Hattinger Künstler spielt mit Kraft und Balance

In seinem Atelier auf dem Hüttengelände hat Gereon Lepper einen kleinen Entwurf in große Objekte umgesetzt und sich einen Traum erfüllt.
In seinem Atelier auf dem Hüttengelände hat Gereon Lepper einen kleinen Entwurf in große Objekte umgesetzt und sich einen Traum erfüllt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In drei Monaten hat Gereon Lepper in seinem Atelier auf dem Hüttengelände zwei Objekte gebaut, die sich aufeinander zu bewegen, aber nicht zusammenkommen.

Hattingen..  Sein schwimmendes Schiff, mit dem Gereon Lepper, wie berichtet, auf europäischen Wasserwegen Kunst zu den Menschen schippern möchte, hat der Skulpturen-Kapitän im Moment auf Eis gelegt. Aus jahreszeitlichen Gründen, aber auch, weil derzeit andere Projekte seine ganze Energie an Land fesseln. Die Tauschaktion „Kunst gegen Unterstützung“ für das Großvorhaben kurbelt er an, sobald er wieder etwas mehr Luft hat.

Oder ein Lottogewinn die Suche nach Menschen, die sich finanziell beteiligen, überflüssig macht. „Ich habe gerade einen Schein abgegeben“, sagt er lachend. Mit der Umsetzung einer Skulptur mitten in seinem Atelier an der Werksstraße hat sich Lepper aber jetzt schon „einen Traum erfüllt“. 2014 sei ein gutes Jahr gewesen, auch finanziell. „Ich hoffe, das war das erste der sieben fetten Jahre, die auf die mageren folgen“, sagt er. Deshalb hat der Künstler, der 2013 mit dem Kunstverein im Alten Rathaus „Experimentelle Arbeiten im Maßstab“ gezeigt hatte, eine Maquette bereits in ein Riesenformat umgesetzt. Eine Arbeit, in der es um Kraft und Balance geht. Sie hat ihn drei Monate beschäftigt und hohe Materialkosten verschlungen.

Zwei riesige Objekte bewegen sich aufeinander zu – und schaffen es doch nicht zusammenzukommen. „Wie Sisyphos“, erklärt Lepper. Dieser muss einen Felsblock einen steilen Berg hochrollen. Er kann sich noch so mühen – der Stein entgleitet ihm. Doch für den Künstler ist der Weg das Ziel, das erreichte Ziel eher langweilig. Er selbst braucht ebenfalls einen langen Atem, wahrscheinlich genauso viel Kraft wie seine martialisch aussehenden Maschinenmenschen, biegt unterwegs oft ab, setzt sich und seine Projekte auf Nebengleise.

Keine Auftragsarbeiten

Während eines Stipendiums in Paris hat Lepper Zeichnungen für Objekte gemacht, die er jetzt umsetzt. Er macht keine Auftragsarbeiten, sondern verwirklicht Pläne, die sich in seinem Kopf bewegen. Wie die Flüssigkeit in einem der Objekte. Reicht manchmal Arbeiten für Wettbewerbe ein – und freut sich, wenn er durch Vorgaben auf eine neue Schiene gesetzt, auf eine Idee gebracht wird, „auf die ich selbst nicht gekommen wäre“. Die baut er dann gern weiter aus. Auf eine große Spirale – ein anderes Exemplar davon hält in der Werkstatt als Kerzenhalter her – legt Lepper einen Stein und verfolgt gebannt die leichte Bewegung. Einen anderen Stein hängt er an ein Gummiband und erläutert, wie das Gewicht verfliegt. Nach diesem Prinzip will er eine Riesenhantel bauen, die leichter ist, als sie aussieht. Ein Kraftakt, den zu stemmen sich Gereon Lepper freut.