Das aktuelle Wetter Hattingen 17°C
Stadtmuseum

Helden wie Mozart oder Mama

23.07.2010 | 16:56 Uhr
Helden wie Mozart oder Mama

Hattingen. Beim Generationen-Projekt des Stadtmuseums haben Schüler sich Leinwände mit Oma oder Onkel geteilt, damit jeder seinen Held malt.

Von der linken Bildseite blickt Balthasar in schwarzem Pullover den Betrachter an. Die andere Hälfte der Leinwand nimmt ein Unterschenkel mit Fuß ein. Über der Collage thront Achilles. Die beiden dargestellten sind Helden: Balthasar für die Schülerin Valerie Sentek. Sie war mit Balthasar befreundet, bis der damals 17-Jährige vor drei Jahren an Krebs starb. Achilles ist der Held für Andrea Wirtz, die früher viele römische und griechische Sagen gelesen hat.

Das Bild hängt im Stadtmuseum. Es ist Teil des Generationen-Projektes „My heroes“ – meine Helden. Hinter der Idee steckt Sebastian Hartmann (29), freier Mitarbeiter im Museum: „Es sollte eine Kunstaktion für Schüler werden, die an ein Familienmitglied gekoppelt ist.“ Teilgenommen haben 19 Schüler des Kunst-Leistungskurses der Gymnasien Waldstraße und Holthausen sowie Dritt- und Viertklässler der Grundschule Alt-Blankenstein.

Die Zwölftklässler gestalteten jeweils eine Leinwand in der Größe 1 x 0,50 m. Die Aufgabe: einen persönlichen Helden in Acryl zu malen. Genau auf der halben Bildfläche. Für die andere Seite musste jeweils eine andere Generation zum Pinsel greifen: Omas, Mütter, Brüder, Tanten und Opas. Entstanden sind tragische Helden oder auch Helden für die Menschen. Unter ihnen Arminius, der Cherusker, Peter Pan, Spiderman, Mozart – und viele sehr persönliche Geschichten.

Andrea Wirtz hat Pfoten gemalt, darüber das Bild eines Hundes geklebt: Es ist Christo von der ASB-Rettungshundestaffel, der ein schwer verletztes Mädchen gefunden hat. Neben dem Vierbeiner kämpft der Heilige Georg auf der Leinwand mit dem Drachen, ein Held für Selina Wirtz.

Für Sabrina Bullig ist ihre Mutter eine Heldin. Sie hat die krebskranke Oma in die Familie aufgenommen und war immer an ihrer Seite: Auf dem Bild hält sie die Großmutter im Arm. Sabrinas Mutter Monika Bullig hat die Ärzte ohne Grenzen zu ihren persönlichen Helden gemacht.

Eine Etage tiefer im Erdgeschoss hängen die Helden der Grundschüler: in Pastellkreide auf Papier. Ihre Begründung haben sie in eine Sprechblase geschrieben. In einer zweiten steht der Text zu Helden ihrer Mütter, Väter oder Onkel. Annika (9) findet Pipi Langstrumpf toll: „Weil sie in Pferd hat, das sie immer hochhebt.“ Annikas Mutter wählte Mutter Theresa als Heldin. Andere Jesus Christus oder Robin Hood. Fabians Held ist Michael Jackson, wegen der guten Lieder. In der Sprechblase, die der Zehnjährige für seine Mutter ausgefüllt hat, steht: „Oma und Opa, weil sie im Zweiten Weltkrieg ein paar Leute versteckt haben.“

Auch die Zwölftklässler haben die Geschichten aufgeschrieben, die hinter ihren persönlichen Helden stecken. Nachzulesen sind sie in dem großen Heldenbuch, das die Ausstellung begleitet. Valerie Sentek wendet sich darin an den verstorbenen Balthasar: „Du warst, bist und wirst für mich immer ein Held sein.“

Dominika Sagan

Facebook
 
Kommentare
26.07.2010
10:08
Helden wie Mozart oder Mama
von Sebastian Hartmann | #9

@8: Sie sind mit Ihren Gedanken und Ausführungen im falschen Museum/bei der falschen Ausstellung gelandet. Es geht NICHT um die Helden-Ausstellung im Industriemuseum, sondern um die Ausstellung im Stadtmuseum mit den stadthistorischen Helden/Heldinnen und dem ergänzenden Projekt.

26.07.2010
06:41
Helden wie Mozart oder Mama
von Kultur_Wahnsinn | #8

#7

Die vielen Kreuze auf einem Soldatenfriedhof künden indidviduell vom Heldentum wider Willen jedes Einzelnen.

Der deutsche Staat hat einmal aus der inneren Verrohung heraus, Tapferkeit und Heldentum von seinen Bürgern abgefordert hat, In der DDR gehörte die Erziehung zu sozialistischen Helden zum Kindergarten- und Schulprogramm. Angesichts dieses ungeheurlichen Heldenwahnsinns verbietet sich der leichtfertige, spielerische Umgang mit diesem Thema. Erst recht unter dem Deckmäntelchen der Kunst.

Wer heute wieder Helden haben will, macht sich schuldig an Jene, die wegen dieses Wahns sterben mußten.

Keine Ausstellung, kein Bild, die Heldentum zum Thema hat, kann so schön sein, dass es wert ist, sich dieses anzuschaun. Die Kreuze auf den Soldatenfriedhöfen sollten Mahnmal eines immer noch falsch verstandenen Heldentums genug sein.

25.07.2010
20:47
Helden wie Mozart oder Mama
von erst denken dann schreiben | #7

Als Besucherin der Hattinger Heldenausstellung und Betrachterin des Projekts, kann ich nur eines sagen: BEVOR Sie (@ Kultur_Wahnsinn) solche Äußerungen tätigen, schauen Sie sich doch bitte einmal im Museum an worüber Sie schreiben.
Denn dann kann man vielleicht auch einmal über richtige Inhalte sprechen und nicht nur über die Wahrnehmung eines Einzelnen und seine Ansichten von der Welt und was sie zusammenhält. Aber das ist bestimmt zuviel verlangt.

24.07.2010
23:20
Helden wie Mozart oder Mama
von Sebastian Hartmann | #6

Ich kann mich leider hier nur wiederholen. Es geht um die künstlerische Auseinandersetzung mit Helden - mit persönlichen Helden - und die will man ja nicht vorschreiben. Aufklärungsarbeit im Sinne von pädagogischem Handeln gab es wärend der Aktion allemal. Aber nicht zuletzt begründete jeder Teinehmer - egal ob Kind, Jugendliche, Eltern,.. - ja auch die Entscheidung, welchen Helden er oder sie wählte. Das waren nur Beispiele. Insgesamt haben fast 100 Personen teilgenommen. Aber darüber kann man sich gerne im Museum einen Überblick verschaffen.

Ich glaube das Thema Zivilcourage ist eines, dass man nicht in aller Breite hier diskustieren kann. Fest steht: Wenn Menschen Zivilcourage beweisen ist das schon sehr heldisch.

Eins steht fest: Wer ein Held/eine Heldin ist, liegt häufig im Augen des Betrachters, des Geretteten, es Hilfesuchenden, der in der Klemme Steckenden, usw.

24.07.2010
17:27
Helden wie Mozart oder Mama
von Kultur_Wahnsinn | #5

Verehrter Herr Hartmann,

Harry Potter ein Held ?
Robin Hood, der Rächer der Enterbten, ein Held oder ein Krimineller ?

Haben Erwachsene nicht die pädagogische Aufgabe den Kindern zu erklären, dass es eben keine Helden gibt ? Vorbilder sind nicht zwingend die Helden. Ganz im Gegenteil: Es können auch gern Anti-Helden sein

Wenn Sie hier offen bekennen, dass Zivilcourage mit Heldentum gleichzusetzen ist, dann muss ich Ihnen aus tiefer Überzeugung heftig widersprechen. Zivilcourage hat mit besagtem Heldentum nun wirklich nichts gemein, sondern gehört zum menschlichen Miteinander dazu. Nur eine Gesellschaft für die Zivilcourage selbstverständlich ist, wird keine Helden (hoch-)stilisieren müssen. Es sei denn, sie braucht diese für kriegerische oder sonstige verabscheuungswürdige Ziele.

Die Tatsache, dass die BRD einen Tapferkeitsorden neuerdings vergibt und der inflationäre sprachliche Gebrauch des Begriffs Held in all seinen Varianten lässt mich erschaudern. Wem nützt ein Heldentum Oder sind wir wirklich wieder soweit, dass wir schon wieder Kinder ans Heldentum diesmal unter dem Deckmäntelchen der Kunst heranführen ?

24.07.2010
16:40
Helden wie Mozart oder Mama
von Sebastian Hartmann Projektleiter MyHeroes | #4

Sehr geehrte(r) Herr/Frau (leider keine Ahnung wer dort schreibt, aber wäre schön zu wissen)

Es geht hier lediglich um persönliche Helden der eigenen Kindheit bzw. bei den Kindern und Jugendlichen bei dem Projekt um Ihre Lieblingsromanfiguren/-filmfiguren/-comicfiguren/ und spielt so mit Harry Potter, Robin Hood, Darth Vader und Co. auf einer ganz anderen Ebene als Ihre Beispiele. Bei den älteren Schülern spielten vor allem Vorbilder des direkten Umfelds eine Rolle wie Familienangehörige, Freunde,...

Ich denke, dass das Thema nie überstrapaziert ist, sondern vielmehr eine richtige und sinnvolle Auseinandersetzung gefragt ist. Von Ihnen genannte Beispiele wie ich es grad schon erwähnte sind überhaupt kein Thema gewesen - also seitens der Kinder.

Aber schauen Sie sich doch einfach einmal die beiden Präsentationen im Stadtmuseum an. Sind wirklich viele gute Kunstwerke dabei herausgekommen.

-

PS: Meiner Meinung nach ist Zivicourage in heutiger Zeit DEFINITIV Heldentum, denn der Begriff kann nicht nur nach Lexikaeinträgen eingordnet werden.

24.07.2010
16:21
Helden wie Mozart oder Mama
von Kultur_Wahnsinn | #3

Verehrter Herr Hartmann,

es ist gar nicht so lange her, da wurden Kinder zu Helden hochstilisiert, weil diese den Endsieg für eine verrohte und sittenlose Staatsführung holen sollten.

Im anderen Teil Deutschlands, nachdem Millionen Soldaten den Helden-Tod gestorben sind, wurden abermals Kinder missbraucht. Erst im Kindergarten, dann in der Schule züchtete der Staat sie für ein Heldentum im Sozialismus heran.

Gleich welche Motivation hinter My Heroes oder Local Heroes stehen mag: Zum deutschen Heldentum, wie auch immer es geartet sein mag, sollte jeder politisch denkender Mensch gehörig auf Distanz gehen. Übrigens: Was die Hattinger Leserschaft über die Helden-Diskussion anläßlich des Altstadtfestes hielt, erlebten die drei Diskutanten samt Lokalchef Laienbacher. Sie blieben allein am sonnenbeschirmten Niemand, aber auch wirklich niemand, blieb stehen oder hörte auch nur ein paar Minuten zu. Das Thema, lieber Herr Hartmann, ist überstrapaziert.

Bei Kindern gar das Heldentum zu thematisieren verbietet sich schon aus Ehrfurcht vor dem Missbrauch einer ganzen Generation. Erst im unsäglichen Dritten Reich, dann in der ebenfalls nicht wirklich besseren DDR. In der Berliner Republik bedarf es wirklich keiner Helden mehr. Dem neuen Tapferkeitsorden für Bundeswehrsoldaten zum Trotz. (Zivil-)Courage ist nämlich etwas völlig anderes als deutsches Heldentum!

24.07.2010
13:33
Helden wie Mozart oder Mama
von Sebastian Hartmann Projektleiter MyHeroes | #2

@1 Hier geht es um etwas anderes lieber Vor-Autor:

Kulturelle, kunstlerische Bildung von Kindern und Jugendlichen sowie die kreative Zusammenarbeit zwischen den Generationen innerhalb von Familien. Und dafür ist das Thema Helden einfach ein ziemliches geeignetes, da jeder etwas mit dem Thema verbinden kann: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren? Und dass in der Presse darüber berichtet wird, finde ich gut, da solche fremdgeförderten(!) Projekte wichtig sind und es den Teilnehmern sichtlich Spaß macht hat.

23.07.2010
18:00
Helden wie Mozart oder Mama
von Kultur_Wahnsinn | #1

Ganz ehrlich: Diesesständige Heldengefasel geht inzwischen mächtig auf die ......

Hat die Redaktion immer noch nichts aus dem Desaster der öffentlichen Helden-Diskussion anläßlich des Altstadtfestes gelernt ? Keiner, aber auch wirklich keiner, wollte dieser Gesprächsrunde zuhören. Den Menschen ist nicht nach Helden. Also Redaktion: nicht weiter am Leser vorbei schreiben! Es reicht, wenn dieser Kultur-Wahnsinn-Virus im Stadthaus grassiert!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3398799/create

Aktuelle Fotos und Videos
Integrationsfest
Bildgalerie
Fotostrecke
Taufstein als ökumenisches Verbindungsglied
Bildgalerie
Kirche
Pfingstkirmes
Bildgalerie
Rummel
Aus dem Ressort
VHS im Zweckverband ist vom Tisch
Volkshochschule
Hattinger Beitritt abgelehnt. Einrichtungen sind zu unterschiedlich. Kooperationen angestrebt.
Quartett unterstützt Bildungsarbeit
Förderverein
Vorstand des VHS-Fördervereins setzt auf Ideen und Projekte.