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Engel der Kulturen

Lust auf Verschiedenheit hallt lange nach

17.05.2013 | 19:00 Uhr
Lust auf Verschiedenheit hallt lange nach
Foto: Udo Kreikenbohm

Hattingen.  Der „Engel der Kulturen“ hat bleibende Eindrücke hinterlassen – bei den Besuchern, bei den Mitwirkenden, bei den Organisatoren. Der Aufbruch zu mehr Miteinander soll eine Welle bleiben.

„Die Symbolkraft des Kunstwerks hat die Menschen angesprochen“, sagt Beate Schiffer. Die Sozial- und Kulturdezernentin der Stadt Hattingen spricht von einem Rad, das am 21. April durch die Stadt rollte und auch fast vier Wochen danach immer noch Stadtgespräch ist – jenem „Engel der Kulturen“, in dem die Künstler Gregor Merten und Carmen Dietrich Kreuz, Halbmond und Stern, die für die Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum stehen, so angeordnet haben, dass die Silhouette eines Engels entsteht.

Gänsehaut war eine der Folgen, für die der Engel am Tag der Veranstaltung wie auch heute noch sorgt. So erinnerten sich Schülerinnen und Schüler der Realschule Grünstraße in dieser Woche noch einmal an ihren Auftritt an jenem 21. April. Als sie am Platz der alten Synagoge sangen. Mitten auf der heutigen August-Bebel-Straße. Gemeinsam mit einem jüdischen Chor. Als sie tanzten und Theater spielten. Vor mehreren hundert Zuschauern.

Die Gänsehaut kommt wieder, weil das Thema dieses Tages vom für die Realschüler Thema eines ganzen Jahres ist. In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv haben sie jüdisches Leben im Stadtgebiet erkundet, die Spuren Hattinger Juden bis nach Amsterdam verfolgt, die Patenschaft für die ausgelöschte Synagogengemeinde übernommen. Was sie noch machen werden: ein Lichterfest feiern, an die November-Pogrome erinnern, jüdisches Leben präsentieren. „Das Thema ist spannend und berührt“, sagt Musiklehrerin Elke Lingemann. „Die Schüler sind intensiv dabei. Und auch wir Lehrer haben viel gelernt. Nicht nur thematisch, sondern auch in der Gemeinschaft.“

Apropos Gemeinschaft: „Interkulturell, interreligiös, interkommunal – ich bin sehr froh über diese Verankerung von Stadtgeschichte und Stadtleben im Schulalltag“, betont Dezernentin Schiffer. Der ­„Engel der Kulturen“ sei ein nachhaltiges Projekt, keine Einmal-Veranstaltung.

Und nicht auf Schule begrenzt. Schon bei der eineinhalbjährigen Vorbereitung sei ein Netzwerk quer durch die ganze Stadt entstanden, sagen die Veranstalter. Und wollen die Welle des begeisterten Miteinanders vom 21. April mitnehmen. Mehr als 2000 Menschen waren auf den Beinen. Entdeckten den jüdischen Friedhof. Aßen Engelskuchen. Hörten Gospel auf der Bahnhofstraße und Friedensgebete vom Lkw herunter. „Alle Teilnehmer haben an dem Tag ihre Standorte geändert und damit ihre Perspektive“, sagt Pfarrer Bodo Steinhauer. „Der ,Engel der Kulturen’ hat den Hattingern gezeigt, dass die Menschen trotz aller Verschiedenheit alle aus einem Wurzelraum kommen. Das wird in den Köpfen bleiben.“

Einheit ist auch für Isolde Füllbeck das Schlüsselwort. Die Sprecherin des Interreligiösen Gesprächskreises, der dem „Engel der Kulturen“ in Hattingen die Spur ebnete, freut sich über das Zusammenrücken der Religionen. „Es ist deutlich geworden, dass sich alle frei entfalten können.“

Und aufeinander zugehen. Wie die Schüler der Bruchfeld-Schule zum Beispiel. Sie haben eine Leinwand-Collage zum „Engel der Kulturen“ in ihre Schule gehängt und wollen am Wochenende zur Moschee gehen: zum Integrationsfest.

Ulrich Laibacher

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2013-05-17 19:00
Hattingen