Kampf für gesellschaftliches Leben

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Was wir bereits wissen
Wohnen und Gewerbe soll in Holthausen weiterentwickelt werden. Politiker fordern Investition für Gruppenarbeit – im Zusammenrücken und im Finanziellen.

Hattingen..  „Man gewinnt den Eindruck, dass ganz gezielt Holthausen vernachlässigt wird“, befürchtet die Schulpflegschaft der Grundschule des Stadtteils. „Das ist so. Es ist ein täglicher Kampf und ‘kein Geld’ ist das Totschlagargument“, bestätigt Carsten Bäcker, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Und auch Peter Oberdellmann von der Holthauser CDU hat das „Gefühl, dass man viel miteinander spricht, aber nichts ändert sich“. Dabei steht Holthausen durchaus auf der Agenda der Stadt.

Wachstumspotenzial sieht die Verwaltung dort weiter. Allerdings soll in Holthausen West nicht die alte Bebauung weitergestrickt werden, betont Baudezernent Jens Hendrix. Es soll mit sanfter Bebauung gehen: „weniger dicht, nicht so hoch, insgesamt kleinteiliger“. Im Ludwigstal soll die gewerbliche Entwicklung von Flächen weitergeführt werden.

Nicht geplant ist dagegen der Bau eines Stadtteilzentrums. Dem Rahmenplan für den Stadtteil würde der allerdings nicht widersprechen – alles ist offen. „Man gewinnt aber schon den Eindruck, der Verwaltung ginge es hauptsächlich um die Wohnbebauung und Entwicklung von Gewerbe“, sagt Bäcker.

So sei der Wittpoth-Platz, einst geplant als zentraler Treffpunkt, nicht hergerichtet wie ursprünglich vorgesehen. Das Gebäude, das ein Café, Arzt-Praxen und Geschäfte beherbergen sollte, wurde nie gebaut, die dafür vorgesehene Fläche an Lidl veräußert. Und das Unternehmen habe, auch auf Ansprache der Verwaltung, keinem Investor das Teilstück des Parkplatzes schmackhaft gemacht, sagt Bäcker.

Peter Oberdellmann wünscht sich mehr Zusammenarbeit der Vereine und Gruppen. „Wir haben Örtlichkeiten, wo sich Gruppen treffen können“, sagt er – im Bürgertreff, im Gemeindehaus, beim Schützenverein, im Jugendtreff, bei der freiwilligen Feuerwehr. Dass der Bürgertreff „seit Jahren abgängig ist, weiß jeder“. Nur mit viel Engagement der Ehrenamtlichen sei der marode Bau noch nutzbar.

„Der Wunsch ist natürlich, dass investiert wird. Man muss aber realistisch sein – insgesamt müssen wir finanziell auf die Bremse treten.“ Er fordert zu prüfen, wo Räumlichkeiten wann ungenutzt sind – „man muss dort ehrlich zu sich sein“ – und dann gezielt Gelder für einen gemeinsamen Standort, zum Beispiel im Gemeindehaus, einzusetzen. „Ohne den Bürgertreff liegt das gesellschaftliche Leben brach. Das Gemeindehaus ist voll“, sagt Bäcker. Angesichts der Finanzsituation von Stadt und Kirche fürchtet Oberdellmann: „Wenn jeder an seinem Räppelchen festhält und die Räume nicht voll ausgenutzt werden, haben wir langfristig vielleicht weder einen Bürgertreff, noch ein Gemeindehaus.“