Hattinger Eltern haben Verständnis für den Warnstreik

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Was wir bereits wissen
Die Forderungen der Erzieherinnen nach mehr Lohn und Anerkennung halten Eltern überwiegend für gerechtfertigt.

Hattingen..  Susanne Buchta (35) hat Glück: Ihre Kinder, Alice (4) und Ferenc (2), besuchen das katholische Familienzentrum St. Christopherus, der Warnstreik in den städtischen Einrichtungen Schreys Gasse, Familienzentrum Südstadt und Oberwinzerfeld an diesem Mittwoch stellt die berufstätige Frau daher vor keine organisatorischen Probleme. Doch selbst diese würde sie in Kauf nehmen, weil sie den Ausstand im Kampf um mehr Lohn und Anerkennung „für gerechtfertigt hält“. Dass Erzieherinnen heutzutage„weitaus mehr leisten, als Kinder zu bespaßen“, sei an vielen Stellen der Gesellschaft indes „noch nicht durchgedrungen“.

Ähnlich äußern sich an diesem Mittwoch viele Eltern.

Julia Swiatkowski (28) etwa. Dass Erzieherinnen „gute Arbeit leisten, unter zunehmend schwierigen Bedingungen“, betont sie. Und: Die Anforderungen an Erzieherinnen hätten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Als Beispiele nennt sie: Ausbau der U-3-Betreuung, Sprachförderung, Beziehungsarbeit. Maximal 3300 Euro brutto gibt’s dafür – für Vollzeit-Fachkräfte in der höchsten Entgeltstufe. Berufsanfänger, Teilzeitkräfte oder auch Kindertagespflegerinnen wie Sandra Laskowski verdienen weitaus weniger.

Die 30-Jährige hat ihren Wunschberuf daher aufgegeben, schult nun um zur Busfahrerin. Für die Streikenden an diesem Mittwoch hegt die alleinerziehende Mutter denn auch große Sympathien. Und ihre Freundin Julia Swiatkowski, die im Einzelhandel arbeitet, sagt: „Sogar mehr zahlen würde ich für einen Kita-Platz, man will ja schließlich auch selbst arbeiten.“ Nur dass sie vom Warnstreik erst am Montagnachmittag erfahren habe, kritisiert sie – und fragt sich, wie manche berufstätige Eltern noch so kurzfristig Betreuung organisiert bekommen, wenn etwa Sonderurlaub nicht möglich ist.

Immerhin: In der Kita Nordstraße ist eine Notgruppe eingerichtet; gleiches gilt für das Familienzentrum Holthausen und die Kita Tippelstraße. Für viele Eltern wie die alleinerziehende Berufstätige Maren Walk sind diese Angebote, die am Warnstreik-Tag insgesamt 50 Kinder nutzen, ein echter Segen. Ihr Verständnis für den Streik, sagt Maren Walk „hält sich in Grenzen, weil die Mütter und Kinder im Grunde die Leidtragenden sind. Natürlich wünschen wir uns alle mehr Lohn und Anerkennung für das, was wir jeden Tag leisten. Das betrifft aber nicht nur Erzieher.“

Außendienstler Lars Konieczny (43), der sich den Mittwochmorgen frei genommen hat zur Betreuung von Tochter Hannah (6), hat derweil viel Verständnis für die Erzieherinnen im Ausstand; so könnten sie ihren nachvollziehbaren Forderungen den entsprechenden Nachdruck verleihen. – Man wird sehen: Heute findet die nächste Tarifrunde für die Beschäftigen von Kindertagesstätten statt.