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Kein Kinderkram

18.02.2010 | 17:17 Uhr

Das „Kaleidoskop”, die Schülerzeitung des Gymnasiums Waldstraße, will „frei, unabhängig und kritisch” sein.

Nein, Lehrer brauchen sie nicht. Das „Kaleidoskop” ist eine Zeitung von Schülern für Schüler. Und obwohl das griechische Wort ein klassisches Kinderspielzeug bezeichnet und in etwa „schöne Formen sehen” bedeutet, zeigt die Schülerzeitung des Gymnasiums an der Waldstraße nicht nur die schönen Seiten des Schulalltags und schon gar keinen Kinderkram.

„Meinung machen”, „Einfluss nehmen” und „Diskussionen anregen” – das sind die Worte, die die Macher des Kaleidoskops wählen, wenn sie nach ihrer journalistischen Motivation gefragt werden. „Es gibt so viele Themen, über die man selbst nachdenkt, die einen ärgern oder freuen. Ich möchte dann einfach wissen, wie andere darauf reagieren”, sagt Mirja Kindler, 17 Jahre alt und stellvertretende Chefredakteurin des Blattes, das in Form und Farbe stark an die traditionellen Hefte des Reclam-Verlags erinnert.

Wie kritsich kann eine Schülerzeitung sein?

„Frei, unabhängig, kritisch” steht in dünnen Lettern auf der Zeitung, die als Heft im DIN-A 5-Format viermal im Jahr auf dem Schulhof an der Waldstraße verteilt wird – „kostenlos, nicht umsonst”, wie Chefredakteur Sven Winkelhaus (17) betont. Doch wie kritisch kann eine Schülerzeitung überhaupt sein? „Man könnte zum Beispiel nicht schreiben, dass ein Lehrer schlechten Unterricht macht. Selbst wenn das begründet wäre”, räumt Sophie Henning (14) ein, die als einziges Redaktionsmitglied noch die Mittelstufe besucht. Als Schüler sei man den Lehrern gegenüber eben doch nicht unabhängig. Trotzdem: „Wir sind frei im Geist”, sagt Sophies Bruder Felix Henning (16), der ständig solche Sätze sagt, bei denen man nicht weiß, ob er sie ernst oder spöttisch meint: „Man schreibt sich ja auch das Leid von der Seele” ist auch so ein Satz – und dabei lächelt er fröhlich.

Themen, die Schüler bewegen

Von Seelenschmerz jedenfalls ist in der neusten und damit aktuellen Ausgabe nichts zu lesen: Ein Interview mit Ralf Brauksiepe soll eine Gesprächsserie mit prominenten Abgängern des Gymnasiums begründen. Weiter hinten geht es um Datenklau im SchülerVZ. Zudem werden aktuelle Kinofilme, Bücher oder Musikalben rezensiert. Ansonsten greift das Kaleidoskop auf, was Schüler bewegt: Die Debatte um Kopfnoten wurde hier geführt, die Themen Amoklauf an Schulen und Magersucht bei Mädchen aufgegriffen. Auch was an der Waldstraße passiert, findet sich wieder. Ein kritisches Interview brachte sogar einen Leserbrief des Schulleiters ein.

Und manchmal bewegt das Kaleidoskop sogar selbst etwas: „Wir haben über die verdreckten Mädchentoiletten berichtet”, erinnert sich Mirja: „Seitdem ist es besser.”

Janis Brinkmann

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