Ins Gefängnis wegen Fluchtgefahr

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Was wir bereits wissen
Richter sieht Körperverletzung als erwiesen an. Urteil: ein Jahr ohne Bewährung. Gegen den Angeklagten wird außerdem jetzt noch wegen Bandenkriminalität ermittelt.

Hattingen.. Nach den Plädoyers steht der Angeklagte auf, versichert weinend, er habe sich um Arbeit bemüht, wolle seine Familie ernähren. Doch das half dem dreifachen Familienvater, der einen Bekannten geschlagen und mit einem Messer bedroht sowie seinen eigenen Vater im Streit geschlagen haben soll (wir berichteten) auch nicht. Aus der Untersuchungshaft wegen Verdunkelungsgefahr ging es für ihn gleich zurück in die Zelle – wegen Fluchtgefahr.

Denn auch die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt nun gegen ihn wegen Bandenkriminalität, so Richter Johannes Kimmeskamp. Das Urteil in dem Prozess vor dem Hattinger Gericht lautet wie vom Staatsanwalt gefordert: ein Jahr ohne Bewährung. Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert – oder wenigstens auf eine Bewährungsstrafe.

Der Richter sah als erwiesen an, dass der 1978 geborene S. 2014 an der Heinrich-Zille-Straße einen Mann schlug und mit einem Messer bedrohte. An einem anderen Tag schlug er seinen eigenen Vater, der zwar seine Enkel, nicht aber seinen Sohn nach einem Streit in die Wohnung lassen wollte.

Auf Bewährung mochte Kimmeskamp die Strafe nicht aussetzen. Strafverschärfend, sagte er in seiner Urteilsbegründung, sei nicht nur, dass der Beschuldigte „flapsig gesagt bis zur Unkenntlichkeit vorbestraft ist“, sondern auch, dass er keine Distanzierung zu seinem Verhalten gezeigt habe. Er hatte im Prozess mitangesehen – trotz mehrfacher richterlicher Hinweise – , wie sich ein Opfer und seine eigene Frau wegen Falschaussagen selbst strafbar machten.Am ersten Prozesstag hatten sie nämlich nichts mehr von S.’ brutalen Handlungen wissen wollen, die sie bei der Polizei angegeben hatten. Augenfällig seien die Lügereien und die im Prozess geschilderten Tatversionen „Quatsch“. Übrigens: An diesem Verhandlungstag machte neben dem Vater auch die Ehefrau, die nach eigenen Angaben schon vor S. ins Frauenhaus geflüchtet war, vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Und das Opfer der ersten Tat räumte nun doch ein, dass S. ein Messer gezeigt hätte.

Auch die Anmerkung des Verteidigers im Plädoyer, S. habe sich um psychiatrische Hilfe bemüht, half nicht. Denn Kimmeskamp vermochte die Ernsthaftigkeit des Bemühens nicht zu überprüfen, verwies auf S.’ 21 Einträge im Bundeszentralregister, die von Exhibitionismus über Beförderungserschleichung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Urkundenfälschung bis hin zu gemeinschaftlichem und versuchtem Diebstahl sowie Verstoß gegen das Waffengesetz reichen. Auch Haftstrafen hatte es schon gegeben. Der Richter gab zu bedenken, dass sich S. die „letzten 14, 15 Jahre nicht bemüht habe“. Er „hat offenbar ein Problem mit seiner Gefühlsverwaltung“, so Kimmeskamp.