Internet-Aktivist lobt DGB-Bildungszentrum

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Was wir bereits wissen
Computer-Chaos-Club-Mitglied Jochim Selzer gibt Seminare in Hattingen. Im Kryptocamp bringt er interessierten Jugendlichen bei, wie sie ihren Computer verschlüsseln.

Hattingen..  „Das Essen in der #DGB-Tagungsstätte #Hattingen kann locker lächelnd mit dem in 4-Sterne-Hotels mithalten“, twitterte Internet-Aktivist Jochim Selzer jetzt. Das Mitglied des Chaos Computer Clubs ist zugleich Datenschutzbeauftragter bei der evangelischen Kirche im Kirchenkreis Bonn - und gibt regelmäßig Seminare im DGB-Jugendbildungszentrum Hattingen.

„Das Kryptocamp: Snowden sei Dank“ heißt das nächste Angebot vom 20. bis 22. Februar. Verschlüsselungstechniken sind da das Thema. „Seit Snowden ist das Thema Datensicherung noch mehr in den Blickpunkt gerückt“, so Marc Neumann, pädagogischer Leiter beim DGB-Bezirk NRW, Jugendbildungszentrum Hattingen. Der DGB widme sich dem Thema, auch wenn es ein randständiges für Gewerkschaften sei, weil man vielseitig aufgestellt sein wolle, „und die Digitalisierung ist inzwischen auch ein wichtiges Thema in der Arbeitswelt“.

Gekommen ist Selzer zu den Seminaren für Jugendliche, aber auch für Erwachsene in Hattingen wie „die Jungfrau zum Kinde“, so der 45-Jährige, der schon diversen Medien, u.a. dem Spiegel, Interviews gegeben hat und in der E-Mail-Adresse das Element @vorratsdatenspeicherung stehen hat. Man lernte sich kennen, dann „fiel mal ein Referent aus, man hat mich angesprochen, ob ich das machen könnte“, erinnert er sich. „Da habe ich mich am nächsten Tag in den Zug gesetzt und bin nach Hattingen gefahren.“

1983 begann er, sich als Hobby mit Datenschutzfragen zu befassen. Seit 2013 veranstaltet er auch Kryptopartys im Raum Köln/Bonn. „Inzwischen habe ich viele Erfahrungen gesammelt, wie man was an den Mann bringt.“ Und er hat erfahren, dass sich ältere Menschen für ganz andere Fragen interessieren als jüngere: „Ältere finden es spannend, wie man sich Passworte merken kann, dass es Passwort-Speicher gibt“, erzählt er. Jüngere bewegt, wie man Bilder für den Falle eines Diebstahls des Handys sichern kann, worauf bei What’s App zu achten ist.

Die Ausstattung der Bildungsstätte Am Homberg lobt Selzer ausdrücklich, ebenso die dortige Internetverbindung – und den Haustechniker: „Er hat sich weit über das Soll in seinem Beruf in die Materie eingelesen. Mit ihm kann ich auf Augenhöhe sprechen.“

Beim Seminar in Hattingen sind Jugendliche für 22 Euro dabei. Sie sollten ihr Notebook mitbringen, können beim Kryptocamp ihren Computer verschlüsseln. Es werden Programme vorgestellt, die es der Überwachung ein bisschen schwerer machen. Selzer zeigt, was mit günstiger Technik machbar ist: anonyme Netzwerke, die eigene Cloud, der eigene Mailserver. Und, heißt es im Programm, „mit der Hausdrohne samt Kamera erkunden wir ein bisschen die Umgebung und zeigen, was mit Überwachung möglich ist“.

Zum wiederholten Mal fand in Hattingen jetzt der AKtiVCongrEZ: Aktivenkongress/Kreativkongress Netzgesellschaft des Vereins Digitalcourage statt, zu dem auch Vertreter des Chaos Computer Clubs kamen. Themen waren Datenschutz am Arbeitsplatz, Lobbyismus und Öffentlichkeitsarbeit, neue Trends beim Datensammeln und Auswerten, neue Protestformen für die Bewegung, neue Tools zur digitalen Selbstverteidigung, das Freihandelsabkommen „TTIP“, Reaktion auf immer neue Datenskandale, Aktionsformen und Daten in der Medizin. Ausrichter des Kongresses mit 50 Teilnehmern aus ganz Deutschland ist eben der Verein Digitalcourage mit Sitz in Bielefeld.

„Dass wir uns unter dem Dach des DGB-Bildungswerks wohlfühlen, ist sowohl Guido Brombach (Bildungsreferent DGB-Bildungswerk Hattingen, Anm. d. Red.), als auch den freundlichen Menschen im Haus zu verdanken“, so padeluun, Gründungsvorstand Digitalcourage e.V., Künstler und Netzaktivist, der nur unter Pseudonym auftritt.