Jede Wunde heilt

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Was wir bereits wissen
Beim Altstadtgespräch zu chronischen Wunden wurde erklärt, warum an der Verletzung nicht geknibbelt und die Brandblase nicht aufgestochen werden soll.

Hattingen..  Dass man chronischen Wunden vorbeugen kann und eine gestörte Wundheilung meist die Folge von Vorerkrankungen oder Mangelerscheinungen ist, erfuhren die Besucher am Mittwochabend im Rahmen des Altstadtgesprächs vor Ort im Emmy-Kruppke-Seniorenzentrum in Welper. Mit Marie Christin Vollmar, Oberärztin für Innere Medizin und Geriatrie im St.-Elisabeth-Krankenhaus, Dr. Helfried Waleczek, Chirurgie-Chefarzt im Evangelischen Krankenhaus, und AOK-Pflegeberaterin Silke Göbelshagen kamen drei ausgewiesene Experten zu Wort.

„Bei einem gesunden Menschen heilt jede Wunde“, stellte Waleczek klar und ergänzte, dass es nur auf die geeignete „Heilungssuppe“ ankomme. So würde der Körper Wunden im Normalfall durch seine körpereigenen Abwehrkräfte in den Griff bekommen. Eine gesund heilende Wunde, bei der verschiedene Botenstoffe in der richtigen Weise zusammenarbeiten, würde innerhalb weniger Tage durch einen „roten, samtigen Teppich“ zuwachsen, wobei dieser Heilungsprozess sogar zu erriechen sei, verriet der Mediziner. So solle man sich immer erst auf die Natur verlassen und abgesehen von einem regelmäßigen Verbandswechsel nicht unnötig an einer Wunde herumfuchteln.

Brandblase steril halten

Auch eine Brandblase solle nicht aufgestochen und möglichst steril gehalten werden, riet Waleczek. So würde eine offene Wunde zwar den Abfluss des Wundwassers ermöglichen, doch sei sie auch stets eine Angriffsfläche für Bakterien. Erst wenn die Wunde nach acht Wochen immer noch nicht verheilt ist, sollte man ärztlich untersuchen, woran es liegen könnte, empfahl der Experte. Natürlich sei die Wundheilung auch eine Sache der Lebensjahre und würde mit zunehmendem Alter länger andauern. „Es ist spannend zu sehen, was Babywunden besser können und warum sie narbenfrei verheilen, doch werden wir die medizinische Antwort auf diese Frage nicht mehr erleben“, erklärte Waleczek.

„Wenn eine Wunde nicht heilt, ist das grundsätzlich ein Anzeichen einer generellen Erkrankung“, erklärte Vollmar und nannte Diabetes, Verschlusskrankheiten, Gefäßentzündungen und venöse Insuffizienz als die häufigsten Ursachen. Auslöser einer gestörten Wundheilung sei häufig ein Eiweißmangel. Ferner würden eingeschränkte Mobilität, starker Gewichtsverlust sowie ein Abbau der Muskulatur zu den Risikofaktoren gehören, berichtete die Oberärztin. Darüber hinaus könne Bettlägerigkeit die Wundheilung durch ständigen Liegedruck stören. Neben einer eiweißreichen Ernährung würden ausreichend Bewegung, regelmäßige Fußpflege und angenehm sitzende Kleidung, die nicht einschneidet, zur Vorbeugung von chronischen Wunden helfen, riet Vollmar. Hinsichtlich der Kleidungswahl empfiehlt Waleczek das Tragen von rezeptierten Kompressionsstrümpfe, die auch er selbst während langer Stehperioden anziehe. „In der geriatrischen Behandlung fahren wir einen multiprofessionellen Ansatz und haben bei chronischen Wunden Zeit, auf den ganzen Menschen zu schauen, verschiedene Therapien auszuprobieren und je nachdem auch einen Chirurg hinzuzuziehen“, berichtete Vollmar und erklärte, dass neben Schmerzsymptomen Entzündungen, Eiter sowie schwarze Verfärbungen einer Wunde Handlungsbedarf erfordern.

Auch AOK-Wundmanagerin Göbelshagen weiß, dass bei chronischen Wunden verschiedene Zahnräder ineinandergreifen müssen. „Hier ist die Vermittlung der Betroffenen an die geeignete Behandlungsstelle sehr wichtig“, so die Beraterin.