Jugendhilfe arbeitet ohne Planer

Vermisst einen Jugendhilfeplaner: Beate Schiffer, Dezernentin fürWeiterbildung und Kultur, Soziales und Wohnen, Jugend, Schule und Sport.
Vermisst einen Jugendhilfeplaner: Beate Schiffer, Dezernentin fürWeiterbildung und Kultur, Soziales und Wohnen, Jugend, Schule und Sport.
Foto: Socrates Tassos
Was wir bereits wissen
  • Dezernentin Beate Schiffer reagiert auf Kritik an fehlenden Kita-Plätzen
  • Sie macht Personalmangel und schwer planbare Flüchtlingszahlen dafür verantwortlich
  • Insgesamt sei man aber auf einem guten Weg

Hattingen..  In der Sache kann Beate Schiffer die Kritik verstehen. Auf ihre Person bezogen nicht. Schwere Vorwürfe zur Unterversorgung der Stadt mit Plätzen in Kindertageseinrichtungen hatte sich die Sozial- und Jugenddezernentin in der Ratssitzung vorletzte Woche anhören müssen. Von einer „völlig chaotischen Vorgehensweise der Verwaltung“ sprach Ulrike Brauksiepe (CDU), von der „politischen Bankrotterklärung der Dezernentin“ Achim Paas (SPD). Ins Visier genommen hatte die Politik vor allem, dass sich der Bau der neuen Kita am Rosenberg um ein Jahr verzögert, dass daher Übergangsgruppen etwa im Haus der Jugend nötig sind und dass alles unter dem Strich immer noch nicht ausreicht – vor allem in der Innenstadt, wo weiter nachgebessert werden muss.

„Wir können mit weniger Personal nicht mehr schaffen“, sagte Beate Schiffer jetzt im Gespräch mit der WAZ. „Eigentlich sollte sich ein Jugendhilfeplaner speziell mit der Entwicklung der Kitas geschäftigen. Dazu ist auch ein Mitarbeiter eigens ausgebildet worden. Inzwischen muss ich ihn aber an anderer Stelle einsetzen.“

Auch die schwer planbare Unterbringung von Flüchtlingskindern habe die Entwicklung erschwert, meint Schiffer. „Zwar stagnieren die Zahlen. Aber wir wissen eben nicht, welche Familien in Hattingen bleiben und welche nicht. Aktuell sind es rund 100 Kinder von Flüchtlingen, für die wir einen Kita-Platz einrichten müssten.

Spardruck der Finanzaufsicht

Allein in der Innenstadt fehlen aktuell 60 Plätze. Insgesamt werden es in einem Jahr 171 sein. Und: „Die Unterbringung der Kinder an sich ist ja nur der erste Schritt. Um die anschließende Elternarbeit müssen wir uns ja auch noch kümmern“, sagt Beate Schiffer.

Der Spardruck mache der Jugendverwaltung nicht nur personell zu schaffen. Auch die Ansage der Finanzaufsicht, städtische Gebäudeflächen abzubauen, behindere die Planung neuer Kita-Plätze. Schiffer: „Im konkreten Fall dauert es dann eben bis 2019, ehe die Bruchfeldschule in die ehemalige Förderschule an der Lessingstraße umgezogen ist und wir die dann ehemalige Bruchfeldschule für den Kita-Betrieb umgebaut haben.“

Andere Fehler seien bereits vor vielen Jahren gemacht worden. Lange Zeit hätten Rat und Verwaltung eher auf den Einsatz von Tagesmüttern als auf die Schaffung neuer Kita-Plätze gesetzt. „Das rächt sich jetzt“, so Schiffer. Insgesamt sieht die Dezernentin die Entwicklung allerdings auf einem guten Weg: „Mit allen Neubau-, Umbau- und Übergangsmaßnahmen bekommen wir das in den Griff.“