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Industriemuseum

Heldentanz am Hochofen

24.09.2010 | 17:37 Uhr
Heldentanz am Hochofen

Hattingen. Die Gruppe „Dance Fields” um Gaby Koch spielte das Stück „Helden” im Industriemuseum.

„Ich bin ein Donner beim Faustkampf”, ruft eine Stimme. Ein junger Mann sitzt oben auf einem Stahlträger und schreibt auf einen Block. Eine Trompete ertönt aus der Ferne. Gestalten laufen über die Eisenbahnschienen. Es spielt eine Mundharmonika.

Etwa hundert Besucher erlebten das Stück „Helden” der 13 Artisten und Tänzer sowie der fünf Musiker hautnah. Es führte sie über das Gelände der Henrichshütte.

Funkgeräusche von rechts, dann lautes Frauengeschrei von hinten. Der Blick der Besucher wandert kreuz und quer über die Kulisse des Hochofens. Frauen und Männer tanzen, rennen, springen über das Gelände. Sie lehnen an Treppen, überraschen meterhoch stehend an Gerüsten. „Revolution!”, schreit ein Schauspieler. Laut knallen Platzpatronen, lassen die Zuschauer leicht zusammenzucken. Weiter nach vorne, bis zur Bruchsteinwand neben der Möllerung. Die Besucher laufen mit. Hier kämpfen Tänzer mit Stäben, schwingen sie, drehen sich selbst. Trommelschläge werden lauter. Ein Künstler malt eine tanzende Figur auf seine Leinwand. Das Bild wird auf die Mauer projiziert. Verstört wirkend, gekrümmt und dennoch auf Stelzen laufend, taucht ein Mann aus dem Nichts auf. Rockmusik: Zwei Frauen hängen wie Marionetten an Bungee-Bändern, springen hin und her, ringen miteinander. Ihre langen Haare schwingen bei jeder Bewegung. Sie wirken wie Puppen. Das Publikum tritt näher, umkreist die Kämpferinnen. Das Licht geht aus, die Köpfe der Zuschauer richten sich zum Gaswäscher, der etwa 25 Meter hoch ist. Vier Artisten hetzen nacheinander die Stufen hoch. Immer höher die Wendeltreppe hinauf, hängen sich über das Geländer, ziehen aneinander, versperren sich gegenseitig den Weg. Scheinwerfer bestrahlen sie. Am Ende steht jeder auf einer anderen Etage und alle rufen: „Ich! Ich!”

Tänzer hämmern
gegen Stahlträger

Die Zuschauermenge folgt eisernen Geräuschen. Tänzer hämmern gegen die Stahlträger der großen Windleitung. Von einer zwanzig Meter hohen Steinwand seilt sich eine Frau wie eine Spinne ab, lässt ihren Kopf, ihre Arme und Beine baumeln. Vogelgezwitscher: Eine zweite Frau steht am Abgrund in der Höhe, wirft Handküsse in die Menge. Die Artisten tanzen mit der Mauer, ihre Schatten springen über die Steinwand.

Das Publikum spendet Applaus. „Ich finde es beeindruckend, wie die Artisten die Kulisse benutzen, den Ort und die Geschichte in ihr Schauspiel einbeziehen”, sagt Lina Bögli (18). Karl-Heinz Homberg (55): „Die Zuschauer sind mitten im Geschehen und selbst in Bewegung.” Am morgigen Samstag ist die letzte Vorstellung um 20.30 Uhr zu sehen.

Lene Lemmer

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