Kinder bauen sich ihre Spielzeuge selber

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Was wir bereits wissen
Bei Spielefest im Stadtmuseum erlebten die Besucher Geschichte.

Hattingen..  Einen hölzernen Kochlöffel, Stoffreste und Knöpfe geschickt miteinander zusammengebunden, geklebt oder gewickelt, schon ist die Handpuppe fertig: Das Stadtmuseum in Blankenstein lud einmal mehr dazu ein, über Geschichte nicht nur etwas zu erfahren, sondern sie spielerisch und mit viel Kreativität selbst nachzuerleben und so auch für kleinste Besucher zugänglich zu machen.

„Beim Spielefest finden sich viele Bezüge zu unserer aktuellen Ausstellung“, sagte Museumsleiterin Gudrun Schwarzer inmitten verschiedener Mitmachstationen, die im Vorhof des Museums aufgebaut sind. „Diese zeigt das Leben von Kindern im nachkriegszeitlichen Hattingen.“

Eine selbst gebaute Spielküche oder auch das Puppenhaus aus Zigarrenkisten: Angesichts großer Knappheit waren die Kinder nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gezwungen, aus der Not eine Tugend zu machen und mit viel Fantasie aus Wertlosem Spielzeuge für sich zu bauen.

Das konnten auch die Museumsbesucher am Sonntagnachmittag ausprobieren. So hatten sie die Möglichkeit, Spielbretter aus Pappe oder Stoff individuell zu verzieren und passende Spielsteine aus Nudeln oder Knöpfen zu gestalten. An einer weiteren Station wurden Handpuppen gebastelt. „Klappt das? Klappt das“ fragte der siebenjährige Kai Nöckel aufgeregt, während Museumsmitarbeiterin Larissa versuchte, seiner Handpuppe einen leuchtroten Metallhelm zu verpassen. „Meine Puppe ist ein Bauarbeiter!“ rief er stolz, schnappte sie sich sogleich und lief zum Kasperletheater, um dort mit seiner Schwester Mina zu spielen.

„Die Idee mit den Handpuppen ist uns gekommen, weil das Eingangsbild unserer aktuellen Ausstellung Kinder zeigt, die ihren jüngeren Freunden und Geschwistern inmitten eines Trümmerfeldes ein Theaterstück mit selbstgebastelten Puppen vorführen“, sagte Schwarzer.

Im Seminarraum neben dem Stadtmuseum waren zusätzlich verschiedene Brett- und Puzzlespiele ausgelegt. Doch bis auf den dreijährigen Nick, der mit Mama Dana begeistert ein Puzzle nach dem nächsten zusammensetzte, mochte keiner angesichts des sonnigen Wetters nach drinnen gehen. Lieber setzten sich die Kinder ins Märchenzelt, um dort einer Geschichtenerzählerin im weißen Gewand zuzuhören, die die Kinder aufforderte, ihr mit Klatschen oder Trampeln beim Vortragen der Märchen zu helfen.

Die Eltern konnten parallel zum kreativen Tun ihrer Kinder die Ausstellung besuchen, bei der Führung in den Gehtmannschen Garten oder durch die Museumsräume mitmachen oder bei Waffeln oder Grillwürstchen die Sonne genießen. Später war auch Peter Brand von der Musikschule mit einigen seiner Musiker zugegen, um die Veranstaltung mit schönen Hintergrundklängen zu begleiten.