Karneval ist ein Wirtschaftsfaktor

Foto: Svenja Hanusch
Was wir bereits wissen
Einige Geschäfte rücken von der 13-Uhr-Schließung am Rosenmontag ab – sie öffnen durchgehend. Andere bezweifeln, dass sich das lohnt.

Hattingen..  Am heutigen Rosenmontag ist das Reschop Carré wie an jedem normalen Werktag von 10 bis 20 Uhr durchgehend geöffnet; und am närrischen Hoch-Tag klingelt’s für gewöhnlich sogar noch etwas häufiger in den Kassen als an normalen Montagen, verrät Center-Manager Jörg Waldrich. Lässt sich mit „König Karneval“ in der Stadt also gut Geld verdienen? Hier und da durchaus.

Kostüme und Karnevals-Accessoires etwa waren auch in dieser Session in den Läden stark nachgefragt, bei Spielwaren Wieschermann hat man nicht zuletzt deshalb die Karnevalsecke deutlich erweitert. Beim Kostümverleih Schicki-Micki, erklärt Inhaberin Kerstin Heimbeck, ist die Karnevalszeit sogar „die umsatzstärkste des Jahres“. 50 Prozent mehr Kostüme werden in den Wochen vor Rosenmontag ausgegeben.

500 Berliner Ballen an einem Tag

Auch Süßwarenverkäufer und Bäckereien profitieren von der fünften Jahreszeit. Bei Löscher zum Beispiel gehen Berliner Ballen in diesen Tagen weg wie warme Semmeln. 500 Stück – fünf Mal so viel wie an normalen Tagen – habe man nach den Erfahrungen der Vorjahre allein für den Rosenmontag bestellt, verrät Mitarbeiterin Nadine Brunk. „Bis zum Abend sind die wohl wieder alle weg.“

Der Rosenmontags-Umsatz im Reschop Carré allerdings ist wohl weniger den Jecken, als vielmehr Karnevalsmuffeln zu verdanken, wie Jörg Waldrich erklärt. Der Anteil der Hattinger, die keinen Karneval feiern, sei „wahrscheinlich sogar größer“, betont der Centermanager, auf dessen Initiative das Carré im Jahre 2011 von der damals in der City allgemein verbreiteten Rosenmontags-Schließung um 13 Uhr abrückte. Und gerade diese Menschen hätten „im Zweifelsfall kein Verständnis dafür, dass am Rosenmontag die Geschäfte zu haben.“ Auch sie wolle man nicht außer Acht lassen.

Das Reschop Carré steht mit seiner Entscheidung dabei nicht allein da. So gelten bei Kaufland heute ebenfalls die normalen Montags-Öffnungszeiten (7 bis 21.30 Uhr). Aber auch einzelne Geschäfte – wie die Modeläden Street One und Cecil am Obermarkt – sind von der 13-Uhr-Schließung abgerückt, öffnen bis abends. Ob sich die ganztägige Öffnung für einen kleinen Einzelhändler rechnet, daran indes hat Peter Blome, Vorsitzender des Hattinger Einzelhandelsverbandes, so seine Zweifel. An Rosenmontag sei seit jeher „sehr wenig los in der Innenstadt“.

Wenig los? „Die Kneipen in der Altstadt wie das Grammophon oder die Glocke“, sagt Stadtmarketing-Geschäftsführer Georg Hartmann, „sind an den Karnevals­tagen immer richtig voll“. Auch dort ist Karneval ein Wirtschaftsfaktor – im Wortsinne.