Liethmann kehrt in die Gemüsescheune zurück

Friedhelm Liethmann
Friedhelm Liethmann
Foto: Fischer
Gründer übernimmt nach mehrmonatigem Leerstand im Hügelland. Firmenchef Jobst Overbeck hatte eigentlich nur die Biogasanlage im Auge, erwarb im Gesamtpaket aber auch die Gebäude.

Hattingen..  Ganz klein hat Friedhelm Liethmann angefangen, als er vor über 20 Jahren die Gemüsescheune Elfringhausen öffnete. Mehrere Monate war sie geschlossen, seit Familie Stock-Tonscheid nach Sprockhövel gezogen ist. Mit 66 Jahren ist der Gründer der Gemüsescheune jetzt dort wieder am Start, wo er angefangen hat. Hinter ihm steht Jobst Overbeck. Der Geschäftsführer der Agrar- und Umweltservice GmbH hat mit der Biogasanlage auch die Gemüsescheune und die anderen Gebäude für eine Million Euro im Gesamtpaket erworben.

In der Gemüsescheune geht es jetzt eine Nummer kleiner zu. Los geht es mit Obst und Gemüse am 1. Mai. Freitag, Samstag und Sonntag können die Besucher zwischen 11.30 und 16 Uhr auch Spargel essen. Das Königsgemüse kommt auf den Teller in der nun wieder geöffneten Scheune und steht zum Verkauf. Kunden können sich mit Obst, Gemüse, Back- und Fleischwaren eindecken und dann nach Hause vielleicht noch ein paar Geranien mitnehmen.

„Bundeskanzler sind mit 70 Jahren noch aktiv, der Papst mit 80“, sagt Liethmann zum Neustart in seinem Alter. Er habe mit seiner Frau überlegt – „und ja gesagt, so bekloppt das ist“. Für das Projekt hat er „einen Partner gefunden, das hat gepasst“, freut er sich. Es sei nicht so einfach gewesen, sein Herz hängt an der Gemüsescheune, „ich habe sie gegründet“. Sein Sohn Thomas hatte mit dem Familienbetrieb hohe Schulden angehäuft.

Derzeit stehen die Zeichen in der Gemüsescheune auf Neuanfang. Eine junge Frau ist zum Bewerbungsgespräch erschienen. Gastronomie soll es nicht geben, nur Kaffee und Kuchen. Friedhelm Liethmann sucht aber noch Bäckerei- und Fleischverkäuferinnen.

Vier feste Kräfte hat er schon, zwei bis drei sollen noch dazukommen. Außerdem gibt es zehn Aushilfen. Geöffnet ist die Gemüsescheune sieben Tage die Woche von 10 bis 18 Uhr. Liethmann nutzt nur einen Teil des Gebäudes und ein Gewächshaus.

Jobst Overbeck, der in der Nachbarschaft landwirtschaftliche Dienstleistungen anbietet, hatte eigentlich nur die Biogasanlage im Auge. „Sie passte ins Konzept“, sagt der 67-Jährige. Da alles „nur komplett zu verkaufen“ war, ist er seit Januar auch Eigentümer der Gemüsescheune. „Die ganzen Gebäude waren dabei“, sagt der Chef eines Betriebes mit 15 Mitarbeitern.

In ein paar Monaten will er einen Vertrag mit den Liethmanns schließen. Bis dahin wollen alle Beteiligten herausfinden, was in der Gemüsescheune künftig möglich ist. In dieser Zeit sollen Erfahrungen gesammelt und ausgewertet werden. Dann soll ein Vertrag geschlossen werden, der auf den inzwischen gewonnenen Erkenntnissen aufbaut.