Kinder wollen Noten
09.02.2012 | 18:57 Uhr 2012-02-09T18:57:00+0100
Hattingen. Grundschulleiterinnen sind unterschiedlicher Meinung: Eine hält sie für wichtig und richtig, die andere würde sie abschaffen.
Die eine Grundschulleiterin würde Noten am liebsten abschaffen auch in späteren Jahren. Die andere hält sie für richtig und wichtig. Zumindest, solange unser Schulsystem ist wie es ist. Erzählt, wie schon Drittklässler in Niederwenigern ihre und die Leistung von Mitschülern teils strenger bewerten als Lehrerinnen.
Kinder wollen Noten: Das Argument kommt ebenso oft wie das Eingeständnis, dass damit nur die guten gemeint sind. Eltern wollen Noten, heißt es ebenfalls, weil sie das aus ihrer Schulzeit kennen. Heute gibt es sie, wenn die Zeugnisse verteilt werden. Dass Schulen wieder entscheiden sollen, ab welcher Klasse sie Noten geben, überrascht Marion Reeck, die Leiterin der Gemeinschafts-Grundschule in Niederwenigern, nicht wirklich. „Wer weiß, wie lange das Bestand hat.“ Die Entscheidung soll, wie an anderen Grundschulen auch, auf eine breite Basis in der Schulkonferenz gestellt werden.
Was die Empfehlung für die weiterführende Schule angeht, gelingt „bis auf wenige Ausnahmen, ein Konsens mit den Eltern“, so Reeck. Nötig wäre er nicht, denn Mutter und Vater entscheiden, welche Schule auf die Grundschule folgt.
Die Eltern im Boot zu haben, ist auch Schulleiterin Müller-Feld aus Alt-Blankenstein wichtig bei der Entscheidung, ob nur Erstklässler Berichtszeugnisse bekommen sollen. „Kinder wollen Noten“, bestätigt sie. „Aber nur eine 1 oder 2. Die 3 wird toleriert, aber niemand will eine 4 oder 5.“ Persönlich kann sie sich eine Schule ganz ohne Noten vorstellen.
„In 95 Prozent deckt sich die Empfehlung der Grundschule mit der Einschätzung der Eltern“, sagt Annette Quent-Langer aus der Erik-Nölting-Schule. Die Leiterin räumt aber auch spannungsgeladene Situationen ein und ist froh, dass diese Spannung raus ist dadurch, dass die Eltern entscheiden. Sie könnte sich Schule ohne Noten auch nach der Grundschule vorstellen, empfindet es als schwierig, ein Kind mangelhaft einzustufen.
Andrea Pepping findet es gut, dass die Entscheidung über die Schullaufbahn wieder in den Händen der Eltern liegt. „Sie haben die Kinder in den nächsten Jahren und müssen sich damit vergnügen.“ Weniger Vergnügen bereitet ihr selbst, dass sie bis heute nicht offiziell informiert wurde, dass Schulen wieder entscheiden sollen, ab wann sie Noten statt Worte sprechen lassen. Sie selbst würde Noten im zweiten Schuljahr wieder abschaffen.
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