Keine Zukunft für „Klüngelskerle“

Leer ist der Wagen von Schrotthändler Ammar. Er ist sauer auf den Ennepe-Ruhr-Kreis.Foto:Walter Fischer
Leer ist der Wagen von Schrotthändler Ammar. Er ist sauer auf den Ennepe-Ruhr-Kreis.Foto:Walter Fischer
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Fahrende Händler dürfen keinen Schrott aus privaten Haushalten mehr abholen.

Hattingen..  Die klassischen „Klüngelskerle“ gehören zumindest im EN-Kreis zu den aussterbenden Arten. Die Händler dürfen keinen Elektroschrott mehr aus Häusern und Wohnungen abholen. Auch privater Metallschrott ist für sie tabu. Die Verwaltung beruft sich auf geltende Gesetze. „Der Kreis hat gemerkt, dass man mit Schrott Geld machen kann“, sagen die Händler .

Ammar, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, macht gerade sein Fachabitur und will danach studieren. „Maschinenbau könnte ich mir vorstellen“, sagt der 21-Jährige. Doch das ist Zukunftsmusik. Im Moment sorgt er sich um das Schrott-Geschäft seines Vaters. „Er hatte zwei Bandscheibenvorfälle, will aber kein Hartz IV. Er will arbeiten“, sagt er. Doch wenn den Händlern die Grundlage entzogen werde, „dann liegen sie dem Kreis bald alle auf der Tasche“.

Dass sie keine alten Kühlschränke mehr abholen dürfen, „das sehe ich ein, darin sind gefährliche Gase“, sagt Ammar. Aber was sonstigen Metall- und Elektroschrott aus Privathaushalten angeht, „da macht uns der Kreis das Geschäft kaputt“.

Elisabeth Henne, die sich in der Kreisverwaltung um alle Abfallfragen kümmert, sieht das anders. „Den klassischen Klüngelskerl gibt es schon lange nicht mehr“, sagt sie. Dass der Kreis so offensiv gegen die noch aktiven fahrenden Schrotthändler vorgehe, hätten die Bürger gewollt. Klasse fänden sie vor allem, dass sich die Händler nicht mehr mit Musik in den Straßen ankündigen dürften.

Dass die Menschen ihren Elektroschrott selbst zur Umladeanlage fahren müssen, davon profitierten sie später: Der Kreis könne den Schrott verkaufen „und das senkt die Abfallgebühren“, so Henne. Früher sei es vorgekommen, dass Händler Geräte ausgeweidet und die Reste im Gebüsch entsorgt hätten, so Henne. Das hätten Stadtmitarbeiter säubern müssen, was damit teuer für die Bürger war.

Verstoßen Händler gegen die neuen Auflagen, müssen sie tief in die Tasche greifen. Werden sie mit Elektroschrott aus privaten Haushalten erwischt, müssten sie 500 Euro pro Fuhre zahlen.

Niemand hätte sie gewarnt, dass es für Schrottsammler keine Zukunft gebe, als sein Vater 2006 seinen Gewerbeschein für den An- und Verkauf von Schrott bekommen habe, so Ammar. Seine ganze Familie lebe von diesem Job. Natürlich gebe es wie in anderen Branchen schwarze Schafe, aber „man kann doch nicht alle über einen Kamm scheren“. Die Bürger seien froh, wenn man ihren Schrott hole. „Das ist Knochenarbeit, die will doch sonst keiner machen.“