Hühnerbärlauch und Maibowle

Sabine Dittrich
Sabine Dittrich
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Kräuterliebhaber und Übernachtungsgäste, die Erholung im Grünen suchen, steuern den in dritter Generation bewirtschafteten Kräuterhof Rhode an.

Hattingen..  Wer am Obst- und Kräuterhof mitten im Schulenbergwald ankommt, fühlt sich weit entrückt – zeitlich und räumlich. Wie in einer anderen Welt. Der Blick schweift nur über sanft abgestuftes Grün, Figuren und Sprüche empfangen den Besucher. Roland Ibing und seine Partnerin Sabine Dittrich begrüßen gerade neue Übernachtungsgäste, die in der ruhigen Umgebung abschalten und entspannen.

Schon auf dem Weg zum Baudenkmalhof von 1780, den der 67-Jährige in dritter Generation pflegt und bewirtschaftet, stehen vereinzelt Tische und Stühle. Dort kann man sich niederlassen, Maibowle oder ein Wasser genießen inmitten der wahrlich idyllischen Landschaft.

Auf den Hof gelockt haben die Besucher von der WAZ Zettel an Bäumen im Schulenbergwald, die Bärlauch ankündigen. Liegt es am ungeübten Großstadtauge? Nichts zu sehen von dem Gewächs, das nicht mit Herbstzeitlose oder Maiglöckchen verwechselt werden darf. Kräuterfachfrau Ursula Stratmann ist nichts davon bekannt, dass im Schulenbergwald Bärlauch wächst. Sei er einmal da und die Standortbedingungen passten, breite sich das Gewächs aus. Wie entlang einer Wittener Straße, wo die Nachbarschaft ein Bärlauchfest feiere. Die Sprockhövelerin hatte selbst schon Bärlauch im Garten. Er verschwand, als ein Baum gekappt wurde und fortan der Schatten fehlte.

Förster Thomas Jansen weiß nichts von wild wachsendem Bärlauch im Schulenbergwald. Als Quelle kennt er nur den Kräuterhof Rohde.

Besonders schattig ist dort die Stelle nicht, auf die der Hausherr zeigt und stolz seinen „Hühnerbärlauch“ präsentiert. Eine spezielle Sorte? Roland Ibing amüsiert sich. Er nennt das Areal so, weil sich dort die Hühner gütlich tun. Dafür, dass sie picken dürfen, revanchieren sie sich mit Eiern. Ob die nach Bärlauch schmecken, ist nicht überliefert. Weiter hinten ist noch ein Feld im Schatten, von dem Sabine Dittrich das Grünzeug für Kräuterliebhaber pflückt.

Im Hauptberuf macht der 67-Jährige Roland Ibing in Wuppertal in Farben und Lacken. „Mit einem Bauchladen“, sagt er. Womit er die Größe seines Unternehmens umreißt. Am Wochenende öffnet er sein Refugium mitten im Grünen auch für Besucher.

Über hundert Wildkräutersorten gab es hier einmal. Doch vieles lag brach nach dem Tod von Ibings Frau vor einigen Jahren. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sabine Dittrich baut Ibing den Bestand wieder auf auf dem Hof, der sich „ökologischen Maßgaben verpflichtet fühlt“.