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Schrotthändler

Keine Zukunft für „Klüngelskerle“

25.10.2012 | 23:00 Uhr
Keine Zukunft für „Klüngelskerle“
Leer ist der Wagen von Schrotthändler Ammar. Er ist sauer auf den Ennepe-Ruhr-Kreis.Foto:Walter Fischer

Hattingen.  Fahrende Händler dürfen keinen Schrott aus privaten Haushalten mehr abholen.

Die klassischen „Klüngelskerle“ gehören zumindest im EN-Kreis zu den aussterbenden Arten. Die Händler dürfen keinen Elektroschrott mehr aus Häusern und Wohnungen abholen. Auch privater Metallschrott ist für sie tabu. Die Verwaltung beruft sich auf geltende Gesetze. „Der Kreis hat gemerkt, dass man mit Schrott Geld machen kann“, sagen die Händler .

Ammar, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, macht gerade sein Fachabitur und will danach studieren. „Maschinenbau könnte ich mir vorstellen“, sagt der 21-Jährige. Doch das ist Zukunftsmusik. Im Moment sorgt er sich um das Schrott-Geschäft seines Vaters. „Er hatte zwei Bandscheibenvorfälle, will aber kein Hartz IV. Er will arbeiten“, sagt er. Doch wenn den Händlern die Grundlage entzogen werde, „dann liegen sie dem Kreis bald alle auf der Tasche“.

Dass sie keine alten Kühlschränke mehr abholen dürfen, „das sehe ich ein, darin sind gefährliche Gase“, sagt Ammar. Aber was sonstigen Metall- und Elektroschrott aus Privathaushalten angeht, „da macht uns der Kreis das Geschäft kaputt“.

Elisabeth Henne, die sich in der Kreisverwaltung um alle Abfallfragen kümmert, sieht das anders. „Den klassischen Klüngelskerl gibt es schon lange nicht mehr“, sagt sie. Dass der Kreis so offensiv gegen die noch aktiven fahrenden Schrotthändler vorgehe, hätten die Bürger gewollt. Klasse fänden sie vor allem, dass sich die Händler nicht mehr mit Musik in den Straßen ankündigen dürften.

Dass die Menschen ihren Elektroschrott selbst zur Umladeanlage fahren müssen, davon profitierten sie später: Der Kreis könne den Schrott verkaufen „und das senkt die Abfallgebühren“, so Henne. Früher sei es vorgekommen, dass Händler Geräte ausgeweidet und die Reste im Gebüsch entsorgt hätten, so Henne. Das hätten Stadtmitarbeiter säubern müssen, was damit teuer für die Bürger war.

Verstoßen Händler gegen die neuen Auflagen, müssen sie tief in die Tasche greifen. Werden sie mit Elektroschrott aus privaten Haushalten erwischt, müssten sie 500 Euro pro Fuhre zahlen.

Niemand hätte sie gewarnt, dass es für Schrottsammler keine Zukunft gebe, als sein Vater 2006 seinen Gewerbeschein für den An- und Verkauf von Schrott bekommen habe, so Ammar. Seine ganze Familie lebe von diesem Job. Natürlich gebe es wie in anderen Branchen schwarze Schafe, aber „man kann doch nicht alle über einen Kamm scheren“. Die Bürger seien froh, wenn man ihren Schrott hole. „Das ist Knochenarbeit, die will doch sonst keiner machen.“

Claudia Scholz



Kommentare
26.10.2012
20:35
Keine Zukunft für „Klüngelskerle“
von Vattaheinrich | #6

Wer fährt denn den Schrott zur Umladestation wenn ich kein Auto habe?
Wer holt denn den schweren Kühlschrank oder die Waschmaschine ab, wenn ich zu alt oder zu schwach bin? Das Abfallgebühren gesenkt werden halte ich für ein Gerücht.
Die Umladestation hat auch garantiert bürgerfreundliche Öffnungszeiten dann wenn man sowieso keine Zeit hat. Der Kreis versucht sich wieder einmal mit dummdreisten Methoden das Geld der Bürger zu schnappen und bietet obendrein null Service und das alles auf Kosten von Existenzen von Kleinunternehmern. Da bin ich ja mal gespannt wie sich das für den Bürger rechnet. Einfach nur unverschämt!!!!

26.10.2012
14:20
Keine Zukunft für „Klüngelskerle“
von tommytulpe01 | #5

Sehr geehrte Frau Henne,
anscheinend halten Sie uns,die Bürger des EN-Kreises, für vollkommen blöd.AQls würde auch nur ein Euro eingeplant um die Abfallkosten zu senken.Hier wird lediglich versucht, auf Kosten ehrlicher Arbeiter wieder mehr Geld in Kassen zu spülen.Man sollte vielleicht mal versuchen,daß eingenommene Geld "sinnvoll" auszugeben.Man könnte auch sparen.Zum Beispiel überflüssige Planstellen abbauen.Ihre zum Beispiel.Bevor Sie weiter so einen Mist hier verkünden sollten Sie lieber das Herbstlaub im Kreis aufsammeln und der neuen Biogasanlage zuführen.Wäre immer noch sinnvoller als dumm rumzuschwätzen.

26.10.2012
13:08
Keine Zukunft für „Klüngelskerle“
von rehat | #4

Das wird immer schlimmer, jetzt kann man mit seinem Eigentum (Schrott) nicht mehr machen was man will. Wer glaubt schon das mit dem Verkauf die Abfallgebühren gesenkt werden!!

26.10.2012
12:04
Keine Zukunft für „Klüngelskerle“
von BigL | #3

Niemand - auch kein Kreis - kann mir verbieten, meinen Schrott für einen Cent zu verkaufen. Zur Not verkauf ich ihn bei Ebay.

Unglaubliche DDR-Methoden mitten in Deutschland.

Wenn ich den Kram zu einer Städtischen Sammelstelle bringe, zahle ich noch drauf. Dann bringe ich ihn lieber selber zu einem "Schrottplatz" oder ebene - noch besser - ich verkaufe ihn für einen Cent an die Schrottsammler - aber nur, wenn die Trödelpfeifen ausgestellt bleiben. ;)

26.10.2012
07:40
Keine Zukunft für „Klüngelskerle“
von WELFER | #2

Das ganze erinnert mich an die Grünabfalldiskussion in den 90er Jahren. Damals wurden in Welper z.B. Grünabfälle für 50 Pfg/Sack abgeholt bis die Stadt das verbot und dies selbst machte.
Auf diese Art jetzt quasi einen Berufszweig abzuschaffen ist schon eine Frechheit. Und das in Zukunft noch mehr Schrott wild entsorgt wird, müsste eigentlich auch jedem in der Stadtverwaltung klar sein. Das sich das jetzt verringert, kann doch keiner ernst meinen!

25.10.2012
23:15
Keine Zukunft für „Klüngelskerle“
von kasimir28 | #1

Dann schmeißen die Leute ihren Elektroschrott jetzt selber in die Büsche,dürfte für die Stadt oder den Kreis keinen Unterschied machen.

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