Hattinger Kinder leben wie die Zippianer

Die neunjährige Anna nimmt ihr Ziel ins Visier. Dirk Schefer gibt eine Hilfestellung und schon findet der Pfeil den Weg ins Ziel.
Die neunjährige Anna nimmt ihr Ziel ins Visier. Dirk Schefer gibt eine Hilfestellung und schon findet der Pfeil den Weg ins Ziel.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In der inklusiven Wildnisschule des Ferienspaßes konnten die Kinder für einen Tag einmal austesten, wie es sich als Indianer lebt – stilecht mit Bogenschießen und Basteleien vor dem Tipi.

Hattingen..  Im Tal der Zippianer, einem Indianerstamm, der im Erlebnisgarten an der Zippe beheimatet ist, war am Samstag jede Menge los: Die mutigen Kinder, die sich in das Lager des Stammes trauten, hatten die Möglichkeit, einen Tag lang zu arbeiten, zu jagen und auszusehen wie echte Indianer. An den großen, rustikalen Holztischen, die mit dicken, bunt gemusterten Stoffen bedeckt waren und vor den gut drei Meter hohen Tipis aufgestellt wurden, saßen schon in den frühen Mittagsstunden aufgeregte Kinder.

An einem Tisch stellten sie stilechte Lederbeutel her. Merle und Michelle haben mit Hilfe eines Tellers Kreise auf das grob gegerbte Leder gemalt und beginnen, diese Kreise auszuschneiden. Der neunjährige Lars und Mama Britta sind schon weiter, sie beginnen damit, mit einem Locher Löcher in den Rand zu stanzen. „Du hältst fest und ich drücke,“ sagt Lars und versucht mit aller Kraft den Hebel runterzudrücken. Emily hingegen ist mit dem Einfädeln des Bandes durch die Löcher fertig und zurrt den Beutel zusammen. „Emily, du musst noch eine Holzperle aussuchen, als Verschluss deiner Börse“, erklärt Opa Hans und deutet auf die Metallbox mit den bunten Holzperlen, mit denen die Kinder später Ketten und Armbänder fertigen werden.

„Das Ferienspaßangebot heute ist eine Kooperation zwischen der Stadt und der Lebenshilfe Hattingen und ist somit ein inklusives Angebot“, erklärt Sozialpädagogin Nadine Rosemeyer während sie Merle und Michelle, die ihre Beutel inzwischen fertiggestellt haben und nun einen zippianischen Kopfschmuck basteln wollen, eine Tüte mit bunten Federn reicht.

Die Kinder und Erwachsenen konnten aber nicht nur aussehen wie echte Indianer, sondern auch ausprobieren, wie die Urvölker jagen: mit Pfeil und Bogen. Dazu errichteten die Mitarbeiter der Lebenshilfe einen Trainingsschießstand weiter hinten im Garten, um niemanden durch das Bogenschießen zu gefährden.

Zum Abschuss der Pfeile wurden so genannte Recurve-Bögen verwendet, da diese eine traditionelle und intuitive Form des Schießens ermöglichen und so den Jagdwerkzeugen von „richtigen“ Indianern sehr nahe kommen. Die Kinder nahmen die leichten Bögen aus Kunststoff, die Erwachsenen die größere Variante aus Holz. Den Unterarmschutz aus Leder, der vor blauen Flecken durch die zurückschnellende Bogensehne bewahren soll, hatten alle angelegt. Die neunjährige Anna richtet den schwarzen Carbon-Pfeil auf eine der beiden Zielscheiben, lässt die Sehne los und: getroffen! Da freut sich nicht nur Anna, auch die restliche Gruppe beglückwünscht das blonde Mädchen, das zuversichtlich den nächsten Pfeil aus ihrem Köcher ergreift und auf die Sehne spannt.