Hattinger Kinder lernen kreatives Schreiben

Kinder und Jugendliche in der Schreibwerk mit Pia Helfferich. Vorne rechts Nele (10), links Felix (9).Foto:Volker Speckenwirth
Kinder und Jugendliche in der Schreibwerk mit Pia Helfferich. Vorne rechts Nele (10), links Felix (9).Foto:Volker Speckenwirth
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Was wir bereits wissen
Zum Warmwerden denken sich zehn Kinder und Jugendliche mit Autorin Pia Helfferich in der Wörter-Werkstatt der Bibliothek gemeinsam Geschichten aus und schreiben fremde Erzählungen weiter.

Hattingen..  Es ist mucksmäuschenstill in der kreativen Schreibwerkstatt der Stadtbibliothek. Zehn Kinder und Jugendliche zwischen neun und 13 Jahren und eine Erwachsene sitzen hochkonzentriert über leeren Blättern. Keiner schwatzt, nur Stifte fliegen übers Papier und verursachen dabei leise Geräusche. Felix fragt flüsternd Heike Bein, die Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, die alle begrüßt hat, ob er wohl den Anfang seiner eigenen Geschichte aufschreiben kann, die er im Kopf hat.

Das kann der Schüler von der Weiltorschule natürlich. Der Neunjährige ist der einzige Junge, der der Aufforderung nachkommt: Schreib’ dir eine eigene Welt! 15 Bibliotheken im Land beteiligen sich an dem Projekt, mit dem sie den schreibenden Nachwuchs unterstützen. Denn: „Musik oder Gesangsunterricht bekommen Kinder und Jugendliche überall. Wer gern schreibt, findet jedoch kaum Möglichkeiten, seine künstlerische Fähigkeit zu entwickeln. Es mangelt an Kursen, Lehrern oder Schulen für junge Autorinnen und Autoren“, heißt es im Faltblatt Junges Schreiben von Bibliotheken und Literaturbüro NRW.

Als Pia Helfferich, Autorin und Schreibtrainerin aus Heiligenhaus, die die Wörter-Werkstatt leitet, im entsprechenden Alter war, „gab es so etwas leider nicht“. Da sie schon immer wusste, dass sie schreiben wollte, ist die heute 38-Jährige auch Autorin geworden. Sie war unter den jungen Nachwuchsautoren, die vor vielen Jahren ihren Text bei einer Kubischu-Lesung vorgestellt haben. Sie hat zwar keinen Preis gewonnen und ist „76 Jahre zu spät geboren, um Scott Fitzgerald zu heiraten, mit ihm abwechselnd in den USA und Südfrankreich zu leben und den Roman „Save me the Waltz“ zu veröffentlichen“, wie Interessenten auf ihrer Homepage erfahren. Bringt jetzt aber Erwachsenen wie Kindern kreatives Schreiben bei – und das mit viel Spaß.

Texte nicht wiedererkannt

Welchen Text sie selbst als Nachwuchsautorin in Hattingen gelesen hat, daran kann sie sich „nicht mehr erinnern“. Wie sie oft ihre eigenen Texte später nicht wiedererkennt, „das ist richtig spannend“, lacht sie.

Nicht mehr wiedererkennen werden auch Alex, Maxi, Felix, Jary, Julina, Joana, Julia, Belana, Alexandra und Jacqueline ihren Text. Das heißt, ihrer ist erst der Text, dessen Schluss sie schreiben. „Der gehört euch“, sagt Pia Helfferich. Zunächst schreiben alle „zum Warmwerden“ in fünf Minuten einen Einstieg. Stifte liegen bereit für diejenigen, die kein „Werkzeug“ dabei haben. Dann werden die Texte neu verteilt, jeder ersinnt in zehn Minuten – das Gekrakel des Vorgängers muss entziffert werden, deshalb gibt es mehr Zeit – die Mitte. Nach erneutem Blattwechsel folgt der Schluss.