Künstlerische Zeitreise führt ins Mittelalter

Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Im Stadtmuseum beschäftigt sich ein Workshop des Ferienspaßes mit der Zeit der Ritter und Burgen. Neben Fingerfertigkeiten lernen die Kinder viel über den Alltag vor 700 Jahren.

Hattingen..  Mit ruhiger Hand fädelt Lars (9) einen weißen Faden ins Nadelöhr. „Ich mache das nicht zum ersten Mal“, sagt der Schüler, ehe er den Rand eines dunkelroten Stoffes umnäht. Das Nähen hat er zu Hause gelernt, erzählt er. Am Ende des Tages wird aus dem roten Stück Stoff seine eigene mittelalterliche Fahne. Darauf ein Wappen mit vier Feldern, die von einem Schwert, einer Lanze, einem Drachen und einem Schutzschild ausgefüllt werden.

Lars ist Teilnehmer beim Mittelalter-Workshop im Stadtmuseum, der seit Dienstag im Rahmen des Ferienspaßes stattfindet. Kursleiterin Agnes Motz hat es sich in diesen drei Tagen zur Aufgabe gemacht, den Kindern die Kunst und auch ein wenig die Faszination des Mittelalters mitzugeben.

Dazu besuchte die Gruppe zunächst die Ausstellung im Stadtmuseum und informierte sich über das Leben und die Gewohnheiten vor mehr als 700 Jahren. In den Gesprächen ging es zum Beispiel um die vielen Handwerksberufe, die sich damals schon entwickelt hatten. „Die Kinder kannten bestimmt schon mehr als 50 dieser Berufe“, sagt Motz.

Auch sonst zeigte sich die Kursleiterin überrascht, wie viel die Kinder bereits über das Mittelalter wissen: „Ich war erstaunt, dass die Kinder schon solche Experten in diesem Bereich sind. “

Neben den Berufen ging es natürlich auch um Ritter und um die Burgen, die diese verteidigten. Daher lag es nahe, dass die Kinder auch eine Ritterrüstung anprobierten. „Ich hatte einen Brustpanzer, Handschuhe, den ziemlich schweren Helm, einen Beinschutz und ein Schwert mit Lederriemen an“, berichtet Hannes (8), der damit einen Eindruck bekommen hat, wie schwer allein die Ritterrüstung zu tragen war. „Ich habe probiert, mit der Rüstung zu rennen, aber das hat absolut nicht hingehauen.“

Der künstlerische Teil des Workshops begann dann am Dienstag mit der Erstellung eines eigenen Buches. Außerdem bastelte jedes Kind einen Federhalter.

Denn in das Buch mit Holzumschlag schreiben die Kinder mit einer Feder. Und das standesgemäß in einer mittelalterlichen Handschrift, die sie in den drei Tagen lernen und mit der die meisten der Kinder ihren Namen bereits nach dem ersten Tag schreiben können. Am Tag darauf banden viele Kinder die bereits gelernten Buchstaben auch in das Design ihrer Wappen ein, die am Mittwoch im Mittelpunkt standen. Hannes und Clara (7) etwa kennzeichneten ihre Fahnen gleich mit ihrem Namen.

Mädchen lieben’s lieblich

Ansonsten bestimmten bei den Jungen die klassischen Wappen mit Symbolen von Schwertern und Schutzschildern das Bild, während die Mädchen auf liebliche Wappentiere wie Schmetterlinge oder Pferde setzten. Für den letzten Projekttag sind Arbeiten mit Ton sowie eine kleine Ausstellung der Ergebnisse für Freunde und Verwandte geplant.