Kinder bewegen sich zu wenig

Philipp Topp
Philipp Topp
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Was wir bereits wissen
Beim Altstadtgespräch haben Experten und Gäste über den Bewegungsmangel bei Schulkindern diskutiert. Vereine helfen mit dem Sportkarussell .

Hattingen..  Das Altstadtgespräch hat sich avoll und ganz auf die Vorbeugung von verschiedensten Krankheiten konzentriert. Denn im Mittelpunkt stand das für alle anwesenden Experten effektivste Vorsorge-Medikament: der Sport.

Doch immer mehr Kinder bewegen sich zu wenig. Darauf verwies Diplom-Sportlehrerin und Physiotherapeutin Antje Potthoff von der Rehaklinik Ortho-Mobile mit Zahlen der Weltgesundheitsorganisation. Demnach bewegen sich nur 31 Prozent der Kinder zwischen sieben und zehn Jahren 60 Minuten oder mehr pro Tag.

„Wir werden zum Sitzmenschen und das ist nicht gut für unseren Körper“, sagte Potthoff und listete auf, welche Folgen absehbar sind: Von Fußfehlstellungen über eine verkürzte Muskulatur bis hin zu Fehlstellung der Wirbelsäule sowie Übergewicht und Diabetes.

Doch wer ist letztlich für die Bewegung der Kinder verantwortlich? Diese Frage wurde auf dem Podium und unter den Gästen heiß diskutiert. Potthoff nahm hier vor allem die Eltern in die Pflicht: „Als Elternteil sollten sie sich jeden Tag fragen: Hat sich meine Kind heute ausreichend bewegt?“

Philipp Topp vom Kreissportbund hat derweil mit dem Sport­karussell das Heft des Handelns bereits in die Hand genommen. Seit dem laufenden Schuljahr ­sorgen neun Hattinger Vereine dafür, dass 48 Grundschüler der Schulen Bruchfeld, Alt-Blankenstein und Holthausen sechs verschiedene Sportarten kennenlernen können.

„Es ist wichtig, dass Kinder frühzeitig Spaß am Sport und an den Vereinen haben“, sagte Topp. Ziel ist es daher, dass möglichst viele Kinder nach dem Einblick in den Breitensport auch einer dieser Aktivitäten innerhalb eines Vereins treu bleiben. Schließlich führe der Vereinssport nicht nur zu mehr Fitness, sondern auch zu einer gefestigteren Persönlichkeit, konkret etwa zu mehr Selbstbewusstsein.

Sport für mehr Selbstbewusstsein

Klaus Kampmann, Vorsitzender des TuS Hattingen verwies aber auch auf die Schwierigkeiten, die das Sportkarussell für die Vereine mit sich bringe: „Vor allem wegen der Uhrzeit konnten wir nicht viele Trainer für das Angebot finden.“

So wurde der Ball wieder zu den Eltern gespielt. Bob Doughton, der als Trainer für Rugby am Sportkarussell teilnimmt, berichtete von Erlebnissen mit Eltern, die dem Kind lieber den einfachen Weg zeigten, statt sie zum Durchhalten in einer Sportart zu bewegen. Für die Eltern der 48 Sportkarussell-Teilnehmer fand nach dem Altstadtgespräch eine Informationsveranstaltung statt. Nach zehn Minuten waren allerdings nur zwei Mütter gekommen.