Lichtwörter auf Stein
12.09.2010 | 17:51 Uhr 2010-09-12T17:51:00+0200
Brennende Fackeln weisen den Weg durch die Dunkelheit: Sie führen durch den Park der Henrichshütte. Das Blattwerk der Bäume erstrahlt in Grün und Blau. Dann fällt der Blick auf die gigantische Mauer, auf der weiße Wörter leuchten.
Lichtkünstler Andreas M. Kaufmann (49) lässt einen Teil der alten Stützmauer am ehemaligen Ruhrlauf bestrahlen. Auf der 90 Meter langen historischen Bruchsteinwand - zwischen dunklem Wald und stillem Ruhrwasser - lesen Passanten typische Ausdrücke des Ruhrpotts: vom „Schlamassel“ und „schäbbig“ über die „Stulle“ bis zum „Pläuschken“. Die Wörter hat Kaufmann aus dem Ruhrgebietslexikon von Werner Boschmann ausgewählt. Meterhoch strahlen die Buchstaben, die Wörter reihen sich in alphabetischer Folge.
Vom Weg aus blicken Zuschauer hoch zur Mauer, sprechen und schmunzeln über die Ruhrpott-Sprache. „Wir amüsieren uns über die Ausdrücke“, sagt Udo Lübsen (46), der aus Norddeutschland angereist ist und die Steinwand „grandios“ findet. „Einige Ausdrücke kenne ich überhaupt nicht Das finde ich interessant.“ So fragt er sich nach der Bedeutung des Wortes „Pittermesser“, das ein kleines Küchenmesser zum Kartoffelschälen bezeichnet.
Auch Radler schieben ihre Fahrräder den Weg entlang, Spaziergänger mit Hunden schauen neugierig in die Höhe. Ewald (72) und Hiltrud (69) Schwede sitzen entspannt auf einer Bank am Ufer und betrachten die Lichtinstallation. „Die Idee ist wirklich toll und auch, dass an diesem Platz etwas stattfindet.“ Über ihre eigene Ausdrucksweise sagen sie: „Wenn wir im Urlaub sind, erkennen alle sofort, dass wir aus dem Ruhrpott kommen.“
Musiker Peter Brand und Joe Doll spielen heitere Melodien mit Saxophon und Keyboard, sorgen mit Liedern wie „Buona Sera Signorina“ für eine klangvolle Spätsommernacht.
Geschäftsführer des Stadtmarketings Georg Hartmann begrüßt die Gäste: „Herzlich willkommen an dem Ort seine Sprache.“ Bürgermeisterin Dagmar Goch sagt zu dem historischen Platz: „Die Mauer war früher eine Grenze, trennte die Wohnstadt von dem Arbeitsort. Dieser Ort war früher eine verbotene Region, an der malocht wurde. Heute macht die Mauer den Wandel im Ruhrgebiet deutlich, hier findet jetzt Kultur statt.“ Die Zuhörer applaudieren und freuen sich über das Projekt „Ruhrlights“ der Kulturhauptstadt. In sechs weiteren Städten, zwischen Hagen und Duisburg, sind im September Lichtinstallationen verschiedener Künstler zu sehen. M. Kaufmann erklärt zu den Werken: „Die historischen Orte, die alle zur industriellen Revolution gehören, und die hier gesprochene Sprache werden zusammengebracht.“ Was der Lichtkünstler erreichen möchte: Menschen sollen über die Sprache nachdenken und ihre Phantasie soll durch die Ausdrücke angeregt werden. „Die Sprache des Ruhrgebiets ist sehr bildhaft, die ausgewählten Begriffe kommen zwar allen bekannt vor, im Buch nachgeschlagen überraschen sie aber oft mit einem Bedeutungswechsel.“ So bezeichnet „klemmen“ auch „stehlen“. Manchmal muss man mit dem Wort einen Satz formulieren, um es zu verstehen. Etwa hier: Ich schaller dir gleich eine!
13:05
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11:03
Schön, dass sich einige dieses Kulturmalheur auch mit eigenen Augen angesehen haben, so dass im Nachhineien nichts mehr schön geredet werden kann. Ich möchte einge Hattinger Künstler/innen animieren, eine eigene Lichtkunstaktion zu entwickeln, die aktuellen Bezug zu Hattinger Themen hat und vor allem sinnhaft und dazu ich erschwinglich ist.
10:43
Toll! Klohäuschen!
Jetzt muss ich mich nicht mehr in die Büsche schlagen. Da kann man mal sehen: Kultur und Kulturfreunde bringen auch die eine oder andere Erleichterung für Kulturbanausen wie mich und einige andere.
Danke!
09:42
Das stimmt tatsächlich, dass wochentags kaum jemand im Hüttenpark nach Einbruch der Dämmerung noch lustwandelt, um sich dieses anzugucken.
Aber das hätten die Verantwortlichen auch vorher wissen können. So ist das mal wieder nur was für die Katz`. Sinnvoller wäre es da wohl doch gewesen, die Jugendarbeit zum Beispiel in der Musikschule zu stützen oder die VHS zu stärken, die schließlich mit ihrem Programm einen großen Anteil an wirklich sinnvoller praktischer Kulturarbeit in dieser Stadt hat.
23:14
Mein Mann und ich haben heute, Dienstag, unseren Abendspaziergang in den Hüttenpark gelegt, um doch einmal selber zu sehen, wieviele Menschen sich das teure Ruhrlight anschauen.
Wir waren gute anderthalb Stunden da und haben in dieser Zeit immerhin einen Fotografen, drei Jugendliche, eine dreiköpfige Familie und einen Jogger bemerkt. Erstaunt waren mein Mann und ich über die sechs Klohäuschen , die hinter einer Hecke sehr versteckt aufgestellt worden waren - einschließlich einer sehr gut ausgestatteten Behindertentoilette - sowie zwei Urenalen für acht Personen.
Da muss nun aber wirklich einmal die Frage an diese Schuldenmeisterin erlaubt sein, mit vielen Besuchern sie da angesichts dieser chemischen Donnerbalken gerechnet hat ?
Wegen der nun wirklich sehr wenigen Menschen, die sich die Projektion im Hüttenpark anschaun, ist es wohl nicht vermessen, diese Lichtkunst als weiteren typischen Flop dieser Ruhr 2010 zu bewerten. Dass eine Stadt, die so Pleite wie diese ist, für solch eine fast schon unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindende Veranstaltung 35 000 € mal eben an die olle Wand knallt, versteht wohl nur die doktorierte Kultur-Schickse - man möge mir den Ausdruck verzeihen, aber ich habe ich den den Lichtwörtern entnommen - ganz allein.
Es stimmt meinen Mann und mich wirklich sehr traurig ansehen zu müssen, wie wegen Geldmangels viele dringliche Projekte in dieser Stadt nicht durchgeführt werden, während für solch einen Tinnef eine hoch verschuldete Stadt bei der Bank für teure Zinsen einen Kredit aufnimmt und sich damit weiter sinnlos verschuldet. Wie kann man soetwas nur machen, wenn man Verantwortung für 57 000 Bürger übernommen hat ?
14:10
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21:47
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21:21
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21:15
Ich glaube, daß sich hier einige treffen, um sich im Auftrag einer Organisation im Schatten der Zecke auszuheulen. Der Grund: Denen fällt nichts besseres ein.