Kindheitstage und der Bau der Hattinger Westtangente

Die Fotos vom großen Bau der Straße in den 1970er Jahren hat Karin Biesenbach aufbewahrt.
Die Fotos vom großen Bau der Straße in den 1970er Jahren hat Karin Biesenbach aufbewahrt.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Karin Biesenbach wuchs in einem Haus mit Erker auf und machte Fotos von der Baustelle der Westtangente.

Hattingen..  Als die Baustelle zur Westtangente eingerichtet wurde, stieg die Spannung bei Karin Biesenbach (53). Die gebürtige Hattingerin war damals Schülerin und wohnte an der Bismarkstraße. Vom Erker aus schaute sie dem Treiben zu: „Unter dem Fenster war so eine warme Ecke, da stand eine Nachtspeicherheizung“, erzählt sie. „Wenn ich mit den Hausaufgaben fertig war, saß ich dann da und machte Fotos.“ Die Begeisterung für die Fotografie hat sie wahrscheinlich von der großen Schwester Gisela. Die gelernte Fotografin hatte damals ein Labor auf dem Dachboden. Samt Dunkelkammer und Fixierbad war sie bestens ausgestattet.

Bagger kippte um

Einmal ist ein Bagger umgekippt und riss eine Mauer mit um. Da musste ein Hebekran her, um die Maschine herauszuhieven. Davon hat Karin Biesenbach auch Fotos geschossen. „Fast in allen Lebenslagen habe ich eine Kamera dabei“, sagt sie. Die Bismarkstraße hat ihre Kindheit und Jugend stark geprägt, erzählt sie. Das Geburtshaus hatte die Hausnummer sieben.

Das Haus mit dem Erker, aus dem sie die Fotos von der Baustellen gemacht hat, stand früher an der Bismarkstraße 15. Beide Gebäude wurden abgerissen. Die Großmutter hatte ein Lebensmittelgeschäft mit der Hausnummer elf. Und der Ururgroßvater hat sogar mehrere Häuser an der unteren Bismarkstraße bauen lassen.

Mit dem Bau der Westtangente hat sich der Anblick am westlichen Rand der Altstadt verändert. Die Bismarckstraße ist nun eine Sackgasse „Die Modernisierung war sicherlich notwendig“, sagt Biesenbach. Das Verkehrsaufkommen ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gestiegen. Den Baustart hat sie damals nicht bejubelt – Fangen spielen und Rollschuh fahren waren dort nicht mehr möglich. Auch wenn die Bauzeit spannend war und viel Gelegenheit zum Knipsen bot – wenn sie jetzt an die Straße denkt, sagt sie: „Ein Stück meiner Kindheit wurde mir dadurch genommen“.