Heirat auf Südamerikanisch
06.02.2009 | 18:10 Uhr 2009-02-06T18:10:02+0100Niederwenigerin schreibt einen Gastbeitrag aus Ecuador, wo sie zurzeit lebt und arbeitet.Die 19-Jährige hat bei Vorbereitungen einer landestypischen Hochzeit geholfen - und mitgefeiert
Eine typische ecuadorianische Hochzeit stand an, mit riesiger Familienfeier. Meine Gastschwester Beatrix (18) heiratete ihren Freund Miguel, mit dem sie vier Jahre zusammen ist. Es hieß: "Si acepto" oder "Ja, ich will".
Das Hochzeitskleid kaufte die Braut eine Woche vor der Hochzeit. Zum Standesamt fuhren wir nach Mindo. Los Bancos wäre praktischer gewesen, aber dort ist der Standesamtbeauftragte samstags immer betrunken. Drei Paare warteten. Ein Pärchen fuhr auf dem Quadt in verdreckten Gummistiefeln vor, als ob sie aus dem Regenwald kommen. Das andere bestand aus reichen Quiteños (aus der Hauptstadt Quito): eine junge deutsche Frau (etwas älter als ich) mit einheimischem Bräutigam. Wir erfuhren dann, dass es nur noch ein Formular zur Eheschließung gibt. Meine Familie hat sich vorgedrängelt - die anderen gingen wieder.
Dann kam die kirchliche Hochzeit mit Feier im Gemeindehaus. Also sehr viel Arbeit. Um acht Uhr morgens ging es los: Kartoffeln und Möhren schälen, Fleisch panieren und braten, Räume schmücken, die vierstöckige Torte abholen, Reis kochen und auf einer schnell gebauten Feuerstelle warm halten.
350 Leute erwartete das Brautpaar. Alles wurde draußen vorbereitet. Zum Glück regnete es nicht. Im Laufe des Tages trudelte die Familie ein.
Eine Stunde vor der Messe wollte ich mich fertig machen und mein für diesen Tag geschneidertes Kleid anziehen. Pünktlich, typisch deutsch, und vom Trubel gestresst, war ich kurz vorher fertig, während die Leute immer noch mit Jogginghose herumliefen. In der Dorfkirche waren nur wenige versammelt.
Die Kirche füllte sich langsam. Die Trauung verlief ähnlich wie bei einer deutschen Hochzeit. Keiner hat die Braut vorher gesehen, sie kam mit ihrem Vater. Es gab Trauzeugen, ein weißes Hochzeitskleid, das Paar tauschte Ringe. Die Gäste warfen Reis. Im Gemeindehaus warf die Braut ihren Strauß, bevor alle die ganze Nacht tanzten. Der Unterschied zu Deutschland: wirklich alle tanzen. Zur Eröffnung gab es einen ziemlich unprofessionellen Walzer. Dann viel Alkohol.
Spätnachts ging ich nach Hause, wollte ausschlafen. Als ich Schritte und Stimmen um sieben Uhr morgens in meinem Holzhaus hörte, dachte ich: Jetzt gehen die letzten schlafen. Irrtum. Die Feier wurde vom Gemeindehaus in unser Haus verlegt.
Als ich vor lauter Lärm nicht schlafen konnte, habe ich mich unter die "Alkoholleichen" getrieben. Ich erfuhr, dass drei Tage durchgefeiert wird. Also floss weiter Alkohol, die Gäste tanzten zu südamerikanischer Musik, einige schliefen auf den Sofas ihren Rausch aus.
Als ich nachmittags aus der Schule kam, waren die Gäste verschwunden: Gott sei Dank feierten sie nicht drei Tage.
Im Laufe der Woche haben wir das Haus aufgeräumt. Das frischgebackene Ehepaar ist nebenan eingezogen, erwartet das erste Kind.
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