Kommunionkreuz und Puppenstube

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Was wir bereits wissen
20 Bürgerinnen und Bürger haben dem Stadtmuseum Ausstellungsstücke und Geschichten aus ihrer Kindheit in der Nachkriegszeit überlassen.

Hattingen..  An ihre Kindheit in der Nachkriegszeit, die ab dem heutigen Freitag Ausstellungsthema im Stadtmuseum in Blankenstein ist, kann sich Hildegard Heinrich noch gut erinnern. Über die Jahrzehnte hat sie einen Schatz aus dieser Zeit aufbewahrt zusammen mit ihrem Schmuck: ihr Kommunionkreuz, das ihr Walter Hof, inzwischen verstorben, in einem Übergangslager aus der Windschutzscheibe eines Flugzeugs gebastelt hat. Es ist bis zum 20. Juli zu sehen – wie die Exponate von anderen Hattingerinnen und Hattingern.

Insgesamt 20 Bürgerinnen und Bürger haben Ausstellungsstücke, Bilder, Fotos, Objekte mit und ohne Geschichte und O-Töne geliefert, die die Fotografien aus der Sammlung Michael-Andreas Wahle ergänzen und Lokalkolorit beisteuern. Jugendliche der Gesamtschule haben für die Ausstellung damalige Kinder interviewt. Die Interviews können sich Besucherinnen und Besucher an einer Hörstation per Kopfhörer im Original anhören.

Leichenwagen bringt Spielzeugholz

„Diese Zeit war geprägt von ungeheuren Zerstörungen, gesellschaftlichen Umbrüchen und der Konzentration auf das Überleben“, beschreibt die Museumsleitung, „für Kinder noch mal besonders belastend waren die zerrissenen Familien, der Verlust eines oder sogar beider Elternteile.“ Hildegard Heinrich war mit ihrer Mutter und jüngeren Brüdern, um die sie sich kümmerte, auf der Flucht. „Ich war acht“, erinnert sich die 78-Jährige. Sie gehörte zu den Evakuierten, die zu Fuß Richtung Peenemünde liefen. Wie viele Kilometer sie damals gelaufen ist, weiß die Hattingerin nicht – jedenfalls „zu viel für kurze Beine“. Als Brigitte Danzberger ungefähr vier war, „fuhr ein Leichenwagen bei uns zu Hause vor“.

Der Bekannte eines Vetters, der bei einem Sargschreiner arbeitete, brachte Holz für eine Puppenstube. Die Möbel hat der Onkel von Brigitte Danzbergers Vater 1952 aus Zigarrenkisten gezimmert und lackiert. Wer die Schränke öffnet, sieht noch alte Aufdrucke. Ausstellungsbesucher können sie bestaunen samstags und sonntags zwischen 11 und 18 Uhr und mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr. Wie das Buch „Sonnenschein“ von 1945, das Geschenk einer Tante mit Widmung. Oder Spielzeug von 1946, das die Flucht aus Schlesien überstanden hat und mit dem Ulrich Anders und sein Bruder spielten. Einzelteile wie Nadelbäume, kleine Figuren und Häuser kauften sie für 15 Pfennig im „Tante Emma Laden“ und ergänzten ihren Schatz im Lauf der Zeit um immer mehr Einzelteile. „Wir waren zufrieden, konnten uns beschäftigen.“