Mediziner diskutieren Sterbehilfe

Die Palliativmedizin hat das oberste Ziel, Leiden zu vermindern. Eine intensive Schmerztherapie gehört dazu.
Die Palliativmedizin hat das oberste Ziel, Leiden zu vermindern. Eine intensive Schmerztherapie gehört dazu.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Das Kamingespräch widmet sich dem Thema. Ärzte beziehen Stellung – auch zu passiver Sterbehilfe. Oberstes Ziel ist es, Leiden zu vermeiden.

Hattingen..  Kaum ein medizinisches Thema wird derzeit so kontrovers betrachtet wie die „Sterbehilfe. Doch gerade hier gibt es viele Irrtümer und Missverständnisse. Die aus dem Weg zu räumen, war die Zielvorgabe beim ersten Kamingesprächs des Jahres.

Rund 40 Interessierte waren ins Alte Rathaus gekommen, um sich zu informieren. Mit Pfarrer Winfried Langendonk, Beate Achtelik vom Ambulanten Hospizdienst Witten-Hattingen, dem Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Theodor Windhorst, dem Allgemeinmediziner Prof. Herbert Rusche und dem Palliativmediziner Dr. Franz Krizanits hatte das Netzwerk „Med in Hattingen“ ein hochrangiges Kompetenzteam an einen Tisch gebracht.

„Durch die aktuelle Debatte im Bundestag ist die Diskussion über Sterbehilfe neu angestoßen worden“, wies Moderator Udo Polenske zunächst auf die hohe Aktualität des Themas hin. „Wir brauchen bei uns keine neuen Gesetze, sondern sollten die menschliche Zuneigung mehr in den Vordergrund stellen“, erklärte Krizanits. So gebe es aktive Sterbehilfe momentan lediglich in drei Ländern, nämlich den Niederlanden, Belgien und Luxemburg. Hingegen sei die passive Sterbehilfe hierzulande erlaubt und im Rahmen der auf den Tod vorbereitenden Palliativmedizin schon jetzt gang und gäbe, stellte der Palliativmediziner klar.

„Einige Ärztekammern verbieten das zwar auf der beruflichen Ebene, doch ist das indirekte sinnvolle Beenden eines Leidens aus strafrechtlicher Sicht eindeutig erlaubt“, verdeutlichte der Mediziner. „Der feine Unterschied ist es, dass durch Narkosen oder Schmerzmittel die potenzielle Todesfolge eintreten kann. Doch kann das die Person durch die Dosierung selbst entscheiden“, verdeutlicht Krizanis, dass es das oberste Ziel sei, Leiden zu vermeiden.

„Entscheidend ist es, für den Patienten da zu sein und ihm Schmerzfreiheit und die Kontrolle seiner Symptome zu garantieren. Vertrauen und intensive Zuwendung sind hierbei der wichtigste Ansatz“, erklärte indes Prof. Herbert Rusche. „Wir sind in der Lage, nicht nur jeden Schmerz zu lindern, sondern sogar komplett wegzubekommen, indem die Schmerzmitteldosis entsprechend erhöht wird“, erklärte Windhorst den Vorgang der so genannten Palliativ-Sedierung, die im Austausch mit dem Patienten oder auch den Angehörigen erfolge.

Um herauszufinden, ob der Patient Schmerzen habe, würden spezielle Messinstrumente oder Therapieversuche eingesetzt, informierte der Ärztekammer-Präsident. Bei Menschen, die sich nicht mehr äußern können oder schwer an Demenz erkrankt sind, sei man auf eine entsprechende Patientenverfügung angewiesen.