Jedem Kind eine Geburtstagsfeier

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Foto: WAZ
Sarah Musolff und Merve Tugcu vom Kinderschutzbund organisieren Feiern für Kindern, in deren Familien das nicht ohne Weiteres möglich ist.

Hattingen..  Der Kinderschutzbund in Hattingen organisiert Geburtstage für Kinder, bei denen das aus finanziellen, räumlichen oder familiären Gründen nicht ohne Weiteres möglich ist. „Oft ist es so, dass Kinder – wenn sie selbst keinen Geburtstag feiern – auch von anderen nicht eingeladen werden,“ sagt Sarah Musolff, eine der Initiatorinnen des Projekts. Das führe bis zu ei­nem gewissen Grad zur sozialen Isolation der Kinder. Hier will der Kinderschutzbund gegensteuern.

Dem Ortsverband Hattingen/Sprockhövel gehören mehr als 100 Mitglieder an. 27 davon arbeiten regelmäßig bei Projekten und Veranstaltungen mit und leisteten im vergangenen Jahr über 2600 Stunden ehrenamtliche Arbeit.

Anfragen aus der Schule

Zu ihnen gehören auch Sarah Musolff und Merve Tugcu, die die Idee zu dem Geburtstags-Angebot hatten. „Bisher sind immer Schulsozialarbeiter oder Lehrer auf uns zugekommen, doch auch die Eltern und Kinder selbst könnten das gerne tun.“ In einem Fragebogen können Interessen, Hobbys und mehr angegeben werden, damit die Ehrenamtlichen, die Geburtstage individuell möglich planen können.

Die Feiern finden in öffentlichen Räumen statt, wie dem Haus der Jugend, der Stadtbibliothek oder in Gemeindehäusern. „Wir haben einmal einen Rittergeburtstag mit einer Spielolympiade gefeiert oder einen Hexengeburtstag mit Schnitzeljagd.“ Das Geburtstagkind bekommt sogar ein Geschenk; ein Buch, ein Spiel oder Playmobil. Die Gäste bekommen unterdessen gar nicht mit, dass die Frauen von einer sozialen Organisation kommen. Ganz im Gegenteil. „Häufig kommen die Freunde der Kinder zu uns und sagen: ‘Zu meinem Geburtstag könnt ihr auch kommen’.“

Die Gründe, warum die Eltern den Kindern keine Feier ermöglichen können, hinterfragen die beiden nicht. „Es ist beklemmend genug zu erfahren, dass beispielsweise ein Kind bis 16 Uhr noch nichts zu essen bekommen hat.“ Sie wollen auf keinen Fall Familien stigmatisieren. „Manchmal fehlt allein erziehende Elternteilen zum Beispiel schlicht die Zeit.“

Zehn Geburtstage haben die jungen Frauen bisher veranstaltet. Finanziert wird die Arbeit des Kinderschutzbundes durch die Mitgliedsbeiträge und Spenden, durch die Einnahmen des Kleiderladens, des Floh- und Weinachtsmarktes. Auch Zuweisungen von gerichtlichen Geldbußen ermöglichen seine Arbeit. „Uns macht die Arbeit Spaß“, betonen Sarah Musolff und Merve Tugcu, „über Unterstützung durch weitere Ehrenamtliche würden wir uns aber jederzeit freuen.“

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