Hunderte Menschen brauchen die Tafel in Hattingen

Die Tafel in Hattingen an der Nordstraße.
Die Tafel in Hattingen an der Nordstraße.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Dank Lebensmittelunterstützung der Tafel in Hattingen können sich Bedürftige auch mal etwas außer der Reihe leisten. 600 bis 800 Haushalte werden unterstützt.

Hattingen.. Verhungern würde wohl keiner der Menschen, die anstehen vor der Tafel, wenn diese wie angekündigt im Herbst schließt. Die Lebensmittel, die Erwachsene mit wenig Geld für sich und ihre Familien in Hattingen dort bekommen, verschaffen aber Spielraum in 600 bis 800 Haushalten. Ehe sie zur Nordstraße ging, saß Anja schon Weihnachten ohne etwas zu essen vor leerem Kühlschrank und wurde von Bekannten mit Care-Paketen über Wasser gehalten.

Der 45-Jährigen hilft es sehr, zweimal die Woche Lebensmittel zu bekommen – wie anderen auch, ob alleinstehend und ohne Arbeit, alleinerziehend, Rentner, Familienmutter oder -vater. In zwei Reihen schlängeln sie sich an der Hauswand entlang im Hof und warten geduldig am Eingang der Ausgabe und neben der Tür zum Büro, bis sie an der Reihe sind.

Keine Stellungnahme der Tafel

Darunter ein Mann aus Georgien, der sich freut, gleich für sich und seine Familie Brot, Wurst, Obst, Gemüse und was sonst noch vorrätig ist, mitnehmen zu können. Auch Patrick Kuchenbecker ist froh, sich hier versorgen zu können. Der 30 Jahre alte Lagerist hat keine Arbeit. Die Tafel sei eine große Hilfe, sagt er.

Das empfindet Daniela Pietsch genauso. „Es ist ganz schön hart, wenn man jeden Cent umdrehen muss“, sagt die 39-Jährige, die für ihre fünfköpfige Familie mit drei Kindern ansteht. Sie ärgert sich, wenn andere Sachen wegwerfen. Wurst beispielsweise sei abgepackt in Paketen. Mag sie selbst etwas nicht, gibt sie es weiter an Freunde.

Ohne Tafel nicht mehr so viele gesunde Lebensmittel

Auch Ann-Kathrin Janich und Haike Richert stehen Schlange. Die Frauen kommen meist mittwochs – nach dem Caritas-Café für Mütter und ihre Babys, das sie regelmäßig besuchen. Würde die Tafel schließen, wäre auch die Ausgabe in Haßlinghausen betroffen, sagt Haike Richert aus Sprockhövel. Ohne Tafel sei nicht mehr so viel Gesundes möglich, bilanziert Ann-Kathrin Janich: „Nicht jeder kann zwei Euro für die Schale Erdbeeren bezahlen.“ Dank Tafel wird die Haushaltskasse bei Lebensmitteln entlastet. Dadurch, so die Mütter, sei auch mal ein Zoobesuch mit Kindern möglich.

Anja gibt zu bedenken, dass viele Menschen Schulden haben. Sie wollten „keinen Gerichtsvollzieher vor der Tür stehen haben“ und sparten bei Lebensmitteln. Bei der Tafel konnte sie, wenn das Geld knapp war, auch die drei Euro für die Ausgabe anschreiben lassen.

Zur Erklärung der Stadt Hattingen, die ihre Hilfe, wie berichtet, an Bedingungen knüpft, wollen sich weder Geschäftsführer Jürgen Sotzek noch Vorsitzende Anja Werning äußern.