Kita-Streik dehnt sich aus auf Welper

Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
56 Verdi-Mitglieder zogen durch die Fußgängerzone in den Stadtteil. Kleine Gruppen besuchten Kitas An der Hunsebeck und Poststraße, die am Dienstag geöffnet hatten, und diskutierten mit Erzieherinnen.

Hattingen..  Ende März waren 120 Verdi-Mitglieder nach einer Kundgebung am Rathaus mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die Stadt gezogen für die Aufwertung von sozialer Tätigkeit. Ein Warnstreik. Am gestrigen Dienstag machte sich eine knapp halb so große Gruppe auf und zog nach einer Versammlung beim DRK an der Talstraße durch die Fußgängerzone weiter nach Welper und zur Einrichtung an der Hunsebeck.

93,44 Prozent der Verdi-Mitglieder hatten sich für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. „Die Hälfte der Belegschaft ist raus auf der Straße“, sagt Hans-Georg Harms im Namen der Gewerkschaft zur Situation in Hattingen. Von zehn städtischen Einrichtungen streikten fünf voll. Wie berichtet, handelt es sich um Schreys Gasse, das Familienzentrum Südstadt und die Kitas Habichtstraße, Oberwinzerfeld, Tippelstraße. Blankenstein hat nur am heutigen Mittwoch geschlossen. Und an der Hunsebeck und Poststraße ist geöffnet. In Welper schließt Harms einen Streik möglicherweise in der nächsten Woche nicht aus. Dort haben sich Verdi-Mitglieder „in kleinen Gruppen“ ebenso sehen lassen wie an der Poststraße, um mehr Mitglieder für einen Streik zu gewinnen. Mehr als die 56, die gestern unterwegs waren.

Für die Notlage der Eltern, die ihre Kinder betreut haben müssen, hat Harms Verständnis. Tochter und Schwiegersohn arbeiten bei der Bogestra. „Hätten sie Kinder, könnten sie die auch nicht im Bus mitnehmen, wenn sie fahren“, sagt er. Wohl wissend: „Was machen Vater und Mutter, die beide keinen verständnisvollen Arbeitgeber haben?“

Viel Verständnis hat er aber auch für den jungen Sozialarbeiter, der seit 2009 nur mit Zeitverträgen arbeitet. „Der kann noch nicht mal einen Kredit für ein Auto aufnehmen“, sagt Harms. Oder die Erzieherin an der Hunsebeck. Sie sei von ihrem alten Arbeitgeber weggegangen, weil sie etwas Festes haben wollte. Inzwischen habe sie den fünften Zeitvertrag. Da hat es Harms’ Nachbarin fast gut. Sie ist mit einem Bänderriss vom Urlaub aus Mallorca zurückgekommen. Um ihr eigenes Kind, deren Kita streikt, muss sich diese Mutter gerade keine Gedanken machen.

Der Verdi-Sprecher kann sich auch in Arbeitgeber reindenken. Doch sollten nach Ansicht von Harms wieder sachliche Gründe für befristete Tätigkeiten zählen. „Das kann Elternzeit sein oder ein befristetes Projekt, bei dem die Stadt nicht weiß, ob es danach noch Förderung dafür gibt.“ Auch dafür, dass Berufstätige nicht einen Zeitvertrag nach dem anderen unterschreiben müssen, demonstrieren Hattinger heute in Hagen.