Klinik geht auf Partner im Ort zu

Sich Zeit zu nehmen für die Patienten, ist ein Muss, sagt Dr. Christine Bienek (l.), Chefärztin des Zentrums für Altersmedizin am St. Elisabeth-Krankenhaus in Niederwenigern. Im Bild steht sie mit Oberärztin Marie-Christin Vollmar (r.) und Patientin Ina Kels (84) an der Kaffeemaschine der neuen Station.Foto:Volker Speckenwirth
Sich Zeit zu nehmen für die Patienten, ist ein Muss, sagt Dr. Christine Bienek (l.), Chefärztin des Zentrums für Altersmedizin am St. Elisabeth-Krankenhaus in Niederwenigern. Im Bild steht sie mit Oberärztin Marie-Christin Vollmar (r.) und Patientin Ina Kels (84) an der Kaffeemaschine der neuen Station.Foto:Volker Speckenwirth
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Was wir bereits wissen
Mit geriatrischem Versorgungsverbund soll in Niederwenigern älteren Menschen besser geholfen werden können. Initiative des St.-Elisabeth-Krankenhauses.

Hattingen..  Alte Menschen wieder so mobil wie möglich für den Alltag zu machen, das ist das Ziel des Zentrums für Altersmedizin im St. Elisabeth-Krankenhaus. Doch wie geht es nach dem Klinikaufenthalt weiter? Diese Frage trieb die Chefärztin der Klinik für Innere Medizin und Geriatrie/Zentrum für Altersmedizin Dr. Christine Bienek und ihr Team um und zum Handeln an: Sie kontaktierten niedergelassene Ärzte, Pflegedienste, Heime, Apotheke, Therapeuten vor Ort, um an einer „sektorübergreifenden Versorgung zwischen stationären und ambulanten Einrichtungen sowie den Familien zu arbeiten“, erklärt Bienek den geriatrischen Versorgungsverbund.

„Ich habe mögliche Partner selbst aufgesucht, stieß auf offene Ohren“, erinnert sich Oberärztin Marie-Christin Vollmar. Denn: Es ist ein Vorteil, wenn ein Hausarzt vor der Entlassung Bescheid weiß oder die Apotheke mit im Boot ist, wenn zum Wochenende wichtige Medikamente ausgehen. Beim ersten Treffen im Herbst platzte der Raum aus allen Nähten.

Klinik sieht sich als Vorreiter

„Wir haben mit dem Projekt eine Vorreiterrolle. In dem Umfang, in dem wir das umsetzen, machen das nur wenige Stellen in Deutschland“, erklärt Hubert Brams, Mitglied der Geschäftsführung der Contilia-Gruppe, zu der die Klinik gehört. „Auch wenn die Kostenträger noch nicht so weit sind, wollten wir starten. Im Krankenhausplan für 2015 sind Kooperationen und übergreifende Versorgung vorgesehen“, so Brams.

Angeregt werden Lösungen wie die: „Warum kommt nicht regelmäßig ein Gynäkologe oder Zahnarzt ins Seniorenheim. Die Versorgung – auch die fachärztliche – daheim sei für Ältere enorm wichtig. „Wir bekommen mangelernährte Patienten, die keine gut sitzende Prothese haben, nicht beißen können“, erörtert Bienek ein Problem.

Außerdem: In der Klinik ist alles geregelt, sind die Therapien koordiniert. „Aber was danach passiert, das erfahren wir oft nicht.“

So entstand auch die Idee der häuslichen Rehabilitation für nicht rehafähige Menschen. „Bei uns bleiben die Patienten ein bis zwei Wochen. Das reicht oft nicht. Es wäre gut, wenn sie so häufig wie in der Klinik weiter Therapien bekämen.“ Auch da muss mit Hausärzten geredet werden, denn „für sie ist es wegen des Budgets schwer, mehrmals pro Woche Krankengymnastik zu verordnen“, so Vollmar. Doch für die Patienten sei es sinnvoll, mit eigenen Dingen zu üben: „mit dem Treppen-Handlauf, der Badewanne“. Wissenschaftlich soll erhoben werden, wie es Patienten mit und ohne Verbundhilfe geht. Dafür will die Klinik – seit 2013 im Bundesverband Geriatrie – Fördermittel beantragen.

Die ersten Aktionen laufen bereits: „Therapeuten von außerhalb kommen zu uns, trainieren mit den Patienten“, erklärt Bienek. Hausärzte machen ein Mal pro Woche Visite im Krankenhaus. Und informieren auch Assistenzärzte über die eigene Arbeit und deren Bedingungen. Orthopäden kommen ins Haus, um die Wundheilung nach einer Operation zu begleiten, damit alte Menschen nicht an andere Orte fahren müssen.

Um möglichst schnell herauszufinden, welche Patienten besonderen Behandlungsbedarf haben, gibt es ein so genanntes ISAR-Screening bei der Aufnahme. Wird ein Bedarf erkannt, ruft das Fachkrankenschwester Sabine Müller auf den Plan. Sie fährt auch ins St. Josef-Krankenhaus nach Kupferdreh, es gibt zudem eine Kooperation mit dem Krupp-Krankenhaus und der Ruhrlandklinik in Essen. „So können wir schnell reagieren, u.a. kognitiven Problemen gleich begegnen“, erklärt Sabine Müller. Ein Hilfsmittel für desorientierte Patienten: ein Orientierungskoffer mit Kalender, Uhr, farbigen Bechern, einer Nesteldecke. „Patienten, die an der Decke nesteln, ziehen sich seltener einen Zugang.“

Als offenes System versteht sich das Netzwerk. Zum nächsten Treffen, 25. Februar, sollen Zahnärzte wie Feuerwehr eingeladen werden.