Herr Berg läuft als Lehrerin

Jutta Dinca
Jutta Dinca
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Der Behindertenbeauftragte des Landes machte eine Ausbildung zur „Erzieherin“. Gleichstellungsbeauftragte rät zu kreativem Umgang.

Hattingen..  Studentenwerke in NRW wehren sich mit Hinweis auf die Kosten, aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit in Studierendenwerke umbenannt zu werden. Was sagt die Gleichstellungsbeauftragte dazu? Dass das Studentenwerk ja sprachlich ein Neutrum sei. Das heißt, es ist keinem der beiden Geschlechter zuzuordnen.

Jutta Dinca macht aber darauf aufmerksam, dass Sprache sehr einprägsam sei und „Bilder im Kopf erzeugt“. Während Feuerwehrleute ein neutraler Begriff sei, habe man bei Feuerwehrmännern nicht auch die aktiven Frauen in dem Beruf vor Augen.

Sie plädiert für einen kreativen Umgang mit dem Thema und für einen „guten Mittelweg“. Ist dafür, Schilder dann zu wechseln, wenn sowieso ein Austausch ansteht, Formulare zu ändern, wenn es sich kostenverträglich gestalten lässt.

Nun gibt es vor Ort kein Studentenwerk. Aber was ist mit der Awo? Muss sie befürchten, zur Arbeiterinnenwohlfahrt zu werden – wobei dann die Männer benachteiligt wären? Den Geschlechterproporz würde der weibliche Name jedenfalls besser abbilden. „Wir haben 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Jochen Winter, Geschäftsführer des Awo-Unterbezirks Ennepe-Ruhr. „Ich denke, 70 Prozent davon sind Frauen.“

Dass in Anschreiben an Angestellte die männliche Form gewählt wird, darauf macht eine Präambel zu einem Handbuch aufmerksam. Wichtig sei der Umgang unter­einander, so Jochen Winter, dass man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „wertschätzt und respektiert“.

Was ist mit Berufen, in denen mehr Frauen arbeiten? Warum da nicht die weibliche Form wählen? Die Weiltor-Grundschule tut es. Sie stellt auf ihrer Homepage im Internet „Unser Franziskusteam“ von der Schulleitung über Hausmeister und Reinigerinnen bis zu den Kräften in der Betreuung vor. „Herr Berg“, eindeutig ein Lehrer, wird in der Sparte der Lehrerinnen geführt und fühlt sich dadurch nicht diskriminiert, versichert Schulleiter Bruno Lück.

Auch der Erzieherberuf wird vornehmlich von Erzieherinnen ausgeübt. Jochen Winter kennt einen Vertreter, der bescheinigt bekam, „staatlich anerkannte Erzieherin“ zu sein und der das bei Veranstaltungen auch gern zum Besten gebe. Norbert Killewald bestätigt das lachend. Der 54-Jährige wurde von 1986 bis 1989 ausgebildet für die Erziehung von Kindern und erhielt ein Dokument als „Erzieherin“. Er persönlich kann darüber schmunzeln. Sprachlich ist er trotzdem für Korrektheit und nimmt das Thema nicht auf die leichte Schulter. Sein Amt als NRW-Behindertenbeauftragter hat ihn auch sprachlich sensibel gemacht.