Kinderlachen inmitten von Industrie

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Was wir bereits wissen
Auf der Straße Zum Ludwigstal ist viel Industrie angesiedelt. Aber auch Kinderbetreuung, Heilpädagogik und Wellness finden sich hier.

Hattingen..  Am Anfang ein Bauernhof, am Ende zwei Supermärkte – und dazwischen liegt vom Friseursalon über heilpädagogische Ambulanz, Steuerberater, Anwaltsbüro, Hydrauliktechnik, Outlet-Läden und Lackbetrieb ein bunter Mix an der Straße Zum Ludwigstal.

Ein heimeliger Waldweg führt hin zum malerischen Bauernhof. In Laufrichtung kräht ein Hahn, im Rücken rauscht der Verkehr der Blankensteiner Straße.

Betrieb reiht sich an Betrieb hier im Industriegebiet. Catering gibt es ebenso wie Bero-Fashion-Style, ein Mode-Outlet. Der Eingang liegt versteckt unter einer Treppe. Einlass erhält, wer klingelt. Dinge wie Schläuche und Kugelhähne sind Pranges Geschäft. Ein Deko-Outlet eröffnet bald. „Einige Jahre standen Gebäude leer, aber das hat sich jetzt geändert, fast alles ist wieder belegt“, sagt Ute Berg (45), die hier im Industriegebiet nicht nur arbeitet, sondern auch lebt. Wer zu ihr will, fährt auf einen Hof, taucht hinter dem Getränkemarkt ein in eine Welt aus Muschelwindspielen, Palmen. Den Friseur- und Wellnessbetrieb „Hair Beauty Zauber“ hat sie hier aufgebaut. Warum hier? „Uns gehört das Gelände.“ Zudem gibt’s genug Parkplätze. Und am Wochenende, „schließen wir das Tor zum Hof, dann ist hier eine herrliche Ruhe“. In dem vorgelagerten Haus gehen Kinder und Jugendliche ein und aus, Hühner picken vor der heilpädagogische Ambulanz Jörg Winterscheid. „Hier können Kinder und Jugendliche draußen auch mal laut sein“, sagt Heilpädagogin Cornelia Gräbe (57). Das bestätigt auch Erzieherin Stefanie Mutke (48) von der Villa Kunterbunt, wo Unter-Drei-Jährige betreut werden: „Wir haben eine tolle Fläche.“ Parkraum ist vorhanden. Gemütlich sitzt die Gruppe mitten im Industriegebiet im Grünen und grillt. Im Haus beheimatet ist auch eine heilpädagogische Tagesgruppe. Schräg gegenüber macht Dattenberg, „the creative factory“ u.a. in Großgefäßen, Objekten. Wer nicht motorisiert ist, fährt mit dem Bus 559 weiter. Zur Maschinenbaufirma Stüwe, zu Wember. Inhaber Thomas Drolshagen: „Vorteil ist die gute Anbindung an Autobahnen, das Gebiet ist gut strukturiert.“ Die Supermärkte übrigens liegen durch Felder und Holthauser Straße getrennt vom „Rest“ – und komplettieren doch das Angebot der 1400,04 Meter langen Straße mit 19.584,85 Quadratmeter Fläche.

Am Motorradwunsch den Beruf erkennen

Vom Industriegebiet an der Straße Zum Ludwigstal aus gehen u.a. handgefertigte Motorradtanks sogar in die USA – um dann auf den Bildschirmen in Deutschland wieder in der Sendung American Chopper auf DMAX zu erscheinen. „Ich liefere viele Teile dahin“, sagt Michael Lorenz (53).

Unauffällig, ein wenig tiefergelegt ist seine Werkstatt Eurojab, deren Fassade Zum Ludwigstal hinzeigt, von dort aus über eine Treppe erreichbar ist. Eine Postfiliale ist hier. Wer um das Gebäude geht, dem erscheint eine rustikale Welt mit Holztischen, wo sich regelmäßig Biker treffen. Nicht irgendwelche Motorradfahrer, sondern Liebhaber von individuellen Harley Davidson-Maschinen. Die nämlich bietet Lorenz, der auch mit „Milobike“ hier ansässig ist.

Klar kann man Blinker vom Band kaufen, Lorenz aber fertigt sie mit seinem Team von Hand. „Plus lebenslanger Garantie.“ Auch Motorradsattel gestaltet er. Garne und Stoffe in der Werkstatt zeugen davon.

Er hat längst mehr Anfragen nach Motorradbauten, als er annehmen kann – und will. Denn der Auftraggeber muss ihm sympathisch sein. „Wer glaubt, dass er mich über Geld kriegen kann, der irrt.“ Da sagt er schon mal lieber dem Ärmeren zu, der sein Zweirad in Raten abstottert. Zwischen zwei und vier Monaten Arbeit investiert er in ein Motorrad. „Ich habe ein Stück Eisen, dann fange ich an.“ Schutzbleche, asymmetrische Tanks und Co. werden daraus. Am Wunsch übrigens erkennt er oft die Kunden: „Landschaftsbauer z.B. wollen blitzeblanke, glänzende Maschinen, wer im Büro sitzt, will was Böses, Schwarzes.“