könne er sich auch vorstellen, Flüchtlinge für den Beruf des Altenpflegers zu gewinnen. Damit wollen sich die Pflegeeinrichtungen auf künftige Bedarfe einstellen.