Das aktuelle Wetter Hattingen 9°C
Stadtentwicklung

Hohe Verluste für Welper und Bredenscheid

17.09.2012 | 17:44 Uhr
Hohe Verluste für Welper und Bredenscheid
Luftiger Blick auf Bredenscheid: Der Stadtteil punktet mit einem attraktiven Wohnangebot. Am Alten Bahnhof soll ein Stadtteilpark für alle Generationen entstehen.Foto: Hans Blossey

Hattingen.   Das Stadtentwicklungskonzept 2030 listet Stärken und Schwächen der Stadtteile auf. Das Ziel: Schon heute die Weichen für morgen stellen.

Die eine Generation baut die Straße, auf der die nächste fährt. So lautet eine chinesische Weisheit. Auch Hattingen ist mitten im (Um-)Bau. Zumindest geistig. Denn eines ist sicher: Der demografische Wandel verändert die Stadt – und das schon jetzt. Deshalb haben sich Politik und Verwaltung auf den Weg gemacht, um heute die Weichen für morgen zu stellen: Das „Stadtentwicklungskonzept 2030“ beschreibt Stärken, Schwächen und Ziele der einzelnen Stadtteile. Heute im Blick: Welper, Blankenstein, Holthausen und Bredenscheid.

Welper

Fast 550 Einwohner hat der Stadtteil in den vergangenen acht Jahren verloren: Waren es 2004 noch 7622 Welperaner, zählt der Ort heute nur noch 7087. Das entspricht einer Minusquote von sieben Prozent.

Als Stärke sieht die Stadt das attraktive Wohnumfeld. Viele Grün- und Freiflächen, der öffentliche Park Diepenbeck und die Ruhrauen bieten Platz für Freizeit und Naherholung. Ein großer Pluspunkt ist der überregional bekannte Gewerbe- und Landschaftspark Henrichshütte mit dem Industriemuseum. Auch die Nahversorgung, die innerstädtische Straßenanbindung und die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln stehen auf der Haben-Seite.

Die Schwächen-Liste jedoch ist länger: Seniorengerechte Wohnungen sind ebenso Mangelware wie bezahlbare Wohnungen für Familien. Zudem sind Wohngebiete durch Verkehr und Lärm belastet. Handlungsbedarf besteht etwa an der Käthe-Kollwitz- und Querstraße sowie Auf dem Haidchen. Fußgänger- und Radwege sind in einem schlechten Zustand (Marxstraße) oder fehlen ganz (vor allem zu den nördlichen Ruhrauen und in Richtung Witten). Als schmerzlich wird auch das Fehlen eines zentralen Treffpunktes zur kulturellen Nutzung oder für Jugendliche angesehen. Zu viele öffentliche und kulturelle Einrichtungen sind nicht barrierefrei bzw. schlecht erreichbar.

Ziel für Welper ist es – wie für die anderen Stadtteile auch – den vorhandenen Wohnbestand weiterzuentwickeln und Freiräume unbebaut zu lassen. Handlungsschwerpunkte sind die Thingstraße und die Grünfläche Diepenbeck. Letztere soll aufgewertet und nicht weiterhin als Angstraum wahrgenommen werden. Das Nebenzentrum und seine Funktion als Versorgungsbereich sollen gestärkt werden. Im Detail sollen Wohnquartiere aufgehübscht, die Nutzung Wohnen/Gewerbe Auf dem Haidchen neu geordnet, die Buslinienführung samt Taktzeiten zur Henrichshütte verbessert werden und ein durchgängiger Fuß- und Radweg an der Straße Am Büchsenschütz entstehen.

Blankenstein

Recht konstant ist die Bevölkerungsentwicklung in Blankenstein: Mit 2774 Einwohnern leben dort 0,5 Prozent weniger als vor acht Jahren.

Positiv vermerkt das Konzept den historisch gewachsenen Ortskern, die Siedlungsentwicklung auf dem „Puth-Gelände“, attraktive Landschaftsräume, die Nah- und medizinische Versorgung sowie die ÖPNV-Anbindung und das Straßennetz. Das ehemalige „Coca-Cola-Gelände“ an der Blankensteiner Straße gilt als „Potenzialfläche für eine Nachnutzung“.

Auf der Negativ-Liste stehen der Zustand des Gethmannschen Gartens, fehlende ergänzende Versorgungseinrichtungen (Apotheke, Post, Bank, Drogerie), unzureichende Rad- und Gehwege sowie fehlender Lärmschutz an der Blankensteiner Straße. Viele Wohnbereiche sind stark verkehrsbelastet (Wittener- / Blankensteiner Straße), bei „Über der Horst“ besteht Handlungsbedarf.

Schwerpunkt ist die Aufwertung des Gethmannschen Gartens. Konkret sollen der Zugang verbessert, der Skulpturenpark erweitert, das Museum samt Café integriert sowie Schilder aufgestellt werden. Auch eine Anbindung ans regionale Radwegenetz ist geplant.

Holthausen

Holthausen ist der Gewinner unter allen Stadtteilen – zumindest was die Einwohnerzahl anbelangt. Um 1,7 Prozent stieg die Bevölkerung in acht Jahren von 5764 auf 5862 .

Auf der Habenseite stehen das vielseitige Wohnangebot in landschaftlich attraktiver Lage und das Gewerbegebiet ohne Baulücken. Das Nahversorgungsangebot gilt als ebenso positiv wie die Verkehrsanbindung. Ein Dorfplatz ist vorhanden und es gibt Potenziale zur Ausbildung einer neuen Mitte.

Dagegen mangelt es an Grün- und Freiflächenangeboten (Rodel- und Drachenwiese), einem Treffpunkt für Jugendliche, Spielplätzen in Wohnungsnähe, großen Wohnungen, medizinischer Versorgung, einem durchgängigen Rad- und Fußweg (etwa entlang der Holthauser Straße sowie zwischen Schulzentrum und Gewerbegebiet Ludwigstal II) und Parkplätzen im Zentrum. Der „Mitte“ fehlt Aufenthaltsqualität.

Handlungsschwerpunkte liegen im Bereich Gewerbe und Ortsmitte. So soll neuer Raum für Gewerbe geschaffen beziehungsweise Wohnbaufläche gegen Gewerbefläche getauscht werden (Zum Ludwigstal). Zudem soll die Dorfstraße umgestaltet und ein Leitkonzept für eine attraktive Mitte entwickelt werden.

Bredenscheid

Prozentual gesehen ist Bredenscheid das städtische Sorgenkind: Neun Prozent weniger Einwohner verzeichneten die Statistiker innerhalb von acht Jahren. In diesem Zeitraum sank die Anzahl der Bredenscheider von 3430 auf 3117.

Das Wohnangebot findet sich ebenso auf der Stärken-Seite wieder wie das Bildungsangebot, die Rad- und Verkehrsverbindung.

Negativ vermerkt das Konzept Wohnungsleerstände, das Fehlen einer „Ortsmitte“, aber auch fehlende Freizeitangebote für Jugendliche und schlechte Nahversorgung, die ungeordnete Parkplatzsituation, das unzureichendes Fuß- und Radwegenetz sowie Lärmbelastung durch Elfringhauser- und Johannessegener Straße.

Handlungsschwerpunkte sind der Ausbau Spielplatz Alter Bahnhof zum Stadtteilpark für alle Generationen und die Wohnsiedlungsentwicklung in der Ortsmitte.

Von Sophia Schauerte


Kommentare
18.09.2012
09:22
Stärken eliminieren - zweiter Teil
von BenMuli | #4

Sehr geehrte Frau Dr. Goch,
liebe(?) Stadtverwaltung,
sehr geehrter Politiker aller Parteien,

BITTE WACHEN SIE AUF!!!

Hören Sie auf, sich hinter Zahlen und Gesetzestexten zu verschanzen. Es muss für alle Beteiligten möglich sein, dass zwei nebeneinander existierende Konzepte einer Stadt wenigstens im Denkansatz miteinander verknüpft werden.

Zeigen Sie der Bevölkerung dieser schönen Stadt, dass es sich weiterhin lohnt hier zu wohnen und Zukunftspläne zu schmieden.

Stellen Sie die politischen Spielereien ein und fangen Sie an, an derselben Seite des Strangs zum Wohlergehen der Stadt Hattingen und Ihrer Bürger zu ziehen.

Wir danken es Ihnen!!!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man die Schule im Dorf lassen sollte.

18.09.2012
09:09
Stärken eliminieren - erster Teil
von BenMuli | #3

Ich finde das sehr interessant, dass die Stadt Hattingen ein Stadtentwicklungskonzept "2030" auflegt und dafür eine Menge Geld ausgibt.

Nachdem dann Ergebnisse aus der Stärken-/Schwächen-Analyse vorliegen, ist der natürliche "Erste Schritt" die aufgeführten Stärken zu eliminieren. Dabei versteckt man sich hinter fragwürdigen Zahlenwerken, nur um zu kaschieren, dass man des langfristigen Denkens nicht mächtig ist.

Auf den Stadtteil Bredenscheid bezogen, bedeutet dies, das Bildungsangebot von der Stärken-Seite zu entfernen, um dann in der näheren Zukunft mit staunenden Augen da zustehen und sich zu wundern, warum man die gerade für viel Geld erschlossenen Grundstücke in Bredenscheids Mitte nicht wie geplant an junge (finanzstarke) Familien verkaufen kann. Dabei wird immer wieder festgestellt, dass potentielle Kaufinteressenten mit ihren Kindern mit Ferngläsern bewaffnet durch den Stadtteil streifen, aber auf Ihrer Suche nach einer Grundschule nicht fündig werden. Seltsam!!!

18.09.2012
08:33
Hohe Verluste für Welper und Bredenscheid
von DerWaschbaer | #2

Im Falle Bredenscheid benötigen wir eine abgesicherte Verkehrsverbindung, auch am Wochenende, einen geringeren GewSt-Satz damit die ansässigen Gaststätten überhaupt eine Chance haben.

Der DSL-Ausbau ist kaum vorhanden. Am Haus Friede steht ein Verteiler der Telekom, der dafür sorgt, das nur die Grundversorgung erreicht werden kann, der erneuert gehört.

Firmen werden nicht mehr ansässig, weil wir den höchstmöglichen Gew-St-Satz haben UND weil der DSL Ausbau überall sonst besser ist.

In Bredenscheid Mitte, etwa auf der Höhe Gaststätte zur Nieden fehlt ein Discounter, von der Struktur her ein Aldi.

Es hat schon einen Grund, warum die Leute vom Land fliehen. Wer nicht bewegbar ist, keinen Platz für seine Kinder findet, KAUM Internet hat (DSL 768 benötigt für 1 Foto schonmal gerne 20 Sekunden im Upload) und sehr weite Strecken fahrn muss, kann die Natur dem kaum vorziehen.

In Sachen Zukunft sehe ich da schwarz.

18.09.2012
08:27
Hohe Verluste für Welper und Bredenscheid
von DerWaschbaer | #1

Das Wohnangebot findet sich ebenso auf der Stärken-Seite wieder wie das Bildungsangebot, die Rad- und Verkehrsverbindung.

In Bredenscheid?

Ich erinnere: Ich wohne in etwa auf Höhe der Gemüsescheune. Ohne Auto ist NICHTS zu machen, da ein Bus alle 2 Stunden in eine Richtung fährt. Das führte zu meiner Schulzeit (ab der 5. Klasse) dazu, das ich teilweise 100 Minuten am Busbahnhof gewartet habe. Berufsschulen waren ohne Auto nicht zu erreichen, solange man nicht vorabends losfuhr für den nächsten Tag.

Der nächste Supermarkt ist in Holthausen, im Wodantal oder in Sprockhövel.

Die Grundschule Bredenscheid bangt, weil nicht genug Schüler mehr da sind. Das Bildungsangebot fällt bald also VÖLLIG flach.

Der Radweg an der Wodantaler Straße bzw. der Elfringhauserstraße wird so gut genutzt, das es jedes Jahr tödlich endende Unfälle gibt, weil Radler lieber die Straße nehmen, sodass Autos diese 30 kmh fahrenden Radler in Kurven überholen. Kontrolliert wird das nicht, es wird nur geblitzt.

Aus dem Ressort
Zwei Frauen bei Wohnhausbrand in Hattingen gestorben
Feuerwehr
Bei einem Brand am Donnerstagmorgen in Hattingen an der Karlstraße sind eine 46 Jahre alte Frau und ihre 74 Jahre alte Mutter ums Leben gekommen. Das Feuer war in der vierten Etage eines Wohnkomplexes mit mehreren Hochhäusern ausgebrochen. Zur Brandursache gibt es auch schon eine Vermutung.
Fisch an Ostern ist Tradition
Festtage
Fischhändler auf dem Hattinger Markt verkauft vor Ostern deutlich mehr. Kunden geben Tipps zur perfekten Zubereitung,
Natur erleben im Kinder-Garten
Familienzentrum
Familienzentrum Holthausen ist einer von bundesweit 200 Kindergärten, die unterstützt werden, um Kindern die Natur näherzubringen.
Wie Placebos wirken und wie sie gesehen werden
Altstadtgespräch
Altstadtgespräch beleuchtet das Thema aus Sicht der Forschung und der Philosophie.
O&K zieht in den Hüttenpark
Wirtschaft
Die Antriebstechnik unter dem Dach des Carraro-Konzerns wechselt von der Nierenhofer Straße auf das ehemalige 3M-Gelände an der Ruhrallee.
Fotos und Videos
Der Sommer wird bunt!
Bildgalerie
Hattingen / Sprockhövel
Kinder erforschen das Weltall
Bildgalerie
Kosmoskids
Singer Songwriter Session
Bildgalerie
Konzert
Kreativer Brandschutz
Bildgalerie
Malwettbewerb