Kinder und Senioren im Blickpunkt
08.01.2012 | 15:25 Uhr 2012-01-08T15:25:00+0100
Hattingen. Förderverein zur Suchtarbeit: Geschäftsführer Peter Dresia zieht Bilanz – und setzt neue Schwerpunkte.
365 Tage im Jahr hat das Café Sprungbrett geöffnet. In der suchtmittelfreien Begegnungsstätte wird auch zu besonderen Anlässen kein Alkohol ausgeschenkt. „Generell sollte bei Zusammenkünften der Fokus viel mehr auf guten Gesprächen und leckerem Essen liegen als auf gemeinsamen Konsum von Alkohol – das gilt auch für Ereignisse wie den Jahreswechsel“, sagt der Geschäftsführer Peter Dresia.
„Wir haben Glück, dass unsere Einrichtung sich in der Stadt so gut etabliert hat und dass sie auch gewünscht ist“, so Dresia. „Zu manchen Festen zeigen wir, dass auch Drinks ohne Alkohol sehr lecker sein können und bieten diese an.“ Im Café Sprungbrett im Steinhagen werden vor allem Rezepte der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ausprobiert.
„Sucht, nicht nur nach Alkohol, ist eine anerkannte Krankheit und wir treten dafür ein, dass jedem, der gesund werden will, geholfen wird“, erklärt Dresia. „Wir bieten im Café Kontaktmöglichkeiten für Suchtkranke und Angehörige, Beratung, Sozialtherapie und psychosoziale Beratung sowie professionelle Gruppenangebote und Unterstützung durch Selbsthilfegruppen an“.
Der Verein Sprungbrett e.V. will einen würdigen und offenen Umgang mit dem Thema Sucht. Er will Vorurteilen entgegentreten. So wurden im abgelaufenen Jahr die Themen „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ und „Sucht im Alter“ in die Öffentlichkeit getragen – im Jahr 2012 soll dies ausgebaut werden.
Angesichts der wachsenden Zahl der älteren abhängigkeitskranken Menschen, hat das Café Sprungbrett ein Gesamtkonzept zur Information und Beratung entwickelt. Unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ richtet sich der Geschäftskreis an Suchtkranke ab 60 Jahren. „Ältere Menschen konsumieren in der Regel weniger auffällig und exzessiv als jüngere“, erklärt Peter Dresia. „Oft trinken sie zu Hause, allein und über den Tag verteilt, so dass sie immer einen bestimmten Alkoholspiegel halten. Sie bleiben tendenziell unbemerkt“.
Die Auslöser sind ähnlich: vorzeitiger Ruhestand, Berentung oder Pensionierung, Tod der Ehepartners oder das Verlassen des Hauses erwachsen gewordener Kinder. Oftmals löst eine Kombination dieser Ereignisse eine Sinnkrise aus, die „mit Alkohol als vermeintlichen Tröster“ verschleiert würde – statt über die Probleme zu sprechen.
Auch das Konzept des ambulant betreuten Wohnens und der Intensivbetreuung sowie tagesstrukturierende Maßnahmen durch die Zusammenarbeit mit dem Haus Theresia sollen weiter ausgebaut und angeboten werden.
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