Hattinger Autorin sucht einen Verlag

Autorin Sylvia Hörst sucht für ihr Manuskript einen Verlag, der das Buch veröffentlichen will.
Autorin Sylvia Hörst sucht für ihr Manuskript einen Verlag, der das Buch veröffentlichen will.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Sylvia Hörst möchte ihren Roman über die Liebe zwischen einer Rollstuhlfahrerin und einem Rockmusiker veröffentlichen. Kleinere Verlage erwarten Vorkasse.

Hattingen..  An den Moment, als Sylvia Hörst ihren ersten Autorenvertrag in Händen hielt, erinnert sich die 59-Jährige noch genau. Auf der Couch im heimischen Wohnzimmer öffnete sie vor ein paar Monaten den Briefumschlag mit dem Schreiben des kleinen Verlages: „Mit Freude haben wir Ihr Manuskript gelesen, wir sind begeistert. Für die Veröffentlichung . . .“ stand da zu lesen. Dass sie in dem Augenblick „das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht“ bekommen habe, erzählt sie. Und dass sie dachte: „Wahnsinn! Die wollen mein Manuskript. Die wollen mich!“ Ihr jahrelanger Traum, irgendwann einmal ein Buch zu veröffentlichen, er würde endlich wahr werden.

Dann las sie weiter. Und der Euphorie folgte die Ernüchterung.

Sylvia Hörst nämlich sollte für die Verlegung ihres doch so begeisternden Skriptes in Vorkasse treten. „8000 Euro wollte der Verlag von mir haben.“ Dann werde ihr Roman über eine Frau im Rollstuhl, die sich in einen Rockmusiker verliebt, binnen Kürze in den Läden stehen. Und ab dem 301. verkauften Exemplar von „Shining Ice“, wie sie ihren Roman über die Beziehung zweier sehr verschiedener Menschen genannt hat, werde ihr sogar anteilig ein kleiner Betrag vom Verkaufspreis gut geschrieben.

Doch die Hattingerin lehnte ab. Nicht, weil sie die 8000 Euro nicht irgendwie hätte locker machen können, um ihren großen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Sondern weil ein solcher Vertrag für Sylvia Hörst, die ihr Geld als Verwaltungsfachangestellte bei der Stadt Hattingen verdient, nicht das ist, was sie sich als Schriftstellerin wünscht: „eine gewisse öffentliche Anerkennung“. Und die, findet sie, sollte man sich nicht erkaufen.

Bestärkt vom Mann, der Tochter und einigen Freunden kontaktierte sie in diesem Herbst die nächsten im Internet ausfindig gemachten kleinen Verlage. Schickte ihnen wie gewünscht mal ein Exposé, mal eine mehrseitige Leseprobe mal sogar das ganze Skript zu. Und jedes Mal wieder erhielt sie dieselbe Antwort: „Mit Freude . . . sind begeistert . . .“ Und jedes Mal sollte sie für eine Veröffentlichung erst mal zahlen. Auch ein georderter Literaturagent half ihr nicht weiter. „Etwas anderes als von kleineren Verlagen so einen Knebelvertrag zu bekommen“, hat Sylvia Hörst inzwischen gelernt, „ist für eine namenlose Autorin wie mich offenbar schwierig.“

Trotzdem will sie im Neuen Jahr noch einen letzten Versuch starten – und sich an die ganz großen Verlage heranwagen. „Denn die“, sagt die 59-Jährige, „tragen das finanzielle Risiko allein, falls ihnen ein Manuskript zusagt.“

Und genau das will sie jetzt endlich wissen.

Tochter entdeckte die Notizhefte zufällig

Die Tochter ist „schuld“ an Sylvia Hörsts Schriftstellerei: Die Gute-Nacht-Geschichten nämlich, die sie der damals dreijährigen Carina erzählte, langweilten diese irgendwann; Sylvia Hörst begann, sich eigene Erzählungen auszudenken. Und aufzuschreiben. Erst nur für Carina, alsbald auch für deren Kindergarten-, später Grundschulfreundinnen. Als Carina und Co. den Gute-Nacht-Geschichten längst entwachsen waren, schrieb sie nur noch für sich – „das Schreibfieber hatte mich längst gepackt“.

Von Erlebnissen auf der Straße bis zu Beobachtungen im Urlaub am Strand: Die Hattingerin verarbeitete sie zu sorgfältig in Kladden aufgeschriebenen Geschichten. Jahrzehntelang allerdings bekam diese niemand zu lesen, weil Sylvia Hörst schon damals zwar sehr gerne Buchautorin geworden wäre, aber sich so viel Persönliches preiszugeben noch nicht traute.

Doch dann fielen die Notizhefte vor einiger Zeit der inzwischen erwachsenen Tochter zufällig in die Hände: Sylvia Hörsts Werk „Die doppelte Braut“ über die Zwillingsschwestern Lena und Laura. Ihr Roman „Shining Ice“. Und ihr „Nordsee“-Skript. Und als Carina Hörst sich durch das mehrere hundert Seiten umfassende Werk der Mutter geschmökert und es auch einige Freundinnen hatte probelesen lassen, sagte sie: „Damit, Mama, musst Du an die Öffentlichkeit. Unbedingt.“ – Von da an ging die Verlagssuche los . . .