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Rotes Band

Kunst im Schaufenster

27.06.2010 | 15:42 Uhr
Kunst im Schaufenster
Künstler ziehen mit Musik durch 28 Geschäfte - in denen Bilder und Skulpturen ausgestellt sind.. Foto: Hanusch

Wie der Rattenfänger zieht der Saxophonspieler vorweg, eine große Gruppe folgt ihm. Von Schaufenster zu Schaufenster wandern sie, in jedem steht ein Kunstwerk.

Das Stadtprojekt von Künstlerbunt Multicolor heißt „Das Rote Band“, 28 Künstlerinnen und Künstler aus Hattingen und Umgebung stellen in 28 Geschäften der Altstadt ihre kreativen Werke aus. Das Bild einer gefleckten Kuh im Schaufenster der Metzgerei Müller, eine irische Landschaft im Schuhgeschäft Heller: Die Kunstwerke wirken zwischen Schaufensterpuppen, Bestsellern und Herrenmode einmal ganz anders als im Museum oder Atelier.

Bis Sonntag, 4. Juli, sind sie zu sehen. Als Erkennungsmerkmal zieht sich ein breites rotes Band am Schaufenster entlang. Im Eiscafé Venecia (Reschop-Carré) steht das Gemälde „Eisberg“ von Hanna Ludwig-Schmidhuber. Im vergangenen Sommer malte die Künstlerin für die Eisdiele ein passendes Bild mit Pinsel und Acryl. „Im Sommer sehnen wir uns nach einer Abkühlung. Ein Bild von Eis passt gut in die Eisdiele“, sagt sie. Ein großer, schneeweißer Berg spiegelt sich im dunklen Wasser. Kalte Farben dominieren: Blau, Grün und Violett. Als Vorlage diente ein Foto aus Grönland, das eine Freundin ihr von der Reise zeigte.

Wochen- oder sogar monatelang malt die Künstlerin an einem Bild: Die Farbe muss trocknen, dann verbessert sie Strukturen, verstärkt Töne, malt noch einmal darüber. „Für bräunliche Schattierungen habe ich angelösten Pulverkaffee verwendet. Ich probiere beim Malen alles aus.“

Die Gruppe zieht weiter. Jürgen Bebenroth spielt bei jedem Halt mit seinem Saxophon eine kleine Melodie. Die Zuschauer sehen sich das ausgestellte Stück an und rufen: „Sehr schön!“

Heinz-Dieter Wallace (74) zeigt eine farbenprächtige irische Landschaft. Auf dem Bild „An der irischen See“ steht ein einsames Haus umgeben von bunten Feldern und Wiesen. „Die alten irischen Häuser beeindrucken mich, die Menschen, die dort leben, sind sehr mit der Natur verbunden“, sagt er. Ein dicker Schornstein, meist nur drei Fenster und ein großer Kamin zeichnen die Häuschen aus.

Die ungewöhnliche Ausstellung kommt gut an. „Ich sehe die Stadt mit anderen Augen, entdecke neben der Kunst auch interessante Geschäfte“, sagt Sabine Vogel (51), „ich bin über das künstlerische Potenzial vor Ort überrascht, es gibt so viele Künstler hier.“

Organisatorin Christiane Nicolai: „Kunst gehört zu uns, ist um uns herum und spricht uns an.“ Derzeit Bäcker, Frisör und in der Parfümerie.

Lene Lemmer

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