Hattinger Vereine spüren keinen WM-Boom

Ob Lena Goeßling (li.) und Alexandra Popp auch gegen Norwegen jubeln dürfen?
Ob Lena Goeßling (li.) und Alexandra Popp auch gegen Norwegen jubeln dürfen?
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In Kanada sind die deutschen Frauenfußballerinnen, für die es heute gegen Norwegen ernst wird, Mitfavorit. An der Basis ist das Turnier bislang kein Thema.

Hattingen..  In Kanada läuft seit einigen Tagen die Frauenfußball-WM, am heutigen Donnerstag spielt die mitfavorisierte deutsche Mannschaft in ihrem zweiten Vorrundenspiel gegen die Norwegen (22 Uhr, ARD). Nach dem lockeren 10:0-Aufwärmspiel gegen die Elfenbeinküste wird’s also ernst. Doch wie groß ist der Reiz an der Basis?

Christian Kolz, Vereinsvorsitzender und Trainer der U-17-Fußballerinnen beim SuS Niederbonsfeld, findet: „Ein Anstoß um 22 Uhr und dann noch wochentags ist doch eine tödliche Zeit.“ Zumindest für Frauenfußball, noch dazu Vorrundenspiele. Überhaupt sei die WM bei seinen Spielerinnen (die gestern Abend um den Aufstieg in die Niederrheinliga kickten) bisher kein Thema: „Ich habe die Mädels darüber beim Training noch nicht reden hören, nicht mal über das 10:0 gegen die Elfenbeinküste.“

Nachwuchs durch eigene Aktionen

Ohnehin hält Kolz die Effekte großer Frauenfußball-Turniere auf die Basis für sehr begrenzt. Trikots aktueller Nationalspielerinnen wie etwa Nadine Angerer, Alexandra Popp oder Lena Goeßling habe er auf der SuS-Anlage an der Kohlenstraße noch nie gesichtet – weder bei der U17, noch bei irgendeinem der anderen sechs Mädchen- bzw. Frauenteams (insgesamt rund 80 Spielerinnen). Und was die Mitgliederzahlen betrifft: Selbst nach der WM im eigenen Land vor vier Jahren sei auch beim SuS der große Zulauf ausgeblieben. Und dies, obwohl der DFB das Turnier damals zum Großereignis aufblies, es u. a. sogar Public Viewings gab. Zwar hofft Kolz, dass die Auswahl von Silvia Neid nicht wie anno 2011 wieder vorzeitig ausscheidet, sondern tatsächlich den Titel gewinnt, „doch selbst dann rechne ich nicht mit dem großen Boom“.

Sascha Piontek, Trainerkollege der U15-Mädchen beim TuS Hattingen (ebendort zurzeit die einzige Frauenmannschaft), sieht das ähnlich. „Ich hoffe aber, dass zumindest ein paar Spielerinnen durch die WM animiert werden, mal bei uns beim Training vorbeizuschauen.“ Und sein zurzeit 14-köpfiges Team verstärken.

In punkto „neuer Nachwuchs“ alleine auf eine WM zu vertrauen, das könne sich im Bereich Mädchen- und Frauenfußball indes kein Verein leisten, glaubt Christiane Kraushaar, Trainerin der U11-Mädchen bei den Sportfreunden Niederwenigern (wo es insgesamt rund 80 Mädchen und Frauen in fünf Teams gibt). „An neue Spielerinnen kommt man dauerhaft nur, wenn man sich als Verein selbst kümmert. Und so veranstalten sie auf dem Glück-Auf-Sportplatz am kommenden Samstag ab 10.30 Uhr den „Tag des Mädchenfußballs“. Für Fußballerinnen. Und für die, die solche noch werden wollen.