Hattinger Museum erwartet 50 000 Besucher

Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Industriemuseum zeigt Fotografien von Pino Bertelli über Arbeit in der Toskana und thematisiert den Strukturwandel in Hattingen und in Italien.

Hattingen..  Gibt es ein Leben nach der Hütte? Pino Bertelli hat es im „New Pott“ gesucht und vielfach gefunden in Hattingen. Diese Begegnungen mit Hattingern laufen allerdings im Hintergrund seiner aktuellen Ausstellung „Uomo e Macchina. Arbeit in der Toskana“, die am kommenden Freitag eröffnet wird. Die Verantwortlichen im Industriemuseum erwarten etwa 50 000 Besucher.

Im Vordergrund stehen Arbeiterporträts. Mensch und Maschine. Googelt man macchina, tauchen als erstes Autos auf. Die fahren allerdings nicht an den Ausstellungswänden entlang, dafür wird aber die Vespa-Herstellung festgehalten. Und skeptische Arbeiter mit verschränkten Armen. Die den Strukturwandel noch vor sich haben.

„Was den Strukturwandel betrifft, ist Hattingen der Region um Piombino gut 20 Jahre voraus“, sagt Dirk Zache, Direktor des Industriemuseums. Die Ausstellung sei zugleich Reise in die Vergangenheit und in die Zukunft. Weckten doch Bertellis Aufnahmen Erinnerungen an den Hüttenkampf an der Ruhr und die eigene Geschichte. Während Arbeiter in der Toskana einen Blick in ein Leben nach dem Ende der Montanindustrie werfen könnten.

Bertelli selbst, der rund 100 Fotos ausstellt, war selbst 25 Jahre Arbeiter im Stahlwerk Piombino. Der heute 72-Jährige rebellierte gegen Kommerz und Kapital. Machte sich auch in seiner Heimatstadt Piombino, „die seit Jahren um ihr Hüttenwerk kämpft, nicht nur Freunde“, so Museumsleiter Robert Laube. Er verlor seine Arbeit, wurde aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. In Hattingen dagegen machte er sich Freunde. „Mit seiner offenen Art auf Menschen zuzugehen, sie auf Italienisch anzusprechen, sich mit Händen und Füßen mit ihnen zu verständigen“, sagt Laube.

Wie auf einer Filmsequenz im Rahmen der Ausstellung zu sehen ist, verkaufte Bertelli in jungen Jahren eine Familiengruft, um Geld für ein Projekt mit Menschen zu haben. Dem Straßenfotografen geht es um Menschen. Am Eingang zur Ausstellung hängt ein Porträt von ihm. Links und rechts daneben zwei Menschen. Ein verletztes Kind im Irak. Und eine Frau aus Äthiopien. Da „macchina“ auch für Kamera steht, trifft der Ausstellungstitel auch mit „Mensch und Kamera“ ins Schwarze.

Die Porträts zeigen Eis- und Nudelhersteller ebenso wie Steinmetze und Keramikarbeiter, Fischer, Professoren, Arbeiter in der Gerberei, Apotheker, Köhler, Bronzegießer, Totengräber, Arbeiter in der Papierfabrik und Menschen unter Wäscheleinen.