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Kindesmissbrauch

Kinder in vier Familien missbraucht

12.03.2016 | 09:00 Uhr
Kinder in vier Familien missbraucht
Foto: Zucchi

Hattingen.  13 Betroffene im vergangenen Jahr, so die Abteilung Erziehungshilfe der Stadt. Die Entdeckung oft ein Zufallstreffer. Verdachtsfällen wird nachgegangen.

Im Vorjahr sind so viele Kinder in Hattingen missbraucht worden wie nie zuvor in den vergangenen Jahren. Waren es sonst zwei bis drei Fälle pro Jahr, schnellte die Zahl im Jahr 2015 auf 13 betroffene Kinder hoch. Gemessen an der Anzahl der Familien hat sich die Zahl verdoppelt. Denn der Missbrauch ereignete sich in vier Familien, auf die sich die 13 Kinder verteilen.

Bei einigen Betroffenen sei der Missbrauch klar, sagt Juliane Lubisch. Bei anderen bestehe ein Verdacht, dem noch nachgegangen wird. „Jetzt geht es zunächst um die Sicherheit der Kinder und dann um die Therapie“, so die Leiterin der Abteilung Erziehungshilfe der Stadt. Kitas und Schulen sollen für das Thema sensibilisiert werden. Den Missbrauch zu entdecken ist, so Juliane Lubisch, oft ein Zufallstreffer. Wenn die Kinder beispielsweise wegen Verwahrlosung aus ihrer Familie genommen werden und sich später in der geschützten Atmosphäre von Heim oder Pflegefamilie Vertrauenspersonen öffnen und über die Vorfälle sprechen.

Kinderschutz vor Kostensparen

Was Körperverletzung angeht und die Zahl der Kinder, die geschlagen werden, so liegt noch keine Auswertung vor. Es waren aber mehr als die 53 Fälle vorher. Juliane Lubisch schreibt das nicht unbedingt mehr Gewalttätigkeit zu. „Wir sind froh, dass so viele Menschen in der Stadt aufmerksam sind“, sagt sie. Und die Vorfälle melden.

In der üblichen Kriminalstatistik sind Missbrauch, Körperverletzung von Kindern und Verwahrlosung nicht zu finden, so Dietmar Trust, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde. Entsprechende Zahlen waren am Donnerstag und Freitag nicht zu ermitteln.

Mit dem Anstieg sexuellen Missbrauchs in einer Größenordnung, wie es ihn seit Jahren nicht mehr gab in Hattingen, konfrontierte die Verwaltung auch den Jugendhilfeausschuss in seiner Sitzung im Rathaus. Dieser diskutierte darüber im Rahmen der überplanmäßigen Bereitstellung von Haushaltsmitteln für den Fachbereich Jugend, Schule und Sport im Zusammenhang mit gestiegenen Fallzahlen und höheren Kosten für die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Heimen und bei Pflegefamilien. Die Mitglieder erfuhren auch, dass es Mütter gibt, die sich nicht für ihre Kinder, für die missbrauchte Tochter, entscheiden, sondern sich auf die Seite des Täters schlagen. Über Einzelheiten und die Situation in den betroffenen Familien diskutierte der Jugendhilfeausschuss in nichtöffentlicher Sitzung weiter. Vorher machte die Verwaltung aber noch deutlich, dass Kinderschutz Vorrang hat vor Kostensparen. Die Kosten im Fachbereich sind, wie berichtet, stark gestiegen, 1,2 Millionen Euro außerplanmäßig nötig.

Brigitte Ulitschka

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2016-03-12 09:00
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