Jeder Ton wird zu einer eigenen Welt

Ein Meister seines Fachs: Gonzalo Rubalcaba beim Klavierfestival Ruhr in der Gebläsehalle.
Ein Meister seines Fachs: Gonzalo Rubalcaba beim Klavierfestival Ruhr in der Gebläsehalle.
Foto: WAZ
Gonzalo Rubalcaba faszinierte mit Matthew Brewer und Marcus Gilmore beim Klavierfestival Ruhr in der Gebläsehalle

Hattingen..  Er ist ein Pianist der Extraklasse: Leise vor sich hin träumende Klavierakkorde in impressionistischer Lautmalerei entwickeln sich in dem ungemein nuancenreichen Spiel Gonzalo Rubalcabas, in dem jeder Ton eine eigene Welt zu sein scheint, zu einer Melodie, deren Charakter durch den Einsatz von Bass und Drums plötzlich umschlägt und sich zu einer spannenden Jazznummer entwickelt. In diesem Stück „Anthem“ von Matt Brewer wird bereits die stilistische Vielseitigkeit und Meisterschaft Gonzalo Rubalcabas deutlich, der in seinem Spiel und vor allem auch in seinen eigenen Kompositionen verschiedene Stile zu einer neuen, unverwechselbaren und homogenen Einheit verbindet. Klassik unterschiedlichster Epochen und moderner Jazz, kubanische Traditionen und afroamerikanische Rhythmik verschmelzen zu einem ureigenen Ausdruck. Chopinartige Läufe wechseln mit perkussiven, markant akzentuierten kurzen Klavierphrasen und steigern sich in eine immer stärkere Erregung in Paul Blays „Moor“, um dann in einem rauschenden Klavierwirbel zu verklingen. Rockige Elemente bringt Gonzalo Rubalcaba mit seinen Partnern Matthew Brewer und Marcus Gilmore in seinem Stück „Fifty“ ins Spiel.

Über einem durchlaufenden kurzen Off-Beat-Motiv der linken Hand entfaltet der feinnervige Musiker zu einer zunächst dezenten hellen Drumbegleitung ein frisch-beschwingtes Thema, das zunehmend heißer und fetziger wird – Rubalcabas ausgesprochen experimentelles Stück „Oshun“ löst tosenden Beifall aus. An eine verträumte romantische Ballade erinnert seine Interpretation von Bill Evans’ „Time remember“, während „Son XXI“ durch kubanische Rhythmik geprägt ist. Unruhige Betriebsamkeit und pulsierende Erregung charakterisieren „Lennie’s Pennies von Lennie Tristano; das Klangbild verdichtet sich zunehmend und bietet Raum für ein virtuoses Drumsolo von Marcus Gilmore. Verhaltene Spannung vibriert in Rubalcabas „Nueva Cubana“, um nach einem Basssolo Matthew Brewers in eine immer rasantere Improvisation umzuschlagen. Mit der romantischen Ballade „Joao“ verabschiedet sich Gonzalo Rubalcaba von einem begeisterten Publikum.