Karneval und Kirche gehören zusammen

Mirco Quint
Mirco Quint
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Was wir bereits wissen
Gast-Kommentar von Mirco Quint, Pastor der Mauritius-Gemeinde in Niederwenigern.

Hattingen..  In einigen Tagen ist es wieder so weit: Mit den drei „tollen Tagen“ erreicht der Karneval beziehungsweise die Fastnacht den absoluten Höhepunkt. Das „Fest der Narren“ hat eine alte Tradition bis weit ins Mittelalter. ­Damals mussten an diesem Tag selbst die höchsten Würdenträger, wie Fürsten und Bischöfe, den Spott ihrer Untertanen ertragen. Sie wurden „genarrt“ und „auf den Arm genommen“. Dieser Brauch hat sich bis in unsere Zeit gehalten – in Büttenreden und bei Karnevals­umzügen. Die Welt wird auf den Kopf gestellt – von unten nach oben, von klein nach groß!

Fastnacht-Fasching-Karneval: dieses Fest war und ist vor allem in katholischen Gegenden weit verbreitet. Freude und Frohsinn sind christliche Grundhaltungen. Über sich selbst und andere lachen können und nicht in Sorge und Trübsal vergehen, „verlängert uns die Tage“. Und am Aschermittwoch ist alles vorbei – aber hoffentlich nicht die „Herzensfreude“ am Leben!

Die Fastenzeit führt uns über 40 Tage zur Mitte unseres Glaubens: zum österlichen Fest der Auferstehung Jesu. Die Zahl 40 hat in der Heiligen Schrift eine besondere Bedeutung. Es ist die Zahl der Erwartung, der Vorbereitung, der Buße, des Fastens. 40 Tage und Nächte dauerte die Sintflut; 40 Jahre zogen die Israeliten durch die Wüste ins Gelobte Land; 40 Tage lang fastete Jesus in der Wüste und widerstand den Verlockungen des Teufels; 40 Tage hindurch erschien Jesus nach seiner Auferstehung den Jüngern und sprach mit ihnen über das Reich Gottes.

40 Tage erinnert uns die Fastenzeit daran, unser Leben zu überdenken. Vieles, was sich bei uns mit der Zeit „eingeschlichen“ hat, wartet auf Umkehr. Fasten hat weniger mit Fastenkuren um der Fitness willen zu tun. Es meint nicht „hungern um“, sondern vielmehr „befreien von“: von falschen Zwängen und Abhängigkeiten, von selbstgefälligen Eitelkeiten und Egoismen. Fasten macht uns frei für uns selbst, für unseren Nächsten, nicht zuletzt für Gott.

Dass uns das gelingen möge, das wünsche ich uns für die 40 Tage der Fastenzeit. Vorab jedoch viel Spaß und Freude beim „Fest der Narren“!