Kein Geld mehr - die Hattinger Tafel hört im Herbst auf

Aus für die Hattinger Tafel.
Aus für die Hattinger Tafel.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Verein, der seit zwölf Jahren Lebensmittel an Menschen mit wenig Geld abgibt, ist nun selbst bedürftig und kann laufende Kosten nicht mehr decken.

Hattingen.. Die Hattinger Tafel hilft bedürftigen Menschen durch Lebensmittel, mit wenig Geld über die Runden zu kommen. Jetzt gehört der Verein selbst zu den Bedürftigen: Für den Herbst kündigt Geschäftsführer Jürgen Sotzek das Ende der Einrichtung an der Nordstraße an, weil kein Geld mehr da ist.

Vor 13 Jahren übernahm es der Verein, Menschen, die mit wenig auskommen müssen, mit Essen zu versorgen, das Bäcker, Metzger, Supermärkte und andere Unternehmen zur Verfügung stellen. 600 bis 800 Haushalte sind es im Monat, die versorgt werden.

Mehrere tausend Euro Kosten

Kostenlos untergebracht war die Tafel im Lauf der Jahre nur am Evangelischen Krankenhaus. Miete, Strom – die Kosten steigen. Ähnlich wie die Kunden lebt auch der Verein von der Hand in den Mund. Den Ausschlag für die Entscheidung aufzuhören hat jetzt das defekte Fahrzeug gegeben. „Es war zum dritten Mal in der Werkstatt“, sagt Geschäftsführer Jürgen Sotzek, der als Einziger in dem ansonsten ehrenamtlich arbeitenden Verein Gehalt bezieht.

Hattinger Tafel Die Lebensmittelspenden sind laut Geschäftsführer weniger das Problem. „Wir achten darauf, dass auch der Letzte, der ansteht, noch etwas bekommt“, sagt er. An drei Wochentagen montags, mittwochs und freitags werden Lebensmittel an der Nordstraße verteilt. Das Fahrzeug, mit dem die Helferinnen und Helfer die Lebensmittelspenden abholen, war schon mehrmals innerhalb kürzester Zeit defekt.

Wie viel die Reparaturen kosten, wie hoch die Ausgaben für Miete, Strom, Benzin jeden Monat sind, sagt Sotzek nicht. Auch nicht, wie lange der Mietvertrag noch läuft. „Mehrere tausend Euro“ seien es, die durch Spenden aufgebracht werden müssten.

Karnevalsprinz warb um Spenden

Vor zwei Jahren als Karnevalsprinz hat Jörg Winterscheid um solche Spenden geworben. Nicht nur er hält den Fortbestand der Tafel für wichtig. Auch Markus Ackermann, Mitglied im Sozial- und Gesundheitsausschuss der Stadt, sieht den steigenden Bedarf von Menschen, die die Unterstützung der Tafel brauchen.

Er fragt sich allerdings, ob die Stadt hier überhaupt helfen könnte. Sieht, selbst Geschäftsführer eines Vereins, bessere Chancen darin, vielleicht Projekt-Fördertöpfe für die Arbeit mit Migranten anzuzapfen, die ja auch zu den Kunden gehörten.

Bürgermeisterin Dagmar Goch verwies auf Anfrage der WAZ am Montag auf die Sozialdezernentin. Beate Schiffer allerdings war nicht zu sprechen.