Kurzreise zum Weltmeister

Kurz entschlossen mitgemacht, Ticket gewonnen und schon im Flugzeug warmgesungen: Carmen Bracht war beim WM-Finale dabei.
Kurz entschlossen mitgemacht, Ticket gewonnen und schon im Flugzeug warmgesungen: Carmen Bracht war beim WM-Finale dabei.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Carmen Bracht erlebte das Endspiel der Fußball-WM in Brasilien liveim Stadion mit, während auf der Copacabana die Brasilianer „Atemlos“ sangen

Hattingen..  Das Trikot mit dem vierten Stern hat Carmen Bracht längst im Schrank liegen. Ehrensache, immerhin war die 49-Jährige Hattingerin live dabei, als Mario Götze das erlösende Tor und Deutschland zum Fußball-Weltmeister schoss – ihr Moment 2014.

Was für ein Kurztrip. „Das waren 24 Stunden Flug für 20 Stunden Brasilien“, sagt Bracht. Am Donnerstagabend erfuhr sie, dass sie dabei sein kann, beim WM-Finale in Brasilien. Schon am Samstag ging es los. Der Flieger startete um 20.45 Uhr. Um 4.30 Ortszeit erreichte Bracht die Copacabana. Um 16 Uhr war Anpfiff beim Endspiel – Deutschland gegen Argentinien. Und um 0.40 Uhr Ortszeit saß Carmen Bracht schon wieder im Flieger zurück nach Deutschland. Nur einen Tag Urlaub hatte die 49-Jährige, die die Aufnahme in der Reha-Klinik Holthausen leitet, für ihr WM-Abenteuer benötigt.

„Bis ich auf der Copacabana stand, habe ich das alles nicht wirklich realisiert“, erinnert sich Carmen Bracht. Sie ist Fußballfan „seit ich auf der Welt bin“ und Mitglied im DFB-Fanclub. Über den hatte sie sich auch auf die begehrten WM-Tickets beworben. Und Glück gehabt. Sogar doppeltes, denn auch ihr Freund erhielt den Zuschlag für eine Eintrittskarte.

„Aber am Anfang habe ich gesagt, das mache ich nicht. Das ist zu teuer“, gibt sie zu. Wie viel sie die Reise gekostet hat? Darüber will Carmen Bracht lieber nicht nachdenken. „Aber ich hätte mich sonst in den Hintern gebissen, wenn ich das nicht gemacht hätte.“ Also ging es mit dem Fanflieger des DFB nach Brasilien. „Wir haben uns schon im Flugzeug warmgesungen“, sagt sie. Denn dass die Deutschen gewinnen werden, davon was sie überzeugt: „Die sind so schlecht gestartet. Das musste dann gut gehen“, lacht sie.

Im Stadion aber ließ die Mannschaft die Fans zittern. „Mit zunehmender Spieldauer wurde das problematischer. Aber keiner glaubte an ein Elfmeterschießen“, erinnert sie sich. Dann, endlich, das erlösende Tor. „Alle lagen sich in den Armen. Das war ein riesen Freudentaumel und dann dachte ich nur noch: Pfeif endlich ab.“ Der Schiri pfiff und besiegelte den vierten WM-Titel für Deutschland.

Nicht nur für die Deutschen gab es danach kein Halten mehr. „Auch die Brasilianer waren alle auf unserer Seite. Da hat keiner gemeckert“, freut sich Carmen Bracht. Den Weltpokal sah die Hattingerin noch live, die ganze Abschlussfeier aber nicht mehr: „Wir hatten ja unsere Abholzeit und mussten früher aus dem Stadion raus.“ Und „Rückflug verpassen gilt nicht“ – das hatte ihr der Chef mit auf den Weg gegeben, als er ihr per Ausnahmeregelung und trotz dünner Besetzung frei gab.

Ein Zwischenstopp auf der Copacabana war aber noch drin. Und dort sei sie von jedem beglückwünscht worden. Auf die Fanmeile habe sie es aber gar nicht mehr geschafft: „Die war voll mit Brasilianern, die alle ,Atemlos’ gesungen haben.“ Ein schöner Abschied aus Brasilien – ebenso wie der Willkommensgruß des Piloten bei der Landung in der Heimat: „Willkommen im Land der Weltmeister.“