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Jedes Jahr drei neue HIV-Infektionen

14.02.2012 | 17:41 Uhr
Jedes Jahr drei neue HIV-Infektionen
Hans-Joachim Boschek, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Foto: Walter Fischer

Hattingen.  Leiter des Kreisgesundheitsamtes: „Lebensbedrohung verschwindet aus dem Bewusstsein der Menschen.“

„Schützen muss ich mich nicht – in Hattingen gibt es doch kein Aids.“ Diese Aussage einer Schülerin werden viele belächeln und sich selbst sagen, dass sie es besser wissen. Doch offensichtlich ist die Hattinger Jugend nicht ausreichend aufgeklärt, wenn es um das Thema HIV geht.

Im Ennepe-Ruhr-Kreis werden jedes Jahr zwei, drei neu mit dem HI-Virus infizierte Menschen gemeldet, berichtet Dr. Hans-Joachim Boschek, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. „Nachdem die Zahl der Fälle immer weiter gesunken ist, werden seit 2007 wieder mehr Erkrankungen festgestellt“, sagt Boschek. Die Lebensbedrohung, die von HIV ausgehe, verschwinde aus dem Bewusstsein der Menschen. „Für viele verliert die Krankheit an Gefahr, seit die Lebenserwartung und -qualität gesteigert wurde.“

Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass im Jahr 2011 73 000 HIV-positive oder aidskranke Menschen in Deutschland lebten (NRW: 16 700).

Um die jungen Menschen zu erreichen und für das Risiko zu sensibilisieren, schlägt Branko Wositsch vom Caritas-Suchthilfezentrums an der Heggerstraße Aids-Beratungen in Schulen vor, die es zurzeit nicht mehr gibt. „In den vergangenen Jahren ist das Thema wieder stark in den Hintergrund gedrängt worden. In der Öffentlichkeit wird die Infektionskrankheit oft totgeschwiegen“, so Wositsch. „Die Initiativen, die zeitweise ergriffen worden sind, wurden wieder fallen gelassen.“

„Ein Ziel sollte sein, Stigmatisierung und Diskriminierung abzubauen“, sagt Maria Roth, Beraterin der Kreisverwaltung. „So lange Menschen die Befürchtung haben, den Arbeitsplatz oder Familien und Freunde zu verlieren, werden sie ihre Infektion nicht offen legen. Es ist an uns, ihnen zu zeigen, dass sie ein Teil unserer Gesellschaft sind“. Es gelte durch Wissensvermittlung Vorurteile abzubauen und damit solidarisches Verhalten zu erreichen – und das nicht nur am Welt-Aids-Tag.

Annalena Rey

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