Kirchenkreis senkt das Wahlalter

Für Schwache stark machen: Heike Rienermann mit den Flüchtlingsbeauftragten Dirk Ochtrup (links) und Sigurd Hebenstreit.
Für Schwache stark machen: Heike Rienermann mit den Flüchtlingsbeauftragten Dirk Ochtrup (links) und Sigurd Hebenstreit.
Foto: Kirchenkreis
Sommersynode der Evangelischen Kirche Hattingen-Witten wählt auchzwei Flüchtlingsbeauftragte und beschließt eine neue Kita-Satzung

„Wenn wir glaubwürdig Kirche sein wollen, müssen wir uns unserer Verantwortung stellen und uns für Schwache stark machen.“ Alle zwei Jahre berichten die Evangelischen Kirchengemeinden auf der Sommersynode über Entwicklungen und Projekte, blicken zurück und planen die Zukunft. Am Samstag machte Heike Rienermann, stellvertretende Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten, den stimmberechtigten 67 Synodalen Mut zu Veränderungen. Die Synode verabschiedete eine neue Satzung für den Trägerverbund ihrer Kindergärten, senkte das aktive Wahlalter für die Kirchenwahlen, verabredete mehr Kooperationen zwischen den Gemeinden, formulierte ihre Empörung über die Flüchtlingspolitik der EU und benannte zwei Flüchtlingsbeauftragte, die die Gemeinden zukünftig bei ihren Willkommens- und Integrationsprojekten unterstützen sollen.

Mit großer Mehrheit beschloss die Synode die Herabsetzung des aktiven Wahlalters von 16 auf 14 Jahre. Das bedeutet, dass schon bei den nächsten Kirchenwahlen im Februar 2016 auch konfirmierte Jugendliche ab 14 Jahren die Gemeindeleitung mitwählen können.

Die Zahl der Protestanten sinkt. Seit 2010 hat der Kirchenkreis knapp 3500 Mitglieder verloren. Noch 68 592 Mitglieder, 22 260 davon in Hattingen, verzeichnete die Verwaltung zum Stichtag. Darum sinkt auch die Zahl der Pfarrstellen, denn die orientieren sich an der Größe der Gemeinden. Für die Zukunft wurde beschlossen, dass die hauptamtlichen Theologen in Kooperationsräumen von in der Regel drei Gemeinden zusammenarbeiten und gemeinsam mit den Hauptamtlichen anderer Professionen Teams bilden. Für eine Pfarrstelle werden künftig 2900 Gemeindeglieder zugrunde gelegt – bisher versorgte ein Pfarrer 2700 Menschen seelsorglich.

Überarbeitet und reformiert hat die Synode die Satzung des 2007 gegründeten Trägerverbundes für die 24 Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis. Er hat nun größeren Spielraum, wenn es um Personal-, Bau- und Finanzangelegenheiten geht. Eine zweiköpfige Geschäftsführung kann im Einvernehmen mit der Gemeinde auch über den Rückbau oder den Aufbau von Standorten entscheiden. Für die Gebäude, in denen sich die Kitas befinden, wurde ein Muster-Nutzungsvertrag verabschiedet, in dem Rechte, Pflichten und Zuständigkeiten von Kirchengemeinden und Trägerverbund geregelt sind.

Nachträglich auf die Tagesordnung setzte die Synode das Thema Flüchtlingsarbeit. Sie formulierte ihre Empörung über die Flüchtlingspolitik der EU und benannte zwei Flüchtlingsbeauftragte: Sigurd Hebenstreit, Presbyter aus Witten, und Dirk Ochtrup Pfarrer aus Rüdinghausen.