Klavierabend ohne Effekthascherei

Georgy Voylochnikov
Georgy Voylochnikov
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Georgy Voylochnikov spielte im Alten Rathaus. Der junge russische Pianist begeisterte mit Schubert, Schumann und Mozart.

Hattingen..  Ganz im Zeichen der Romantik stand der Klavierabend des jungen russischen Pianisten Georgy Voylochnikov: Er spielte am Donnerstagabend im Alten Rathaus Werke von Franz Schubert, Robert Schumann und Wolfgang Amadeus Mozart.

Schon bei seinem Ausflug in die Welt der Klassik mit Mozarts (1756-1791) Fantasie c-Moll KV 475 stellt Georgy Voylochnikov, Gewinner des internationalen Musikwettbewerbs Köln 2014, Bezüge zur Romantik her. Die ganze Bandbreite seines gestalterischen Könnens zeigt er in der Sonate Es-Dur D 568 von Franz Schubert (1797-1828).

Selbstvergessenes Spiel

Sein kultivierter Anschlag wirkt so, als ob er seinen Klängen nachhorchen würde: In scheinbar selbstvergessenem Spiel finden sie sich im Andante zu Melodien zusammen, als wären es tönende Ideen, die sich zu einem musikalischen Gedanken formen, völlig unspektakulär und schnörkellos. Dabei verbindet Georgy Voylochnikovs edles, dezent-verhaltenes Spiel einen entschiedenen Charakter und größten Ausdrucksreichtum, mit vielen feinen Nuancen.

Reminiszenzen an die Eleganz der höfischen Tänze versunkener Zeiten ruft das spielerische Menuett wach, in dem sich die fragmentierten Themen nach und nach zusammenfinden, in zwangloser Leichtigkeit, die die Präzision und Meisterschaft des Interpreten überzeugend dokumentiert.

Empathische Klänge

Die Schlusssätze gestaltet der junge international vielfach ausgezeichnete Pianist mit großem Gefühlsreichtum, stellenweise nehmen die Themen emphatischen Charakter an, doch sie berühren immer unmittelbar, verschwinden nie hinter reinem Schönklang.

Voylochnikov verzichtet auf Show und Effekthascherei, der Ausdruck seiner reflektierten und dabei doch so natürlichen Interpretation wirkt immer authentisch. Unprätentiös gestaltet er auch die Humoreske B-Dur op.20 von Robert Schumann (1810-1856).

Unzählige Facetten romantischer Gefühlswelten offenbaren sich in seinem unaufdringlichen und doch kraftvollen Spiel, mit sicherem Stilempfinden trifft er in sehr nuancenreicher Artikulation immer den unterschiedlichen Ausdrucks-Charakter der einzelnen Sätze. Für den Applaus seinen Hattinger Publikums bedankte sich der junge Musiker zum Abschluss des Konzerts im Alten Rathaus mit dem Intermezzo a-Moll op.116 von Johannes Brahms.