Hunderte Hattinger ohne Gesundheitskarte

Bereits 2006 wurde die Gesundheitskarte vorgestellt.
Bereits 2006 wurde die Gesundheitskarte vorgestellt.
Foto: ddp images/Sebastian Willnow
Was wir bereits wissen
Die AOK im Ennepe-Ruhr-Kreis schätzt, dass 300 ihrer Versicherten in Hattingen betroffen sind. Zehn Tage nach Behandlung muss die Karte vorliegen.

Hattingen..  Patienten, die sich ärztlich behandeln lassen, müssen seit dem 1. Januar die neue elektronische Gesundheitskarte mit Bild vorlegen. Tun sie es nicht, können sie wie ein Privatpatient behandelt werden und eine Rechnung bekommen. Die AOK im Ennepe-Ruhr-Kreis schätzt, dass etwa 300 Hattinger noch nicht mit der neuen Karte versorgt sind. Wie generell zwei bis drei Prozent der Versicherten.

Abrechnung als Privatpatient

„Das kann teuer werden“, sagt Jörg Wahle, bei der AOK zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Wer sich ohne gültige Karte behandeln lässt, muss sie innerhalb von zehn Tagen danach vorlegen. Sonst müsse er mit einer privatärztlichen Abrechnung rechnen. Wird die Karte bis zum Quartalsende nachgereicht, müsse der Arzt zurückzahlen. Doch der Patient hat die Summe erst einmal vorgestreckt. Hat die AOK bundesweit 2,4 Millionen Versicherte, sind es im EN-Kreis etwa 100 000, in Hattingen 13 000, zusammen mit Sprockhövel 14 900.

Obwohl die alte Karte ohne Foto seit über drei Wochen nicht mehr für die Abrechnung taugt, hat sie noch mancher in der Tasche, bestätigt Hausarzt Jörg Lennecke. Seit dem 1. Januar 2015 gilt ausschließlich die neue elektronische Chipkarte als Berechtigungsnachweis für die Inanspruchnahme von Leistungen. „Ich darf die alte Karte nicht mehr einlesen und kann das auch nicht mehr“, so Lennecke.

Allerdings hält sich die Zahl derjenigen, die ohne gültige Abrechnungskarte in der Praxis erscheinen, mit bisher zwei oder drei Patienten in Grenzen. Sie werden gebeten, die Karte nachzureichen.

Gesetzlich haben sie zehn Tage Zeit. Doch werden die Grenzen nicht bei jedem Arzt ganz eng ausgelegt. Verlassen sollte sich der Patient allerdings nicht darauf. Jörg Lennecke vermutet, den bisher wenigen Betroffenen bei ihm sei die Neuerung durchgegangen. Sie hätten sich vom Datum auf der alten Karte täuschen lassen. Patienten werden darauf hingewiesen und gebeten, die neue Karte vorzulegen.

Gesetzliche Pflicht zum Bild

Zahlenangaben kann Diana Kratofiel nicht machen. Aber auch in der Zahnarztpraxis ihres Vaters, für den sie die Verwaltung macht, kommt es vor, dass die aktuelle Karte fehlt. „Manche Patienten, auch sehr seriöse, versichern, sie hätten kein Schreiben der Kasse bekommen, ein Foto einzureichen“, so Diana Kratofiel. Viele Patienten seien bei ihrem Vater schon seit 30 Jahren in Behandlung. Dem einen oder anderen sei nicht bewusst geworden, dass die neue Karte mit Bild kein Angebot, sondern gesetzliche Pflicht sei. Darauf werden sie hingewiesen und gebeten, die neue Karte zu besorgen und in der Praxis vorzulegen.